HOME

Hooligan-Szene: Bobbys für Deutschland

Die deutschen Sicherheitskräfte werden während der Weltmeisterschaft von 79 englischen Bobbys unterstützt. In England kommt das weltweit schärfste "Anti-Hooligan-Gesetz" zum Einsatz: 4000 vorbestrafte Hooligans dürfen erst gar nicht aus dem Königreich ausreisen.

Englische Bobbys bewachen normalerweise in London den Buckingham Palast, das Parlamentsgebäude oder das Hauptquartier von Scotland Yard. Doch während der Fußball-WM werden sie erstmals auf deutschem Boden für Recht und Ordnung sorgen. In Frankfurt, Köln und Nürnberg sollen sie verhindern, dass englische Hooligans Krawall machen. Die Weltmeisterschaft ist der erste Härtetest für das im Jahr 2000 eingeführte "Football Disorder Act" der britischen Regierung, das weltweit schärfste "Anti-Hooligan-Gesetz".

Ausreiseverbot für 4000 vorbestrafte "Hools"

79 Bobbys schieben während der Fußball-WM in Deutschland Dienst - 29 von ihnen haben sogar die Befugnis, Randalierer festzunehmen. Selbst in Transit-Ländern wie Belgien, Dänemark oder Frankreich, durch die Schlachtenbummler reisen könnten, werden Verbindungsteams der englischen Polizei stationiert. "Solche Maßnahmen gab es noch nie", erklärte Innenminister Charles Clarke.

Knapp 4000 vorbestrafte Hooligans sind mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Sie müssen ihre Reisepässe abgeben und sich während der Weltmeisterschaft regelmäßig auf Polizeirevieren melden. Als einziges Land hat Großbritannien solche Gesetze. Sie waren bitter nötig, um das Hooligan-Problem auf der Insel in den Griff zu bekommen. Unvergessen sind die brutalen Bilder von der EM 2000, als sich englische und deutsche Hooligans im belgischen Charleroi Straßenkämpfe lieferten und 850 Personen festgenommen wurden.

Festnahmen gingen trotz steigender Besucherzahlen zurück

Seitdem hat sich vieles verändert. In der vergangenen Saison wurden im englischen Profifußball so wenige Randalierer wie nie zuvor verhaftet - und das obwohl die vier höchsten Ligen einen Zuschauerrekord vermeldeten: 2700 Festnahmen bei über 29 Millionen Besuchern. Während der EM 2004 in Portugal wurden nur 53 Engländer verhaftet. Beim letztjährigen Champions-League-Finale in Istanbul, zu dem über 40.000 Fans des FC Liverpool gereist waren, benahm sich kein einziger Brite daneben.

Dennoch befürchten die Behörden Ausschreitungen bei der diesjährigen WM. Vor allem Frankfurt am Main gilt als Brennpunkt. Dort bestreiten die Engländer am 10. Juni ihr erstes Gruppenspiel gegen Paraguay. Es gibt Hinweise, dass die "Ultras", Anhänger von Eintracht Frankfurt, mit Engländern kämpfen wollen. Auch polnische Hooligans sollen sich bereits angekündigt haben.

Über 100.000 englische Fans werden zur WM erwartet. Noch nicht einmal fünf Prozent haben offiziell Tickets. Da für den englischen "Normalo-Fan" Hitlergruß und Lieder wie "Zehn deutsche Bomber" zum Standard-Repertoire gehören, warnte Clarke: "Nazi-Symbole sind in Deutschland verboten. Das ist weder witzig noch ein Scherz."

Dominik Lauck/DPA / DPA

Wissenscommunity