VG-Wort Pixel

Emotionales Video Junger Fußball-Profi verkündet Karriereende auf Youtube: "Hab im Bett gelegen und geweint"

Sidney Friede beendet seine Karriere 
Sidney Friede: "Ihr wisst nicht, was das mit dem Kopf macht"
© Hasan Bratic / Picture Alliance
Sidney Friede ist ein großes Fußball-Talent. Doch sein Körper macht von Anfang an Probleme. Mit 23 Jahren muss der Berliner aufgeben. Darüber hat er in einem emotionalen Youtube-Video gesprochen, das zum viralen Hit wurde.

Sidney Friede hat alles, was ihn zu einem großen Fußball-Talent macht. Er ist technisch versiert, schnell, torgefährlich. Mit 15 Jahren schafft er es in die Nachwuchsakademie von Hertha BSC Berlin. Er ist so gut, dass er regelmäßig in die Auswahlmannschaften des DFB berufen wird. Einer Profi-Karriere scheint nichts mehr im Weg zu stehen.

Doch sein Körper spielt nicht mit. Das rechte Sprunggelenk bereitet ihm Probleme, seit er 17 ist. Es ist seine Schwachstelle wie bei vielen anderen Profis auch. Später kommen andere Verletzungen hinzu, am Ende ist es ein kaputtes Knie, das ihn im Mai 2021 zum Aufgeben zwingt. Die Verletzung, die das endgültige Karriereende für Friede bedeutete, war eine Folge seines geschädigten Sprunggelenks. Die Ärzte raten dem mittlerweile 23-Jährigen zum Karriereende, ansonsten bestehe die Gefahr, dass er dauerhafte Schäden davontrage.

Die erste Verletzung als Profi ist ein Schock

Es ist ein Schock, den Friede versucht, sportlich zu nehmen. Den Eindruck gewinnt man, wenn man sich das Youtube-Video anschaut, das er zum dem einschneidenden Ereignis veröffentlicht hat. Denn der junge Fußball-Profi ist genauso leidenschaftlicher Youtuber, der regelmäßig Clips postet. Und so hat er das Medium genutzt, um in knapp 27 Minuten über sein Karriereaus, das ihn tief getroffen hat, zu informieren: ​"Ich hab teil­weise im Bett gelegen und hab geweint", erzählt er.

Eindringlich berichtet Friede in dem Clip von dem Teufelskreis aus Verletzungen und neuer Hoffnung. Jedes Mal, seit er mit 19 Jahren in die Profi-Mannschaft von Hertha BSC befördert wurde, startet er hoffnungsvoll in die Saison, nur um dann wieder einen Rückschlag zu erleiden: ​"Ihr wisst nicht, was das mit dem Kopf macht."

Dann passiert das, was er schon seit längerem kennt und fürchtet. Er knickt um und muss drei Monate aussetzen. Bei den Hertha-Profis kann er sich danach nicht durchsetzen, er hat den Anschluss verpasst. Doch der ehemalige Herthaner Bernd Storck holt den hochtalentierten nach Belgien zu Royal Mouscron. Es ist ein Leihgeschäft, in Belgien feiert Friede schließlich sein Profi-Debüt. Nach zehn erfolgreichen Einsätzen kommt das Pech zurück. Er verletzt sich an der Hüfte und muss erneut drei Monate pausieren.

Klinsmann sortiert ihn aus

Wieder zurück bei Hertha absolviert er eine gute Vorbereitung. Zweimal wird er zu Beginn der Saison in den Kader berufen, kommt aber nicht zum Einsatz. Überhaupt wird er kein einziges Mal in der Bundesliga spielen, deswegen kennt ihn hier auch kaum jemand. Denn es folgt die nächste Verletzung am Sprunggelenk. Egal, wie stark er das malade Gelenk mit Tapeband stärkt, er knickt immer wieder um. Wieder Pause. Der neue Trainer bei Hertha heißt Jürgen Klinsmann, und der sortiert ihn aus.

