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Bye-bye Bayern?

Bayern kämpft gegen Bayer um die letzte Titelchance. Doch während Trainer Hitzfeld sich in Zweckoptimismus übt, gibt es neue Verletzungssorgen bei den Münchnern.

»Bye-bye Bayern?« Heute Abend könnte der legendäre Spruch, den Klaus Toppmöller im November 1993 voreilig und übermütig als Trainer von Eintracht Frankfurt im Bundesliga-Titelkampf hinaus posaunt hatte, tatsächlich Realität annehmen. »Die Partie gegen Leverkusen ist das wichtigste Spiel der ganzen Saison. Wenn wir nicht gewinnen, ist das Titelrennen gegessen«, verkündete Nationalstürmer Carsten Jancker vor dem brisanten Duell zwischen Bayern und Bayer.

Kapitän Stefan Effenberg forderte, an den Pokalerfolg in Kaiserslautern anzuknüpfen: »Wir müssen die große Chance nützen, die wir noch haben. Sonst sind wir wohl raus aus dem Titelrennen«, sagte Effenberg. Von einem »Spiel der Spiele« wollte die Münchner Reizfigur allerdings absolut nicht sprechen: »Das Spiel der Spiele war für uns das Champions-League-Finale gegen Valencia«, meinte er.

»Nur noch Endspiele«

Trotzdem: Im Olympiastadion herrscht am 20. Spieltag aus Sicht des deutschen Meisters knisternde Endspiel-Atmosphäre. Und trotz der Negativserie von sieben sieglosen Spielen in der Bundesliga ist für Ottmar Hitzfeld sein Team der Favorit. »Zuhause ist der FC Bayern immer Favorit, egal gegen wen, ob Real Madrid, FC Barcelona oder Leverkusen«, sagte der Bayern-Coach. »Wenn wir Meister werden wollen, haben wir nur noch Endspiele vor uns. Mit einem Unentschieden ist uns am Sonntag nicht gedient«, beschrieb Hitzfeld die kritische Lage.

Bayer-Manager Reiner Calmund gab dem Spitzenspiel einen schönen Titel: »Am Sonntag kommt es zum Spiel Schaum vor dem Mund gegen Selbstvertrauen.« Dem widersprach Effenberg umgehend: »Wir haben keinen Schaum vor dem Mund«, behauptete der 33-Jährige, der vorgab, die von allen Seiten auf ihn einstürzende Kritik kalt lächelnd von sich abprallen zu lassen: »Über Kritik muss man cool drüber stehen. Wenn es nicht rund läuft, kriegt man eben mehr auf die Backen. wir halten zusammen bis zum Ende.«

Zusammenhalt ist auch dringend geboten, denn die Zahl der Bayernspieler, die gesund und fit sind, ist mittlerweile weiter geschrumpft. Nach den Mittelfeldspielern Hasan Salihamidzic und Niko Kovac wird Abwehrspieler Pablo Thiam als dritter Profi des deutschen Fußball-Meisters für mehrere Wochen mit einer Knieverletzung ausfallen. Salihamidzic (Kreuzband) und Kovac (Riss des Innenbandes) werden dem Weltpokalsieger ebenfalls noch langfristig fehlen. Nur bedingt einsatzbereit ist Paulo Sergio. Der Brasilianer wird nach seiner Oberschenkel-Verletzung erstmals im neuen Jahr gegen Leverkusen wieder zum Bayern-Kader gehören. »Er wird auf der Bank sitzen«, sagte Hitzfeld. Ein Einsatz von Beginn käme zu früh für den ehemaligen Leverkusener.

Seit 1994 ist Bayer bei Bayern nur Punktelieferant

Im Titelrennen spricht zwar angesichts von acht Punkten Vorsprung alles für Bayer und gegen Bayern. Doch die Bilanz der direkten Duelle im Olympiastadion vermittelt das Gegenteil. Seit 1994 gab es für Leverkusen sieben Pleiten hintereinander in München. Der letzte Sieg von Bayer im Olympiastadion datiert bereits aus dem Jahre 1989 (1:0). »Wir sind der Angstgegner von Leverkusen«, bemerkte Hitzfeld, auch wenn Calmund verspricht, die Bayer-Profis würden dieses Mal nicht mit vollen Hosen im Olympiastadion auflaufen: »Die Pampers-Windeln lassen wir diesmal zu Hause«, kündigte der Bayer-Manager an.

Das gilt auch für den brasilianischen Weltklasse-Abwehrspieler Lucio. Ein neuer Schuh soll zwar die Schmerzen am Fuß lindern, aber Lucio fehlt nach längerer Trainings- und Wettkampfpause die nötige Fitness. »Es hat keinen Zweck«, sagte er selbst. Die Zuschauer werden ohnehin mehr auf das brisante Duell im Mittelfeld zwischen Effenberg und dem im Sommer zum FC Bayern wechselnden Michael Ballack achten.

Von Klaus Bergmann, dpa

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