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"Hart aber Fair": Effenberg, Katars erster Lobbyist

Die Fußball-WM in Katar nervt und muss abgesagt werden. Da sind sich bei "Hart aber Fair" eigentlich alle einig. Alle? Nein, ein kleiner wüster Freund betreibt hartnäckig Lobbyarbeit für das Emirat.

Stefan Effenberg sprach sich bei "Hart aber Fair" für die WM in Katar aus

Stefan Effenberg sprach sich bei "Hart aber Fair" für die WM in Katar aus

Stefan Effenberg ist kein Typ, der gerne in den Streichelzoo geht. Effenberg bevorzugt die Konfrontation, das war schon auf dem Fußballplatz so. Und wenn die "Hart aber Fair"-Redaktion Effenberg ins Fernsehstudio einlädt, dann weiß sie, was sie bekommt. Effenberg spielte als Fußballprofi ein Jahr lang in Katar - er war also vermeintlich der ideale Gast, um aus Profi-Sicht die Vergabe der Fußball-WM nach Katar zu beleuchten. "Unsere wüsten Freunde – kaufen die Scheichs nach der WM auch unsere Moral?" - das war Plasbergs Ausgangsfrage. Dass Effenberg das Thema allerdings kaum "beleuchtete", sondern vielmehr als Lobbyist Katar bewarb, das hatte sich Plasberg vielleicht anders vorgestellt.

Effenbergs wichtigste Aussagen im Überblick:


"Katar hat diese Chance verdient. So wie Südafrika 2010 die Chance verdient hatte. Wie es dazu kam, Korruption hin oder her – die Entscheidung steht, die Fifa hat entschieden, dass die WM 2022 dort stattfindet. Und ich mache mit Ihnen jede Wette, dass die WM 2022 dort stattfindet."

"Die Vergabe war 2010. Wir haben heute 2015. Wenn irgendetwas geändert worden wäre, wäre das doch schon passiert. Ich würde mir viel mehr Sorgen machen über die WM 2018 in Russland - wegen des Ukraine Konflikts. Da habe ich Bauchschmerzen."

"In kann Franz Beckenbauer nur bestätigen (dass es keine Sklaven und keine Menschenrechtsverletzungen gibt, Anm. d Red.). Das weiß ich, weil ich sieben Monate dort war."

Effenberg pöbelt, Huber will boykottieren

Während Effenberg pöbelte und den anderen Gästen abfällig ins Wort fiel ("Jetzt rede ich mal ganz kurz"), waren sich Grünen-Politiker Jürgen Trittin, Theologe Wolfgang Huber, Unternehmer Anton F. Börner und SPD Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel weitestgehend einig.

Huber forderte einen WM-Boykott, Trittin beklagte Menschenrechtszustände und selbst Börner, der Effenberg zumindest darin zustimmte, dass durch die WM-Entscheidung eine langfristige Entwicklung in Gang kommen könnte, sagte zum Schluss eindeutig: "Wenn wir glauben, unseren Wertekanon gegen Geld verkaufen und aufgeben zu müssen, dann haben wir unsere Seele verkauft, unsere Glaubwürdigkeit. Wir werden nicht stärker, wir werden verachtet, wir werden verlieren."

"Das ist fragwürdig"

Effenberg blieb trotz allem bei seiner These, Katar habe die WM verdient. Der Tiger verteidigte sein Territorium auch noch, als offensichtlich Widersprüche auftauchten. Trittin wendet gegen die WM-Vergabe ein: "Vertragsbestandteil war: Die WM findet im Sommer statt." "Ja", gab da auch Effenberg zu, "das ist fragwürdig."

Doch an einer WM vor Weihnachten stört sich Effenberg nicht im Geringsten. "Wir spielen die Bundesliga, den DFB-Pokal, die Champions League auch bis kurz vor Weihnachten hinein. In England gibt es in der Premier League den Boxing Day, wo am 26. Dezember weiter gespielt wird. Also, dass man sagt, ja, ich mache die erste und zweite Kerze an und muss mir die WM angucken - das sind nicht wirklich Argumente dagegen." Ob Vertragsbruch und Menschenrechtsverletzungen ein Argument dagegen sein könnten, darauf ging "Effe" dann nicht mehr ausführlich ein.

feh

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