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Fußball: WM-Stadien noch mangelhaft

Noch kann die WM nicht kommen. Die Stiftung Warentest stellt erhebliche Sicherheitsmängel bei den WM-Stadien fest. Die betroffenen Vereine sehen aber positiv in die Zukunft: "Wir liegen voll im Plan."

Franz Beckenbauer hoffte bei seinem Neujahrsempfang noch auf einen reibungslosen Endspurt bei den WM-Vorbereitungen, doch den Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft droht fünf Monate vor Turnierbeginn schon wieder großes Ungemach. Die Stiftung Warentest hat bei einer Untersuchung der zwölf WM-Stadien "teilweise beträchtliche" Sicherheitsmängel entdeckt und die Organisatoren damit in arge Bedrängnis gebracht.

Nach der Studie könnte eine Panik "verheerende Folgen" haben, berichtete das unabhängige Institut am Freitag in Berlin. Auch beim Brandschutz seien Defizite entdeckt worden. Details der Studie zur baulichen Sicherheit sowie die Namen der betroffenen Arenen will die Stiftung aber erst auf einer Pressekonferenz am 19. Januar in Berlin bekannt geben.

"Da kriege ich einen Hals"

Beim WM-Organisationskomitee konnte man somit auf die noch nicht konkretisierten Vorwürfe vorerst nicht ausführlich reagieren. "Ich war bislang so informiert, dass es keine beachtlichen Probleme gibt", sagte OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt. "Ich weiß, dass es eine Untersuchung gegeben hat, aber sonst nichts. Wenn es so wäre, wäre es fair, uns auch die Gelegenheit zu geben, uns dazu zu äußern."

Der Funktionär vermutete, dass es in erster Linie um Rettungswege gehe. Man sei vor einiger Zeit gebeten worden, diese Untersuchungen vornehmen zu lassen und habe selbstverständlich zugestimmt. Kritik an der Studie und Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit kamen allerdings von Seiten einiger Stadion-Verantwortlicher. Die Schalker Arena sei am 20. September von nur zwei Personen vier bis fünf Stunden inspiziert worden. "Da kriege ich einen Hals. Das ist zunächst mal eine reine Parole, nichts anderes", so ein Verantwortlicher des FC Schalke 04.

Probleme bei Dachkonstruktionen

OK-Chef Beckenbauer wollte sich in Unkenntnis der Ergebnisse nicht äußern. Kurz zuvor hatte er beim offiziellen Empfang des WM-OK am Freitag in Frankfurt noch launisch angemerkt: "2005 war recht erfolgreich. Wenn nun das Dach noch zugeht und die eine oder andere Scharte ausgemerzt wird, wird dieses Jahr ganz gut."

Gerade die Dachkonstruktionen der WM-Stadien in Franfurt und Kaiserslautern hatten in den vergangenen Monaten für Probleme und auch international für Negativschlagzeilen gesorgt. Besondere Schwierigkeiten bereitete das Verdeck der Frankfurter Commerzbank- Arena. Beim Confed-Cup-Finale im Juni 2005 zwischen Brasilien - Argentien und vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt - Schalke 04 im Oktober setzten schwere Regenfälle die Spielfläche unter Wasser.

Fans machen "Hüpftest"

Im Dezember musste das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern für das Punktspiel gegen Eintracht Frankfurt wegen Baumängeln in der Dachkonstruktion gesperrt und mit Stützpfeilern abgesichert werden. Bis März sollen zwei Stahlträger ausgetauscht und Haarrisse überarbeitet werden. In Nürnberg rieselte Putz vom Oberrang des Frankenstadions. Die Statikprobleme wurden nach einem extra organisierten "Hüpftest" durch mehrere Hundert Fans nach Angaben der Stadionbetreiber behoben.

Neben dem Dauer-Sorgenthema WM-Eintrittskarten waren die Baumängel in den Stadien kurz vor der Auslosung der Endrunden-Gruppen am 9. Dezember in Leipzig ein Bestandteil der Kritik durch FIFA-Chef Joseph Blatter gewesen. Der Weltverbandschef hatte dem deutschen WM-OK zwar eine 2+ als Schulnote gegeben, aber eine Nachprüfung aller Stadien zu Jahresbeginn 2006 angekündigt. "Wir werden das OK jetzt ins Gebet nehmen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", sagte Blatter. Am Freitag wollte man sich zu den neuen Entwicklungen nicht äußern.

Zuversichtliche Reaktionen

In ersten Reaktionen äußerten sich einzelne Betreiber der WM- Stadien zuversichtlich, dass ihre Arenen den nötigen Standards entsprechen. "Bei uns muss man sich keine Gedanken machen", sagte der Geschäftsführer der Kölner Sportstätten GmbH, Hans Rütten. Auch in Hannover zeigte man sich gelassen. "Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht jenen Standard erreicht, den die FIFA fordert. Aber wir arbeiten jeden Punkt Stück für Stück ab und liegen voll im Plan", sagte Sicherheitschef Heinz Mars.

"Uns ist von Sicherheitsmängeln nichts bekannt. Wir sind im steten Kontakt mit der Bauprüfabteilung. Wenn es Probleme gäbe, würde die uns das mitteilen. Um hohe Sicherheit geht es ja nicht nur zur WM, sondern alle 14 Tage in der Bundesliga. Da kommen schließlich noch 10 000 Menschen mehr ins Stadion, als das zur WM der Fall sein wird", sagte Hamburgs Stadionmanager Kurt Krägel. In Dortmund habe man durch die Stiftung Warentest in der so genannten Anbietervorinformation keine Mängel mitgeteilt bekommen.

DPA / DPA

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