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Jens Lehmann: "Gerne in der Gedankenwelt meines Trainers"

Kommando zurück: Trotz erster Anfragen anderer Vereine tendiert Jens Lehmann zu einem Verbleib beim FC Arsenal. Der Nationaltorhüter, der am Samstag in Hannover gegen Zypern sein 50. Länderspiel bestreitet, will seiner Familie einen Umzug im Winter möglichst ersparen. Sein Verhältnis zu Clubtrainer Wenger bezeichnet Lehmann als schwierig.

Außerdem hat der 38-Jährige im Hinblick auf sein großes Ziel Europameisterschaft am Freitag eine Rechnung aufgemacht, wie er seiner Meinung nach auch bei einer anhaltenden Reservistenrolle beim englischen Tabellenführer die von Bundestrainer Joachim Löw geforderte EM-Spielpraxis vorweisen könnte. "Die Sache bei mir ist vergleichbar mit Torsten Frings oder Michael Ballack", sagte Lehmann mit Blick auf die verletzten Mittelfeldspieler.

"Ja, ich habe schon ein paar Anrufe bekommen", antwortete der Schlussmann auf die Frage, ob es schon konkrete Anfragen nach seinem zu Wochenbeginn in einem Interview geäußerten Stellengesuch gegeben habe, bei dem er sogar einen Wechsel in die 2. Liga als Option bezeichnet hatte. Der bei der Pressekonferenz in der Fußball-Arena von Hannover sehr ruhig und überlegt argumentierende Schlussmann gab aber zugleich zu verstehen, dass er nach einem anderen Ausweg aus seiner problematischen Situation in London sucht. Das dokumentierte der wichtigste Satz in dem elfminütigen "Verhör" durch die deutschen Medien: "Es kann auch sein, dass ich, selbst wenn ich nicht spiele, die ganze Zeit bei Arsenal bleibe", teilte Lehmann mit.

Selbst wenn er gleichgut ist, müsste ich spielen"

Im fortgeschrittenen Profi-Alter von 38 Jahren verspüre er auch eine große Verantwortung gegenüber seiner Familie mit drei Kindern, "die ich nicht mal eben für ein paar Monate aus der Schule nehmen will und irgendwo anders hin verfrachten möchte".

Lehmann ließ klar erkennen, dass sein Verhältnis zu Vereinstrainer Arsene Wenger schwierig und anscheinend nicht von Offenheit geprägt ist. "Ich wäre gerne in der Gedankenwelt meines Trainers", bemerkte Lehmann, der sich durch den Franzosen weiterhin ungerechnet behandelt fühlt. "Das Thema lässt sich auf eine Frage begrenzen: Ist der Torwart, der spielt, besser als ich?", sagte Lehmann, der sich natürlich für besser hält als der seit August im Tor stehende Spanier Manuel Almunia. "Selbst wenn er gleichgut ist, müsste ich spielen", fügte Lehmann hinzu.

Lehmann verweist auf Frings und Ballack

"Mit einem Spieler, der schon etwas gewonnen hat, sollte ein Trainer transparenter umgehen", kritisierte Lehmann, der Wenger zuletzt sogar "Demütigung" vorgehalten hatte. Den Ausdruck habe er aber nur von seinem Coach übernommen: "Im Gespräch hatte er zu mir gesagt: 'Jens, Demütigung ist Teil des öffentlichen Jobs'."

Dass Wenger ihm Mut mache, irgendwann wieder spielen zu dürfen, mag Lehmann nicht überbewerten: "Als Trainer würde ich das auch machen." Aber selbst, wenn er nicht wieder die Nummer 1 werden sollte, glaubt Lehmann, die von Löw geforderte EM-Spielpraxis auch beim FC Arsenal erreichen zu können. Dabei verwies er auf die verletzten Nationalteam-Kollegen Ballack und Frings, "die weniger Spiele gemacht haben als ich". Auch die würden es noch schaffen, "topfit zu sein im Sommer 2008".

Köpke lobt Lehmann

Lehmanns Rechnung geht so: Zwei Spiele hat er bislang für Arsenal gemacht, drei im Nationalteam. Hinzu kommen nun die zwei Partien gegen Zypern und Wales. Dann glaubt er daran, im dicht gedrängten englischen Teamkalender im Dezember und Januar Almunia zumindest im FA-Cup und Ligacup vertreten zu dürfen. Das war umgekehrt früher auch häufiger so. "Ich könnte so sieben oder acht Spiele machen, die Hälfte einer Hinserie in der Bundesliga. Dann könnte ich - selbst ohne Spiele in der Liga - in der Vorbereitung zur EM auch noch drei, vier Länderspiele machen. So hätte ich auf die Saison bezogen fast 20 Spiele, gar nicht so schlecht."

Mit dieser Kalkulation muss er dann nur noch Löw überzeugen. "Bisher habe ich mit Jens noch nicht gesprochen, das wird nach dem Zypern-Spiel passieren", sagte der Bundestrainer am Freitag. Zunächst soll und muss Lehmann gegen Zypern ein weiteres Mal beweisen, dass er wie beim 0:0 vor fünf Wochen in Irland wiederum ohne vorherige Spielpraxis Top-Leistung bringen kann. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke ist nach den Trainingseindrücken in dieser Woche davon überzeugt: "Jens ist gut ausgeruht, topfit und gut drauf."

DPA/kbe / DPA

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