HOME

Hertha-Chaos: Stevens muss gehen - Dieter Hoeneß bleibt

Das gestrige 1:6-Debakel bei Werder hat das brodelnde Hertha-Fass endgültig zum Überlaufen gebracht: Der Hauptstadtklub feuerte Trainer Stevens - Andreas Thom wird Interimstrainer. Manager Hoeneß will allerdings bleiben.

Mit der Ablösung von Huub Stevens und der Notlösung Andreas Thom will Hertha BSC den Sturz in die Zweitklassigkeit verhindern. Manager Dieter Hoeneß zog einen Tag nach dem 1:6-Debakel im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen die Reißleine und beendete "aus Sorge um den Verein" das 17-monatige Missverständnis mit dem umstrittenen Chefcoach Stevens. Der Geschäftsführer der Hertha AG, der lange auch gegen internen Widerstand an Stevens festgehalten hatte, schloss eigene Konsequenzen aus: "Ich habe hier in sieben Jahren viel aufgebaut, ich stehle mich jetzt nicht davon."

Hoffen auf den "Schock-Effekt"

Nach dem blamablem 1:6 im Pokal-Achtelfinale bei Werder Bremen, dem Erstrunden-Aus im UEFA-Cup und dem Absturz auf Rang 17 in der Bundesliga musste auch Hoeneß umdenken: "Wir hatten alle Register gezogen. In dieser Konstellation war nichts mehr zu machen." Elf Punkte nach 14 Spieltagen, schlechter war Hertha zum gleichen Zeitpunkt nur in der Katastrophen-Saison 1990/91 - und stieg am Ende ab. Es folgten sechs Jahre, die fast die Existenz gekostet hätten. "Es wird hoffentlich einen Schock-Effekt geben", hofft Kapitän Dick van Burik vor dem Samstag-Auftritt bei Borussia Dortmund.

Welcher Trainer fliegt als nächster?

Andreas Thom wird Interimstrainer

Drei Runden vor dem Ende der Hinrunde 2003/04 soll nun der 61- malige Nationalspieler Thom als Interimscoach "bis auf weiteres" (Hoeneß) den beängstigenden Abwärtstrend stoppen. Spätestens bis zum Trainingsstart in die Rückrunde will Hertha einen neuen Chefcoach präsentieren. Der Berliner Thom (BFC Dynamo, Bayer Leverkusen, Celtic Glasgow) hatte zum Ausklang seiner Laufbahn selbst für Hertha gespielt und danach als Assistenztrainer die Amateurelf betreut. Nach der Entlassung von Jürgen Röber im April 2002 half Thom bereits als Co-Trainer von Falko Götz erfolgreich mit aus. "Da haben wir sehr, sehr gute Erfahrungen mit Thom gemacht", meinte Hoeneß.

"Jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht"

"Die Situation ist sicher nicht einfach, aber ich stelle mich logischerweise dieser Verantwortung", erklärte der 39-Jährige, der am Samstag in Dortmund erstmals als Coach auf der Bank sitzt. Mehr wollte Thom am Donnerstag noch nicht sagen, "weil die Zeit drängt, um aus den verbleibenden Spielen noch Punkte zu holen". Der Interimscoach wird von Enver Maric unterstützt. Der bisherige Assistenztrainer Holger Gehrke verlässt mit Stevens den Berliner Club. "Jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht, das Alibi Trainer gibt es nicht mehr", betonte Hoeneß.

Stevens wollte bis zum Schluß nicht gehen

Für viele Kritiker auch in den Hertha-Reihen kommt die Trennung von Stevens zu spät. "Es hätte auch gut gehen können, die Entscheidung hing am seidenen Faden", verteidigte Hoeneß sein Zögern. Doch 13 Gegentore in den letzten drei Spielen hätten nach dem erfüllten Zwei-Spiele-Ultimatum dann den Ausschlag gegeben. Stevens, der Hertha im Juli 2002 übernommen und in der Vorsaison nur glücklich auf Rang fünf geführt hatte, gab seinen Platz bis zuletzt nicht auf. "Er wollte aber keine Belastung mehr sein", berichtete der Manager, für den die Trendwende schon beim 0:3-Halbzeitstand von Bremen fest stand. "Drei Saisonziele sind weg", so Hoeneß.

DPA

Wissenscommunity