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FUSSBALL: Asamoah spielt, trifft und singt nicht mit

Die Hymne sang er noch nicht mit, dafür wagte Gerald Asamoah nach seinem ersten Tor für Deutschland ein kleines Freudentänzchen auf dem Rasen.

Die Hymne sang er noch nicht mit, dafür wagte Gerald Asamoah nach seinem ersten Tor für Deutschland ein kleines Freudentänzchen auf dem Rasen. Das Debüt des Schwarzafrikaners in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war der Hit des Abends beim 2:0 (0:0)-Erfolg über die Slowakei. »Es waren sehr viele Augen auf mich gerichtet, weil ich der erste Schwarze war, der für Deutschland gespielt hat. Ich musste etwas zeigen«, berichtete der gebürtige Ghanaer nach seinem beeindruckenden Auftritt im Bremer Weserstadion. Sein Erfolgsrezept klingt simpel: »Der Teamchef meinte, ich soll einfach so spielen wie auf Schalke. Und dank Gott klappt dann noch so ein Tor«, freute sich der 22-Jährige hinterher.

Liebling der Fans

Als er in der 50. Minute mit einer feinen Körpertäuschung seinen Gegenspieler Vratislav Gresko ins Leere laufen ließ und den Ball mit dem schwächeren linken Fuß ins linke untere Toreck zirkelte, hatten ihn die 18 000 Zuschauer im Stadion endgültig ins Herz geschlossen. »Ich war sehr überrascht, danke schön an die Fans«, kommentierte Asamoah den herzlichen Zuspruch und klärte auch die Geschichte mit der Hymne auf. »Alle haben erwartet, dass ich mitsinge. Aber ich habe es extra nicht gemacht. Es saßen ein paar Spieler von Schalke vor dem Fernseher, die wollten das sehen und mich dann auslachen. Es wird aber noch einige Spiele geben, da kann ich noch mitsingen.«

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Märchenhafter Werdegang

»Das ist wie ein Märchen für den Gerald«, staunte Rudi Völler - und traf damit den Nagel auf den Kopf. Denn Asamoahs Werdegang hat in der Tat märchenhafte Züge. Als Gerald vier Jahre alt ist, gehen die Eltern nach Deutschland. Er bleibt in Ghana bei der Oma und der Tante, kommt erst mit 12 nach. Fußball ist alles, was ihn interessiert, und über Hannover 96 findet er den Weg bis in die 2. Bundesliga. Doch im September 1998 bricht er nach einem 3:0-Sieg gegen St. Pauli im VIP-Raum zusammen. Eine angeborene Verdickung der Herzscheidewand scheint seine Profi-Karriere abrupt zu beenden.

Der DFB verhängt ein Spielverbot, Ärzte raten aufzuhören. Erst als ein Spezialist in den USA das Infarkt-Risiko auf unter ein Prozent einstuft, geht es für Asamoah weiter. Ein Restrisiko aber bleibt. Ein Wiederbelebungsgerät (Defibrillator) muss stets am Spielfeldrand stehen.

»Das zweite Spiel wird das schwerste«

Erst vor wenigen Wochen entschied sich Asamoah, der 1999 für drei Millionen Mark nach Schalke gewechselt war, sportlich gegen Ghana und für Deutschland. Einmal spielte er in der »A2«-Auswahl, gewann mit Schalke den DFB-Pokal und erhielt als Belohung die Beförderung durch Rudi Völler. »Ich muss aufpassen, dass ich auf dem Teppich bleibe. Das erste Spiel war das leichteste, das zweite wird das schwerste«, analysierte Asamoah kühl.

Im WM-Qualifikationsspiel am Samstag in Finnland dürfte er nach der Leistung von Bremen wieder erste Wahl auf der rechten Außenbahn sein, auf der er notgedrungen sein Glück gefunden hat. Da er auf Schalke im Schatten des Traumsturms Sand/Mpenza zu versauern drohte, musste er sich auf rechts durchbeißen. Im Club hat er es geschafft, im Nationalteam hat er einen Anfang gemacht. »So einen Einstand wie Gerald wünscht sich jeder Spieler«, lobte Abwehrchef Jens Nowotny.

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