Frank Pagelsdorf Keine Heulerei nach Sieg über Bayern


Zum Rückrundenauftakt empfängt Aufsteiger Hansa Rostock Tabellenführer Bayern München (ab 20.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker). Im Interview mit stern.de erzählt Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf über unfreiwillige teambildende Maßnahmen und warum Rostock in der ersten Liga bleibt.

Zum Rückrundenauftakt empfängt der Abstiegskandidat Hansa Rostock die übermächtigen Bayern. Was erzählen Sie Ihrer Mannschaft vor so einem Spiel? Ihr sollt rennen, kämpfen, grätschen?

Das würde nicht so unserem Spiel entsprechen.

Aber wie stellen Sie Ihre Mannschaft gegen die Startruppe aus München ein?

Wir werden schon versuchen, Fußball zu spielen und zu Hause zu gewinnen.

Sie sind ein Mensch, der auch mal seine Emotionen zeigt und die eine oder andere Träne vergießt. Würde ein Sieg gegen die Bayern Sie zum Heulen bringen?

Sie kennen mich anscheinend nicht gut. Das bedarf schon einer besonderen Situation.

Die Bayern haben in der Winterpause die Schlagzeilen mit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld beherrscht. Wie beurteilen Sie diesen Coup?

Das kann ich gar nicht beurteilen. Da bin ich Außenstehender.

Hansa Rostock sorgte auch für Schlagzeilen, als sie nach einem Testspiel gegen die iranische Nationalmannschaft drei Tage auf dem Teheraner Flughafen festsaßen? Was war da los?

Das war nicht ganz einfach, weil es einen Wintereinbruch gab. Die Temperaturen fielen auf Minus 16 Grad, es hat geschneit, die Straßen waren nicht mehr befahrbar, der Flughafen war gesperrt. So kam es dazu, dass wir relativ viel Zeit auf dem Flughafen und im Flugzeug verbracht haben. Das war natürlich für die Mannschaft eine extreme Situation. Aber ich habe es schon gesagt: Das war eine teambildende Maßnahme, für wir nichts zu bezahlen brauchten. Die haben wir kostenlos gekriegt. Das Ganze war zwar nicht ganz freiwillig, aber es hat gezeigt, dass die Mannschaft einen guten Zusammenhalt hat.

Sind Sie trotzdem mit Ihrer Vorbereitung auf die Rückrunde und den Abstiegskampf zufrieden?

Wenn man ausschließlich die Testspiele betrachtet, war das ganz ordentlich. Wir haben versucht, ein paar Sachen einzustudieren. Und es gab auch etliche Spieler, die die Zeit genutzt haben, um sich anzubieten.

Mit den Bayern kommt auch das vielleicht größte deutsche Fußballtalent Toni Kroos wieder nach Rostock, der aus der Hansa-Jugend stammt. Wäre es nicht sinnvoll gewesen, so ein Talent länger zu halten? Oder ist das für einen Club wie Rostock unrealistisch, wenn ein großer Verein wie die Bayern anklopft?

Das hängt davon ab, wie groß das Angebot von einem anderen Verein ist. Denn wir sehen uns als Ausbildungsverein. Es gehört dazu, dass ein Spieler, den man ausbildet, den Verein verlässt.

Wie weit ist die Entwicklung zum Ausbildungsverein in Rostock?

Wir haben im vorigen Jahr acht Spieler aus dem Nachwuchsteam in die erste Mannschaft geholt, von denen vier jetzt Stammspieler sind. Fünfzehn Spieler spielen in dieser Saison das erste Mal in der Bundesliga. Das sind zwei Zahlen, die belegen, was wir in Rostock machen.

Warum haben Sie Ihren Kader in der Winterpause nicht durch Neuverpflichtungen verstärkt. Außer Gledson, der nach einem halben Jahr vom VfB Stuttgart zurückkehrt, gab es keine Neuzugänge?

Ganz einfach: Es ist kein Geld vorhanden. Da stellt sich die Frage nicht.

Warum schafft Rostock trotzdem den Klassenerhalt?

Ich glaube, dass sich die Mannschaft in der Entwicklung befindet. Wir haben viele junge Spieler im Team. Die Hinrunde hat gezeigt, dass sie sich entwickeln können und das Zeug dazu haben, in der Bundesliga zu bestehen.

Gehen Sie im Fall des Abstiegs mit in die 2. Liga?

Mit der 2. Liga beschäftigen wir uns derzeit nicht.

Lassen Sie uns noch auf den Hamburger SV zu sprechen kommen, den Sie als Trainer vor Jahren in die Champions League führten. Welche Kontakte haben Sie noch nach Hamburg?

Mit dem Teammanager Bernd Wehmeyer telefoniere ich ab und zu.

Die Nachfolge-Diskussion um Huub Stevens, der im Sommer den HSV verlassen wird, spielt bei Ihren Gesprächen keine Rolle? Wären Sie ein möglicher Nachfolger?

Nein. Ich habe ja einen Vertrag in Rostock.

Interview: Tim Schulze

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