HSV-Krise Doll-Rücktritt kein Thema


Eine Niederlage ist eine Niederlage, auch wenn sie, wie im Fall gegen Stuttgart, äußerst unglücklich zustande gekommen ist. Dennoch oder besser deshalb hält der HSV weiter an Trainer Thomas Doll fest.

Trotz des erneuten Rückschlags ist ein Trainer-Rücktritt beim Hamburger SV kein Thema. "Wir haben nichts anderes besprochen, als dass wir weitermachen und irgendwann belohnt werden", so Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer über das Ergebnis eines kurzen Krisengipfels nach der bitteren 0:2-Niederlage beim VfB Stuttgart. HSV-Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann sagte: "Wir gehen davon aus, dass Thomas Doll bei uns Trainer bleibt." Auch Doll denkt keinesfalls daran, resigniert das Handtuch zu werfen: "Ganz klar: Ich trete nicht zurück. Die Jungs stehen hundertprozentig hinter mir."

Starke Leistung mit schwachem Aufgebot

Der seit Wochen kriselnde Champions-League-Club spielte laut Doll gegen die schwachen Schwaben mit seinem "letzten Aufgebot" derart couragiert und engagiert auf, dass eine Trainer-Trennung das falsche Mittel zur Problemlösung sein dürfte. Selbst die ihren äußerst glücklichen Sieg freimütig eingestehenden Stuttgarter zollten den Hamburgern ihre Hochachtung. "Der HSV lieferte ein klasse Spiel und hat da unten nichts zu suchen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er nach oben klettert", sagte VfB-Coach Armin Veh zu seinem Kollegen. Teammanager Horst Heldt bescheinigte den Hanseaten, die "bessere Mannschaft" gewesen zu sein: "Wir hatten einfach Glück."

VfB-Torjäger Mario Gomez räumte ein: "Es war verdammt schwer." Der U21-Nationalstürmer hatte mit seinem siebten Saisontreffer zum späten und äußerst schmeichelhaften 1:0 (80. Minute) die Partie auf den Kopf gestellt. Dass Thomas Hitzlsperger, einem der Schwächsten in einer schwachen Stuttgarter Elf, sogar noch das 2:0 glückte (85.), passte ins Bild zu diesem (Fuß-)Ball Paradox. Zudem monierten die Hamburger zu Recht, dass ihnen der Schiedsrichter früh einen Handelfmeter verweigerte. "Wir wollen nicht in die Opferrolle schlüpfen", sagte Doll, "aber wer weiß, wie dann die Partie gelaufen wäre."

Auch die gut gemeinten Stuttgarter Streicheleinheiten trösteten den Trainer nicht über seinen verständlichen Frust: "Wir können uns von den Komplimenten nichts kaufen." Aber aufbauen lässt sich auf dem überzeugenden Auftritt vor der Richtung weisenden Heimpartie gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag allemal. "Wenn wir so spielen, werden wir die weghauen", tönte Mittelfeldmann David Jarolim.

"Es tut schon weh, zu sehen, wie wir Spiele verlieren"

Auf ein Erfolgserlebnis hofft auch Doll, der sich trotz des Dämpfers nicht entmutigen lässt. "Es tut schon weh, wenn man sieht, wie wir Spiele verlieren. Es lief doch alles für uns - und dann bestrafen wir uns selbst", sagte er nach dem couragierten Auftritt gegen den bereits taumelnden Tabellenzweiten.

Dank des Dusel-Siegs konnte der VfB seinen Champions-League-Platz festigen und sich ein kleines Polster auf einen Nicht-Uefa-Cup-Rang zulegen. "Wir können nicht jede Woche einen Hurra-Stil zeigen. Auch solche Spiele muss man gewinnen", sagte Veh nach dem eigentlich unverdienten Erfolg. Torhüter Timo Hildebrand, der zwei Mal glänzend einen Gegentreffer verhinderte, räumte ein: "Wir waren schon ein bisschen k.o.. Wir müssen auf dem Teppich bleiben."

Elmar Dreher/DPA DPA

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