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Fußball-Bundesliga: "Poldi" und die Angst im Rücken

Formkrise und Kritik: Lukas Podolski muss zur Zeit viel aushalten. Nun setzt ihn auch noch eine Bandscheibenverletzung außer Gefecht - keine harmlose Verletzung, wie ein stern.de-Experte meint. Steht für den Angreifer gar die WM auf dem Spiel?

Von Felix Haas

Am Wochenende lief mal wieder nichts zusammen bei Lukas Podolski. Im Spiel seines FC Köln gegen Borussia Dortmund versprühte der Nationalmannschaft-Angreifer kaum Elan. "Poldi", die personifizierte Harmlosigkeit. Kein Torschuss, keine Torvorlage. Seit über 1.100 Minuten ist der Angreifer ohne Bundesligator, zuletzt traf er am 5.Spieltag gegen Schalke 04. Übrig blieb nur der Frust. Nach seiner Auswechslung in der 60. Minute schmiss "Poldi" seine Handschuhe und Trainingsjacke weg. Es schien in ihm zu kochen.

Doch der Frust saß beim 24-Jährigen anscheinend nicht nur wegen der schlechten Leistung tief. Wie sich nach Spielschluss herausstellte, musste Podolski auch aufgrund von Rückenproblemen ausgewechselt werden. Podolski leidet an einem Bandscheibenvorfall - inklusive stechender Rückenschmerzen und einer tauben Wade. Eine ähnliche Verletzung machte ihm schon einmal während seiner Zeit beim FC Bayern zu schaffen. Im Januar 2008 musste er in München mehrere Wochen pausieren.

Schneider und Schlaudraff als abschreckende Beispiele


Mit einem Bandscheibenvorfall ist nicht zu spaßen. Bernd Schneider beendete nach der letzten Saison seine Karriere nach einem ewigen Kampf gegen eine Rückenmarksverletzung. Auch bei Schneider begann alles mit einer Bandscheibenproblematik. Der ehemals hoch gehandelte Jan Schlaudraff hatte Rückenprobleme und musste operiert werden. Nach seinem Wechsel von Alemannia Aachen schaffte Schlaudraff beim FC Bayern München nie den Durchbruch - auch wegen andauernder Bandscheibenprobleme. Heute quält er sich bei Hannover 96 von einer Verletzung zur nächsten.

Wie ernst steht es nun um Lukas Podolski? Muss der Nationalspieler vielleicht sogar um die WM bangen? "Poldi" selbst ist verunsichert: "Ich mache mir Sorgen. Es ist wirklich schon extrem. Damit ist nicht zu spaßen, daher bin ich nun sehr vorsichtig."

Rückenexperte Gerd Müller, der bei stern.de den Rückenratgeber betreut, weiß, wie schwer Rückenverletzungen auf die Form und auf das Wohlbefinden einwirken können. "Um die Rumpf- und Rückenmuskulatur zu stabilisieren, muss ein Sportler bei seiner Rückkehr allerdings sehr viel mehr trainieren als die Kollegen", sagt Müller. Podolski hat also die Chance bis zur WM wieder in Bestform zu kommen. Dafür muss er allerdings einige Extraschichten einlegen.

"Es gibt Verläufe, bei denen eine Rückkehr schwierig ist"


Müller betont aber auch, dass Rückenverletzungen manchmal etwas Schicksalhaftes anhaften kann. "Es gibt Verläufe, bei denen eine reibungslose Rückkehr schwierig ist", sagt er. Müller erinnert sich dabei an ein prägendes Sportbeispiel. Zwei Weltklasse-Basketballspieler aus dem US-Dreamteam haben mit Bandscheibenvorfällen zu kämpfen. Charles Barkeley trainiert hart und schafft ein reibungsloses Comeback. Die Basketball-Legende Larry Bird dagegen kämpft ewig mit den Schmerzen und muss seine Karriere beenden. Vor welchem Schicksal steht Podolski nun?

In Köln wird er mit Wärmepackungen, Spritzen, und Infusionen behandelt. Zudem muss er Extra-Trainigsschichten für seine Muskulatur einlegen. Er wird hart arbeiten müssen, damit die Verletzung nicht ein drittes Mal aufbricht und die Karriere ernsthaft in Gefahr gerät. Bei all der harten Arbeit für das Comeback und die WM-Form bleibt dann nur zu hoffen, dass "Prinz Poldi" ein böses Schicksal erspart bleibt, und der Kölner Liebling nicht zu "Prinz Pech" mutiert.

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