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Fussball: Großclubs gegen "Formel 36" bei WM 2006

Die europäischen Fußball-Großclubs wehren sich entschieden gegen die Erhöhung der Teilnehmerzahl an der WM 2006. Der Fußball-Weltverband hatte entschieden, dass in drei Jahren 36 statt sonst 32 Mannschaften antreten sollen.

Der Fußball-Weltverband (FIFA) stößt mit seiner Grundsatz-Entscheidung für eine Erhöhung von 32 auf 36 Teilnehmer bei der Weltmeisterschaft 2006 auf entschiedenen Widerstand der europäischen Großclubs. "Ich warne davor, die Club-Wettbewerbe zu reduzieren und gleichzeitig die Nationalmannschafts-Wettbewerbe zu forcieren. Das werden sich die Clubs nicht anschauen", sagte Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Montag.

Belastung für die Spieler nicht vergrößern

Rummenigge sprach dabei auch in seiner Eigenschaft als Führungsmitglied der in der so genannten "G 14" organisierten Großvereine wie Real Madrid, AC Mailand und den Bundesligisten FC Bayern, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Eine Ausweitung auf 36 Teams mit womöglich dann 34 statt 31 WM-Tagen würde einen weiteren Konflikt-Herd zwischen der FIFA und den "G 14"-Vereinen eröffnen, die die meisten Nationalspieler für eine Weltmeisterschaft abstellen. "Ich warne davor, den Spielern immer mehr Belastungen aufzubürden", betonte Rummenigge.

Gegenwehr der Vereine erwartet

Markus Siegler, FIFA-Direktor Kommunikation, rechnet mit heftiger Gegenwehr der Vereine, sollte die WM wegen der Aufstockung länger dauern als derzeit geplant. "Dann wird es Diskussionen mit den großen Ligen geben", meinte Siegler zum Auftakt der FIFA-Inspektion aller 12 WM-Stadien in Frankfurt. Schon jetzt steht die Forderung der Vereine im Raum, dass die Dachverbände FIFA und UEFA die Vereine finanziell dafür entschädigen sollen, dass sie ihre Spieler bei den großen Turnieren wie WM und EM abstellen.

"FIFA dreht am Rad"

Rummenigge erinnerte die FIFA auch daran, dass die Vereine bei der von allen Seiten geforderten Termin-Reduzierung mit gutem Beispiel vorangegangen seien. "Alles soll runtergefahren werden, zum Beispiel wird die zweite Gruppenphase in der Champions League abgeschafft. Auch die nationalen Ligen sollen am besten auf 16 Mannschaften verkleinert werden. Und gleichzeitig drehen die Herren der FIFA immer weiter am Rad", sagte Rummenigge.

Mathematisches Problem

Außerdem ist er "einer Meinung mit Franz Beckenbauer", dass die "Formel 36" aus sportlichen Gründen abzulehnen sei. "Selbst Adam Riese hat keine Lösung dafür parat, wie man bei einem Turnier mit 36 Mannschaften auf 16 Teams für das Achtelfinale kommen soll", meinte Rummenigge. FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte die Erhöhung am vergangenen Wochenende in Zürich "unter dem Vorbehalt durchgesetzt", dass mit den zusätzlichen vier Mannschaften weiterhin ein Spielplan erstellt werden kann, "der die sportliche Glaubwürdigkeit" garantiert. "Kein Mensch weiß, wie das gehen soll", sind sich die Erhöhungs-Gegner Beckenbauer und Rummenigge einig. Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees (OK), stellte allerdings klar: "Wir würden lieber mit 32 Mannschaften spielen, aber wenn der Beschluss einer Erhöhung kommt, werden wir ihn umsetzen. In welchem Modus auch immer."

Kein Konflikt

Im Streit zwischen der FIFA und dem von Beckenbauer angeführten WM-OK um die Preise für Hospitality-Tickets bei der Endrunde 2006 bemühte sich Blatter unterdessen um versöhnliche Töne. "Meiner Ansicht nach ist das kein Konflikt", sagte der FIFA-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er sei Beckenbauer wegen dessen scharfen verbalen Angriff gegen die FIFA, den er mit einer persönlichen Rücktrittsdrohung verband, "nicht böse".

"Maßlose Pläne"

Beckenbauer hält Pläne des Weltverbandes für maßlos, die auf Preise von bis zu 1000 Euro bei der Betreuung besonderer Gäste (VIP) hinauslaufen. Von den insgesamt etwas mehr als drei Millionen verfügbaren Eintrittskarten - der Haupteinnahmequelle des OK - müssen die deutschen Ausrichter der FIFA 15 Prozent für VIP-Gäste bereitstellen. "Wir haben mit dem deutschen OK einige Punkte, in denen wir uns nicht einig sind", räumte Blatter ein.

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