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Skandal in Israel-Liga Palästinenser-Club hat "falschen" Sponsor - und soll absteigen


Der einzige Palästinenser-Verein in Israels Liga dankte einem Geldgeber aus Katar mit einer Zeremonie. Die israelische Politik wittert einen Skandal - und fordert den Zwangsabstieg des Clubs.

Israels Politiker haben in diesen Tagen nicht unbedingt die beste Laune. Es geht zum Glück nicht um neue Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen, sondern um Fußball. Doch der Skandal, der die Politik gerade beschäftigt, ist auch ein kleiner Palästinenser-Konflikt. Denn die Regierung in Jerusalem will Bnei Sachnin, das einzige palästinensische Team in Israels Premier League, bestrafen. Am besten mit einem Zwangsabstieg. Oder mit einer Abschiebung in die katarische Liga.

Die Aufregung begann nach einer Zeremonie beim Ligaspiel am vergangenen Wochenende. Bnei Sachnin ehrte einen Finanzier, der den Club mit einer Spende von knapp 1,6 Millionen Euro vor dem Kollaps gerettet hatte. Die Dankeszeremonie galt Katar - und das ist das große Problem. Das Emirat ist nicht nur Unterstützer des Clubs, sondern es gilt auch als Unterstützer der Hamas. Das alleine hätte schon für genügend Aufmerksamkeit gesorgt. Doch da ist noch eine zweite Geschichte.

"Das muss ernste Folgen haben"

Die Zeremonie wurde offenbar von einem Mann veranlasst, der in Israel seit Jahren geächtet wird. Asmi Bischara lebt in Katar, doch er ist Palästinenser und saß bereits als Abgeordneter im israelischen Parlament. 2007 floh er aus Israel - ihm wurden Verbindungen mit der libanesischen Hisbollah nachgesagt. Angeblich soll er geheime Informationen an die Miliz weitergeleitet haben. Bischara bestreitet die Vorwürfe bis heute. Doch in Israel gilt er weiter als Spion und Verräter.

"Wenn ein Fußballteam in Israel jemandem dankt, der für die Hisbollah spioniert haben soll, dann muss das ernste Folgen haben", schrieb Außenminister Lieberman bei Facebook, seiner Meinung nach solle Sachnin künftig in der palästinensischen Liga spielen, "oder in der Liga von Katar."

"Da wird eine Mücke zum Elefanten gemacht"

Auch die Liga-Offiziellen sind empört. Sie betonen, sie seien nicht über die Absichten der Veranstaltung informiert gewesen. An diesem Mittwoch will Liga-Chef Oren Hasson den Club zu einer Anhörung vorladen.

Der Vorsitzende Mohammed Abu Yunes teilte in einem Interview bereits mit, was er von der Aufregung hält: "Da wird eine Mücke zum Elefanten gemacht", sagte er der Zeitung Yediot Aharonot, "wir wollten nur den Menschen danken, die uns unterstützen. Von der Regierung bekommen wir kein Geld, also warum sollten wir nicht im Ausland nach Geldgebern suchen?" Finanziers aus Katar hatten bereits das 2005 fertiggestellte neue Stadion des Vereins mitfinanziert.

Verbannung in die zweite Liga

Für Israels Regierung scheint es nach dem Vorfall allerdings kein Pardon zu geben. Sportministerin Limor Livnat ließ sich schon vor der Anhörung zu einem Urteil hinreißen. Sie sagte, der Verein habe eine rote Linie überschritten und versprach, dass Bnei Sachnin aus der ersten Liga verbannt werde.

Felix Haas

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