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Freundschaftsspiel: DFB-Elf setzt Siegeszug fort

Auch der zweite Anzug passt: Nach Start-Schwierigkeiten hat eine B-Elf der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Rumänien in einem Freundschaftsspiel klar bezwungen. Beim fünften Sieg in Folge feierte ein Kölner Junge dabei ein gelungenes Comeback.

Auch mit der zweiten Garnitur hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren Siegeszug in der EM-Saison fortgesetzt. Nach den Auswärtserfolgen in England (2:1) und Wales (2:0) gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Köln auch gegen Rumänien mit 3:1 (1:1) und fügte dem möglichen Gegner bei der Europameisterschaft die erste Niederlage seit 14 Spielen zu. Nach dem frühen Rückstand durch Dorin Goian (3.) sorgten Kapitän Bernd Schneider (42.) mit seinem ersten Kopfball-Tor im 80. Länderspiel, "Joker" David Odonkor (65.) und Lokalmatador Lukas Podolski (82.) für den ersten deutschen Sieg gegen Rumänien seit 23 Jahren. Mit dem fünften Sieg in Serie gelang zugleich die Revanche für das blamable 1:5 vom April 2004.

"In der Pause haben wir überlegt, wie kann man die Mannschaft wachrütteln. Dann hat sie kämpferisch und läuferisch unheimlich zugelegt und Charakter bewiesen", lobte Löw sein Team für die Steigerung in der zweiten Halbzeit. "Ich habe schon viel mit Köpfchen gemacht, aber ein Kopfball-Tor ist mir bisher noch nicht gelungen", sagte Schneider. "Wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, können wir stolz sein." Podolski freute sich ganz besonders über seinen Treffer vor heimischem Publikum: "Auf dieser Leistung kann ich aufbauen."

Löws Experiment glückte

Anders als beim 0:1 gegen Dänemark vor sechs Monaten glückte das Experiment von Löw, in einem Testspiel mehrere Stammspieler zu schonen und die zweite Besetzung ins Rennen zu schicken. Dennoch wurde einen Monat vor dem nächsten EM-Ernstfall in Dublin gegen Irland deutlich, dass im sechsten Länderspiel in Folge ohne Michael Ballack ein Lenker im Mittelfeld fehlte. Bastian Schweinsteiger konnte gegen die ballsicheren und zweikampfstarken Rumänen nicht an seine Gala von Cardiff anknüpfen und das Angriffsspiel ordnen.

Der nach seiner Sperre zurückgekehrte Schneider konnte ebensowenig Impulse setzen wie Piotr Trochowski. Der Spielfreude eines Adrian Mutu hatte aber auch Thomas Hitzlsperger wenig entgegenzusetzen, obwohl der Stuttgarter bis zu seiner Auswechslung zur Pause noch am eifrigsten bemüht war, Linie in die deutschen Aktionen zu bringen und auch immer wieder mit Distanzschüssen sein Glück versuchte.

Das "Kölner" Sturmduo mit Podolski und Patrick Helmes fand vor heimischer Kulisse nicht wie erhofft ins Spiel. Vor allem Podolski war die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken. In seinen besten Szenen scheiterte der Münchner am glänzend reagierenden Torhüter Danut Dumitru Coman (26./49.). Dennoch gab es von den Teamkollegen immer wieder aufmunternde Worte für "Poldi", der am Ende doch noch traf. Helmes fehlt bei allem Talent noch die internationale Reife. In dieser Verfassung scheinen beide nicht imstande, das Stamm-Duo Kevin Kuranyi und Miroslav Klose gleichwertig zu ersetzen.

Rumänen stellten Spielbetrieb ein

Lehmann-Vertreter Timo Hildebrand hatte hinter einer lange Zeit unsortierten Abwehr eine undankbare Aufgabe zu verrichten und hielt, was zu halten war. Denn auch ohne ihren Regisseur Dorinel Munteanu - der 39-jährige Ex-Kölner kam erst in der 63. Minute aufs Feld - zeigten die Rumänen die reifere Spielanlage und stellten die deutsche Verteidigung mit schnellen Pässen in die Spitze vor manche Probleme. Allerdings stellten die Rumänen im zweiten Durchgang den Spielbetrieb fast völlig ein.

Die durch die Kölner Kultband "Höhner" zusätzlich angeheizte Stimmung im Stadion erhielt schon nach drei Minuten einen Dämpfer. Als Mutu eine Freistoßflanke in den Strafraum schlug, standen plötzlich drei Rumänen frei vor dem deutschen Tor und Goian hatte keine Mühe, Hildebrand aus drei Metern zu überwinden. Nicht nur in dieser Szene ließ die Hintermannschaft die Zuordnung vermissen. Gegen den Stuttgarter Ciprian Marica (12./22.) musste Hildebrand erneut auf der Hut sein. Als schon erste Pfiffe von den Rängen ertönten, rettete Schneider die Stimmung, indem er die Flanke von Schweinsteiger mit der Stirn zum Ausgleich verwandelte.

Ungeachtet des Spielstandes setzte Löw nach Wiederbeginn seine Experimente fort und machte das Team mit den Einwechslungen von Arne Friedrich, Simon Rolfes, Gonzalo Castro und David Odonkor nach und nach praktisch zu einer B-Elf. Doch das Team raffte sich noch einmal auf und wurde durch Odonkors Einzelleistung belohnt. Der Ex- Dortmunder profitierte beim 2:1 zudem von einem kapitalen Fehler von Torhüter Coman. Am Ende hatten die Kölner Fans doch noch besonderen Grund zum Jubel, als Podolski in seinem 40. Länderspiel zum 23. Mal ins Schwarze traf.

Klaus Bergmann und Arne Richter/DPA / DPA

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