Die nächste Station heißt Wehen Wiesbaden, 2. Liga. Der Klub steckt mitten im Abstiegskampf. In entwaffnender Ehrlichkeit sagt der feine Techniker Friedein seinem Clip: "Ich wusste nicht, dass dort hauptsächlich lange Bälle gespielt werden." In der Corona-Pause im Frühjahr 2020 teilt man ihm schließlich mit, dass sie aggressive Spieler mit "Gier und Mentalität" brauchen. Soll heißen, sie wollen Profis, die ist erster Line laufen und kämpfen. So ein Typ von Spieler war Friede nie. Er fragt zurück, warum sie ihn überhaupt geholt haben: "Ich war nie ein Spieler, der andere umgewichst hat". Er nennt es ein "Missverständnis". Die erneute Verletzung am Sprunggelenk erwähnt er nur noch nebenbei.

Wieder ist es Bernd Storck, der ihm eine Perspektive bietet. Diesmal lotst er ihn zu DAC Dunajska Streda in der Slowakei. Zu Beginn läuft es – wie in Belgien – gut. Seinem neuen Team gelingen neun Siege zum Sai­son­auf­takt, ein Rekord für die slo­wa­ki­sche Liga. ​"Ich wollte end­lich mal eine Saison spielen, wo ich dreißig Spiele mache und Erfah­rung sammle", erzählt Friede.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Dann reißt der Meniskus

Doch die nächste Verletzung ist zu viel. Bei einem normalen Zweikampf im Training reißt der Meniskus. Er will es nicht wahrhaben. "Ich lag erstmal im Bett und habe geweint." Nach einer Woche meldet er sich zurück zum Training. ​"Ich komm' auf den Platz, um 9.55 Uhr. Um zehn Uhr ist Trai­nings­be­ginn: ein Pass und – paff, ich konnt' nicht mehr laufen! So wie eine Woche zuvor." Er soll mindestens vier Wochen in die Reha. Doch der Verein macht Druck, Friede soll möglichst schnell wieder spielen, weil er so gut ist. Die Reha wird gekürzt. Nach zwei Wochen macht er Kniebeugen mit 60-Kilogramm-Gewichten.

Schließlich steht er wieder auf dem Platz und spielt. Aber es ist nicht mehr so wie früher. "Ich habe aber immer gemerkt, dass es im Kopf eine Blockade gab." Er weiß, dass er bei bestimmten Bewegungen Schmerzen haben wird. So quält er sich lange Wochen durchs Training, bis schließlich die Schmerzen wiederkommen. Und diesmal ist es soweit: Die Ärzte sagen ihm in aller Deutlichkeit, dass er Folgeschäden erleiden wird, wenn er weiter Fußball spielt. Sein Knie hält die Belastung nicht aus. Friede muss an Trainer denken, denen er begegnet ist und die ihre Karriere trotz schwerer Verletzungen fortgesetzt haben. "Es ist nicht schön, wenn man im Alter nicht mehr normal laufen kann."

So fällt er seine Entscheidung und beendet nach langen Gesprächen mit Eltern und Freunden mit erst 23 Jahren seine Karriere. Mit warmen Worten dankt er seinen Eltern, besonders der Mutter, die ihn unterstützt haben. Er wendet sich noch an DAC-Anhänger, die ihn mit Hasskommentaren eindecken, weil sie ihn für einen Simulanten halten. Er dankt all denen, die ihm Mut und Trost zugesprochen haben. Und er will nicht viel Zeit damit verbringen, seiner Karriere als Fußball-Profi hinterher zu trauern. Weiter geht’s, lautet die Botschaft an seine Zuschauer.

Und jetzt? Friede wird weiter als Youtuber aktiv sein. Schließlich hat er noch viel zu erzählen aus seiner kurzen Laufbahn als Fußball-Profi: "Ich kann immer noch viel erzählen über Ein­zel­heiten, die Nor­malos nicht wissen – was im Fuß­ball so pas­siert. Da pas­siert näm­lich viel, viel Scheiße."

tis

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker