Investoren im Fußball Und Geld schießt doch Tore


Deutschlands Profifußball wehrt sich noch immer gegen Investoren, die Vereine übernehmen wollen. Das ist kurzsichtig, weil die Bundesligaklubs dadurch im Wettbewerb mit anderen europäischen Ligen in eine gefährliche Randlage geraten. Schalkes Uefa-Cup-Gegner Manchester City (ab 19 Uhr im stern.de-Live-Ticker) zeigt, was mit Geld möglich ist.
Von Axel Kintzinger

Am Donnerstag im Uefa-Pokal kommt es zu einer interessanten Begegnung. Da wird dem FC Schalke 04 der Leibhaftige erscheinen, und er kommt in Gestalt des englischen Vereins Manchester City (ab 19 Uhr im stern.de-Live-Ticker). Der nordenglische Klub steht für eine Entwicklung, die deutsche Fußballfunktionäre wie auch Schalke-Präsident Josef Schnusenberg in ihrer überwiegenden Mehrheit so vehement ablehnen wie einen eckigen Ball: die Übernahme von Profivereinen durch branchenfremde Investoren.

ManCity war im Sommer für 258 Mio. Euro an eine Investorengruppe aus Abu Dhabi unter Führung von Scheich Sulaiman al-Fahim gegangen. Nur der Scheich ist richtig reich, juxte diese Zeitung damals - und als Bestätigung kündigte der 31-jährige Araber auch noch Masseneinkäufe im Hochpreisbereich an. Auf "18 neue Spieler auf Weltklasseniveau" freute sich Trainer Mark Hughes, denn Scheich al-Fahim hat dafür knapp 700 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Das sind Summen, bei denen Bundesligaklubs die Luft wegbleibt.

Dennoch reichte es bei ManCity in diesem Jahr nur für einen Transfer, weil die Zeit knapp war. Der Klub holte den Brasilianer Robinho für 40 Mio. Euro, was bisher aber nicht viel zu helfen scheint: ManCity dümpelt als Tabellenelfter im Niemandsland der Liga.

Schalke wäre schillernder

Scheich al-Fahim hätte sein Geld vielleicht auch lieber anders investiert als in einen Verein, der selbst vor Ort nur die zweite Geige hinter Manchester United spielt. Da gibt es im europäischen Fußball interessantere Marken. Zum Beispiel Schalke: große Tradition, treue Fans, und sogar Papst Johannes Paul II war zu Lebzeiten Mitglied. Gelsenkirchen ist nicht aufregender als Manchester - aber Schalke ist schillernder als City.

Nur hätte der Scheich in Deutschland keine Chance, ebenso wenig wie russische Oligarchen und US-Milliardäre. Der Grund dafür ist, dass die Deutsche Fußball Liga eisern an der sogenannten 50+1-Regel, die solche Übernahmen ausschließt, festhält. Allein Martin Kind, Präsident von Hannover 96, tritt für die Abschaffung dieser Regel ein.

Geld reicht nicht, um Stars zu verpflichten

Da drängt sich die Frage auf: Brauchen Bayern München, der Hamburger SV oder Eintracht Frankfurt denn kein Geld? Vordergründig tatsächlich nicht. Die Bundesliga ist europaweit die profitabelste Liga. Die Klubs schreiben schwarze Zahlen. Ihre Stadien sind modern und zumeist ausverkauft, das Geld aus den TV-Verträgen fließt noch üppig (wenn auch weniger als in England und nicht so stark wie bei spanischen Vereinen, die sich selbst vermarkten). Und die Sponsoren zahlen nirgends so viel wie in Deutschland, um für ihre Marken auf den Trikots der Stars zu werben. Kurz: Deutschlands Profifußball ist eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte.

Das Geld fließt, aber es reicht nicht, um die Stars zu verpflichten, mit denen man in der Champions League wieder eine gewichtige Rolle spielen könnte. Wobei das mitunter blamable Abschneiden deutscher Spitzenteams in Europas Königsklasse nicht nur mit Geld zu tun hat. Werder Bremens Königsklassen-Aus vom Mittwochabend gegen einen zyprischen Verein namens Anorthosis Famagusta dient dafür als Beleg. Famagustas Etat liegt bei 5 Mio. Euro - das ist weniger, als den meisten Zweitligisten zur Verfügung steht.

So gut die Bilanzen aber auch aussehen: Ausnahmekicker wie Kaká, Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi werden unter den derzeitigen Bedingungen nie in der Bundesliga spielen. Anschluss zu finden an die großen Klubs wird so immer schwerer. Irgendwann aber wird es sich rächen, in Europa nur am Rand zu stehen. Schon Kinder wissen, wo heute der große, richtige Fußball gespielt wird. Auf deutschen Schulhöfen sieht man längst nicht mehr nur die Trikots der lokalen Vereine - sondern die Shirts von Mailand, Chelsea oder Real Madrid.

Das Abseits als unsicherer Ort

Je länger deutsche Klubs auf der großen Fußballbühne nur Nebenrollen spielen, desto schneller sinkt der Wert der Bundesliga. Das Abseits ist aber auch ökonomisch ein unsicherer Ort. Deshalb wird der deutsche Profifußball neue und größere Geldquellen erschließen müssen. Bei der Vermarktung der TV-Rechte ist die Grenze längst erreicht, ab 2009 wird es aller Voraussicht nach sogar erheblich weniger Einnahmen geben als bisher. Und die Auslandsvermarktung wird so lange kümmerlich bleiben, wie Bundesligafußball nicht attraktiver wird.

Bliebe fremdes Geld. Eigentlich gibt es das ja schon: Beim Tabellenführer Hoffenheim geht nichts ohne Großmäzen Dietmar Hopp. Und in Wolfsburg mästet der Volkswagen-Konzern den ihm faktisch gehörenden VfL mit Summen, die bisher nur Branchenkrösus Bayern ausgeben konnte. Am Beharren auf der 50+1-Regel ändert das aber nichts. Begründet wird die Abwehrhaltung gegenüber Investoren mit folkloristischen Argumenten wie Heimatverbundenheit - und neuerdings auch mit der Finanzkrise, die in England und Spanien einige Investoren bedroht und damit die Klubs, die ihnen gehören.

Die Schalke-Führung sollte das Spiel zum Erfahrungsaustausch mit ihren Kollegen von Manchester City nutzen. Das wäre ein Gewinn - unabhängig vom Ausgang der Partie.

FTD

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