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US-Torhüterin Hope Solo: Vollkommen durchgeknallt - aber einfach eine Wand

Wenn Deutschland im WM-Halbfinale auf die USA trifft, stehen vor allem die Torhüterinnen im Mittelpunkt. Hope Solo und Nadine Angerer sind die besten der Welt. Solo, die Chaos-Lady des US-Fußballs, stellt gerade einen neuen Rekord auf.

Von Felix Haas

Hope Solo trifft mit den USA in dieser Nacht bei der Frauen-WM auf Deutschland

Hope Solo trifft mit den USA in dieser Nacht bei der Frauen-WM auf Deutschland

Im Leben von Hope Solo gab es so viele Momente, an denen sie sich fast ihre Karriere versaut hätte, dass man die ganzen Vorkommnisse kaum zusammen tragen kann. Solo ist der beste Beweis dafür, dass Sepp Maiers berühmter Spruch "Die guten Torhüter sind immer auch ein bisschen verrückt" im Frauenfußball genauso zutrifft wie bei den Herren. Ihre deutsche Kollegin Nadine Angerer will darum auch am liebsten gar nicht über Solo sprechen. Sie sagt nur: "Sie ist eine super Torhüterin, aber was sie privat macht, interessiert mich nicht."

Dabei sind es gar nicht nur die Dinge, die im Privaten geschehen, die für Aufregung sorgen. Da ist zum Beispiel die Anekdote von der WM 2007. Die USA waren im Halbfinale gescheitert, Hope Solo saß als Stammtorhüterin nur auf der Bank. Der Trainer vertraute ihr nicht mehr. Solo hatte ihre eigene Sicht auf die Dinge. Nach dem Schlusspfiff stellte sie sich vor die TV-Kameras und stänkerte gegen Teamkollegin und den Trainer.  "Es war die falsche Entscheidung mich nicht spielen zu lassen. Und ich zweifle nicht eine Sekunde daran, dass ich die Bälle gehalten hätte." In den USA war die Aufregung danach groß. Den Teamsport-Geist verletzt man nicht einfach so mit einem frustrierten Spruch. Hope Solo war unten durch. Zum ersten Mal.

Alkoholfahrt, Anzeige wegen häuslicher Gewalt

Vor einem Jahr gab es dann wieder so einen Moment, der die Teamkollegen zur Verzweiflung getrieben haben dürfte. Hope Solo geriet wieder in die Schlagzeilen. Alkoholfahrten, eine Anzeige wegen häuslicher Gewalt, Konflikte mit der Polizei, und dann fuhr Solos Ehemann seine Frau auch noch während eines Trainingslagers betrunken durch die Gegend. 30 Tage sperrte der Verband sie danach. Ein letzter Denkzettel.

Ich habe Hope erst einmal in den Arm genommen

Das Kuriose an Hope Solo ist aber auch: Sie ist so eine gute Torhüterin, dass sie immer wieder zurückkehren darf ins Team. Selbst die Teamkollegen, viele von ihnen kennen sie schon seit Jahren, schütteln zwar mit dem Kopf, doch sie ignorieren die Aufregung mittlerweile. Soll die Verrückte halt ihren Job machen - Bälle halten nämlich. Wie gut sie das kann, zeigt die aktuelle WM.

Hope Solo will endlich die Weltmeisterschaft gewinnen. Der Erfolg steht über allem - auch über den Skandalen

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423 Minuten ohne Gegentor bei der WM

Seit 423 Minuten hat Solo kein Gegentor hinnehmen müssen - seit dem 3:1 zum Auftakt gegen Australien. Neuer US-Rekord. In ihrer Länderspielkarriere blieb Solo in 88 der 175 Spiele ohne Gegentreffer. Die Statistiken sind wohl auch ein Grund, warum Nationaltrainerin Jill Ellis an Solo festhält und nach der ganzen Aufregung um Solo sogar versöhnliche Töne anstimmt und sagt: "Ich habe Hope erst einmal in den Arm genommen.“

Bei vielen Nationalteams der Welt wäre Solo nach ihrem Verhalten gar nicht erst wieder eingeladen worden. Aber auch das ist eben ein Teil der US-Mentalität. Es gibt immer eine zweite Chance. Es gibt immer die Gelegenheit, sich zu verbessern. Und nie ist die Chance zur Rehabilitation als Fußballer so groß wie bei einer WM.

Sie schweigt - und will Leistung zeigen

Solo scheint sich jedenfalls viel vorgenommen zu haben. Viel, das bedeutet bei dieser WM für Hope Solo in erster Linie auch: wenig abseits des Platzes. Sie ordnet jetzt alles dem ersehnten Erfolg unter. Bei Twitter heißt es in ihrer Profilbeschreibung: "Aspiring World Cup champion". Das bedeutet so viel wie: "anstrebende Weltmeisterin". Für ihr großes Ziel schweigt sie nun abseits des Platzes. Bis auf ein kleines Statement nach dem Auftakterfolg hat sie sich merklich zurückgenommen in der Öffentlichkeit. Solo will offenbar endlich einmal nur auf dem Platz überzeugen.

Vielleicht hat sich die Chaos-Queen in den vergangenen Wochen auch einfach noch einmal an ihren Vater erinnert. Der starb vor acht Jahren. Doch die beiden verbindet eine bewegende Geschichte. Er war einer ihrer großen Antriebe auf dem Weg zur Star-Torhüterin. Jeffrey Hope war Vietnam-Veteram, Boxer und später Obdachloser . Er lebte in einem Zelt in den Wäldern nahe Seattle. Er belog seine Tochter, gab vor, in einem Zeugenschutzprogramm zu stecken.

Ihr Vater als Inspiration

Doch als Hope Solo zur Universität von Washington ging und dort als Torhüterin spielte, kam ihr Vater aus den Wäldern, um seine Tochter spielen zu sehen. Er stank und besorgte sich kostenloses Essen über Solo. Aber sie schämte sich nie für ihn, sie freute sich. Solo sagte einmal: "Es gab niemanden, mit dem ich lieber über Fußball gesprochen hätte".

Kurz vor der ersten Weltmeisterschaft seiner Tochter starb er. Vielleicht war Solo auch deshalb so sauer nach der Halbfinal-Niederlage. Sie spielte das gesamte Turnier, nur im Halbfinale saß sie draußen. Und dann scheiden die Kollegen auch noch aus. Auch 2011 in Deutschland blieb ihr der Titel verwehrt. Mittlerweile ist Solo 33 Jahre alt. Gegen Deutschland hat sie die wahrscheinlich letzte Chance in ein WM-Finale einzuziehen. Eskapaden darf es da nicht geben. Das gute ist schon mal: Ihre Trainerin Jill Ellis wäre nicht so leichtsinnig, ihre beste Torhüterin draußen zu lassen. Hope Solo darf also alles hinter sich lassen - und will auf dem Platz Wiedergutmachung betreiben.

Info: Das WM-Halbfinale Deutschland gegen USA wird am Mittwochmorgen um 1 Uhr live in der ARD übertragen.

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