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Sierra Leone 95:0 und 91:1 – Fußballmanager ist "keine Spielmanipulation bekannt"

Fußballfans in Sierra Leone
Fußballfans in Sierra Leone konnten kürzlich zwei merkwürdige Spiele verfolgen. Die Ergebnisse: 95:0 und 91:1.
© Sunday Alamba / Picture Alliance
Wenn das eigene Fußballteam 0:95 untergeht, kann die Idee aufkommen, dass da etwas nicht stimmt. Zumal, wenn das Parallelspiel 91:1 endet. Die Manager der Klubs aus Sierra Leone sind um Ausreden nicht verlegen. Der Verband ermittelt.

Erste Regel bei der Manipulation von Fußballspielen: Das Ergebnis darf nicht so unglaublich sein, dass es niemand glaubt. Diesen Grundsatz haben vier Vereine aus Sierra Leone kürzlich gründlich missachtet.

Im Kampf um den letzten Platz in den Playoffs zur Premier League des Landes lieferten sich die Kahunla Rangers und der Gulf FC of Kono ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es war klar, dass das Torverhältnis entscheiden würde. Der Gulf FC deklassierte Koquima Lebanon schließlich mit 91:1. Kahunla konterte zur gleichen Zeit mit einem 95:0 gegen Lumbebu United. Alles andere als gewöhnliche Fußball-Ergebnisse. Der Fußballverband kündigte daher Ermittlungen wegen des Verdachts auf Spielmanipulation an. 

"Wir können nicht tatenlos zusehen, wie ein peinliche Situation wie diese ungestraft bleibt", kündigte Verbandspräsident Thomas Daddy Brima gegenüber BBC Sport Africa an. Es gebe "null Toleranz" gegenüber Manipulationen; alle Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Auch die Antikorruptionskommission des Landes solle sich mit dem Fall beschäftigen.

Vereinsmanager: War nur ein Freundschaftsspiel

Die Verantwortlichen der Vereine beeilten sich, Ausflüchte zu präsentieren. Der Vorsitzende von Koquima Lebanon erklärte plötzlich, das entscheidende Spiel um die Playoffs-Teilnahme sei eigentlich nur ein Freundschaftsspiel gewesen. Er bestritt sogar das Ergebnis von 91:1. Ihm seit mitgeteilt worden, dass das Ligaspiel gar nicht stattgefunden habe. Stattdessen sei es eine Begegnung zwischen "Spielern der Community, darunter einige Koquima-Spieler" gewesen, um die Fans zu unterhalten, die Tickets gekauft hatten.

Die Torflut setzte in der zweiten Halbzeit ein, nachdem es zur Pause noch einigermaßen glaubhaft 2:0 für Kahunla beziehungsweise 7:1 für Gulf FC gestanden hatte. Kahunla schaffte dann noch 93 Tore in 45 Minuten, der Gulf FC 84. Den Torreigen der Gulf-Spieler erlebte der Schiedsrichter der Partie aber schon nicht mehr mit, weil er sich in der Halbzeit geweigert hatte, die zweite Spielhäfte zu leiten. Es fand sich ein anderer Referee.

Im Parallelspiel hatte der Lumbebu-Manager interimsmäßig auch den Trainerjob übernommen – und dann nach eigenen Angaben den Überblick verloren. "Wir haben in der zweiten Halbzeit viele Gegentore kassiert", sagte Mohamed Jan Saeid Jalloh BBC Sport Africa. "Ich war frustriert und habe irgendwann sogar wütend die Seitenlinie verlassen. Ich war danach unkonzentriert, daher kann ich nicht einmal sagen, wie viele Gegentore wir insgesamt kassiert haben", so Jalloh. Ihm sei jedenfalls "keine Spielmanipulation bekannt".

Entschuldigung an die Fußballfans der ganzen Welt

Immerhin rang sich der Vorstandsvorsitzende von Kahunla, Eric Kaitell, zu einer Entschuldigung durch: "Ich möchte mich bei den Fußballfans im Land und auf der ganzen Welt für das seltsame Spielergebnis meines Vereins Kahunla Rangers entschuldigen. Ich möchte nachdrücklich sagen, dass ich ein solches unsportliches Verhalten meines Teams und der anderen beteiligen Teams auf Schärfste verurteile."

Welche Konsequenzen diese Posse für die Klubs und deren Verantwortliche haben wird, muss nun der Fußballverband von Sierra Leone entscheiden. Sicher scheint nur, dass keiner der beteiligten Klubs an den Playoffs zur ersten Liga des Landes teilnehmen werden.

Quelle: BBC

dho

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