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Fußball-Bundesliga: Verfahren gegen Neuville eingeleitet

Doppeltorschütze Oliver Neuville sorgte mit einem Hand-Tor für Aufregung bei Gladbachs Heimsieg gegen Kaiserslautern. Nun droht ihm einen nachträgliche Sperre durch das DFB-Sportgericht.

Mit Hand und Fuß hat Torjäger Oliver Neuville Borussia Mönchengladbach aus dem Tabellenkeller der Fußball- Bundesliga geschossen. Der Nationalspieler erzielte beim 2:0 (0:0)-Sieg der Gladbacher im Abstiegsduell gegen den 1. FC Kaiserslautern beide Treffer. Doch die Leistung des Stürmers, der mit nunmehr acht Treffern die Torschützenliste allein anführt, wurde durch das eindeutig irreguläre und von Schiedsrichter Uwe Kemmling nicht geahndete Hand-Tor in der 53. Minute getrübt.

Nun drohen Konsequenzen: Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat beim DFB-Sportgericht Anklage gegen Oliver Neuville erhoben. Der DFB-Kontrollausschuss beantragt "wegen eines unsportlichen Verhaltens in der Form des krass sportwidrigen Verhaltens" eine Sperre für zwei Meisterschaftsspiele, teilte der DFB am Montag mit.

Uneinsichtiger Schwindler

"Es war keine Absicht. Ich bin von hinten berührt und geschubst worden", verteidigte sich Neuville, der bei seinem zweiten Tor 15 Minuten später seine Klasse zeigte. "Der Schiedsrichter hat es nicht gesehen. Aber wir hatten auch danach genug Chancen. Der Sieg war verdient", meinte der Neuzugang weiter.

"Das ist unsportlich"

Lauterns Kapitän Timo Wenzel war nach dem Schlusspfiff sauer auf Neuville und die Unparteiischen: "51 000 Zuschauer haben das Handspiel gesehen, nur drei Leute nicht. Das ist Betrug und unsportlich." Borussen-Trainer Holger Fach kündigte ein Gespräch mit Neuville an: "Das ist unsportlich. Wir werden darüber reden müssen."

Nach dem umstritten Führungstor wurde die Partie hektisch. Der Lauterer Dimitrios Grammozis und der Gladbacher Bernd Korzynietz gerieten aneinander und wurden von Kemmling mit der Roten Karte bestraft. Die Gladbacher verdienten sich ihren zweiten Erfolg nach dem Umzug in den neuen Borussen-Park mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit und verschafften sich mit dem Sprung vom 16. auf den 12. Platz Luft im Abstiegskampf. Für die Pfälzer und ihren Trainer Kurt Jara wird die Lage dramatisch. Sie bleiben nach der sechsten Saisonniederlage auf dem 17. Tabellenplatz.

Wolfsburg verliert Tabelenführung

Der Höhenflug des VfL Wolfsburg ist gestoppt. Mit seinem Doppel-Torschützen Silvio Schröter und einem deftigen 3:0 (1:0) holte Hannover 96 das Überraschungsteam am Sonntag im Niedersachsen-Derby der Fußball-Bundesliga auf den Boden zurück. Nach zuvor fünf Siegen in Serie und einem vierwöchigen Ausflug an die Tabellenspitze musste die Mannschaft von Trainer Erik Gerets (18 Punkte) den Top-Rang nach dem 8. Spieltag damit an den VfB Stuttgart (20) abtreten. Vor 34.313 Zuschauern in der AWD-Arena profitierte Hannover vom frühen Traumtor durch seinen Gelegenheitsspieler Schröter in der 7. Minute, dessen Distanzschuss genau in den Winkel passte. Den dritten Saisonsieg der 96iger und einen beruhigenden einstelligen Tabellenplatz sicherte der 25 Jahre alte Spieler des Tages in der 64. Minute mit seinem zweiten Treffer. Daniel Stendel (90.+1) machte die Ernüchterung beim VfL komplett.

"Der Trainer hat gesagt, dass ich torgefährlicher werden muss. Ich wußte, dass meine Chance kommt. Dass es so läuft, ist natürlich super", freute sich der frühere Cottbuser Schröter über seinen ersten Bundesliga-Tore für die "Roten". VfL-Coach Gerets stand dagegen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, nur die Tore nicht. Da waren wir die bessere Mannschaft", resümierte er und kritisierte vor allem die zweite, weit hinter den gewachsenen Ansprüchen gebliebene Halbzeit: "Da haben wir die Ordnung, die Ruhe und zu viele Bälle verloren."

Der VfL, mit Ausnahme von Marian Hristow in der Top-Besetzung der vergangenen Wochen angetreten, präsentierte zunächst noch sein gewachsenes Selbstvertrauen und die Fortschritte im spielerischen Reifeprozess. Nach Spielanteilen und Chancen waren die "Wölfe" Punktsieger gegen die zunächst passiv wirkenden Gastgeber, die sich nach der Pause allerdings steigern konnten und den Sieg auch durch die fast optimale Chancenverwertung verdienten. Unter dem Strich war es für den VfL zu wenig, auch weil sich der Deckungsverbund bei den Kontern der Gastgeber als Schwachstelle erwies.

Peter Hübner und Morten Ritter/DPA / DPA

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