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Kampf um die Nr. 1: Lehmann stichelt gegen Kahn

Grimmig schaute sich Oliver Kahn das Spiel seiner Bayern gegen Milan an. Stellvertreter Rensing spielte fehlerlos und Konkurrent Lehmann meldete aus dem fernen Madrid wieder Ansprüche auf den Stammplatz im DFB-Team an.

"Ich habe vier Turniere auf der Bank gesessen. Ich bin mir sicher: Ausdauer wird belohnt", sagte der Herausforderer Lehmann der "Sport-Bild". Gut 100 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel und eine Woche vor dem ersten Länderspiel des Jahres in Italien war Kahn am Dienstagabend beim 1:1 des FC Bayern München im Champions-League-Achtelfinale gegen Milan wegen einer Oberschenkelverletzung zum Nichtstun verurteilt. Die Eigenwerbung vor den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann fiel aus. Die Oberschenkelprellung war zu schmerzhaft. "Bei so einer Geschichte braucht man vier, fünf Tage", berichtete Kahn hinterher.

"Ein geiles Gefühl"

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn hatte der 36-Jährige abgewunken und so seinem designierten Nachfolger Rensing das Europapokal-Debüt ermöglicht. "Ein geiles Gefühl, bei einem bedeutenden Spiel im Tor zu stehen", meinte der U 21-Nationaltorhüter nach seiner fehlerlosen Leistung kess, gestand aber auch nach der Anspannung der letzten Tage und der fehlerfreien Champions League-Premiere ein, sich ein wenig "leer" zu fühlen.

Rensing überzeugte im Bayern-Tor, Nationalmannschaftskonkurrent Lehmann tat dies im Kasten von Arsenal London. Der England-Legionär machte beim 1:0-Sieg im Auswärtsspiel gegen Real Madrid sportliche Werbung, aber auch verbal legte er sich ins Zeug. "Ich glaube an Statistiken, sie sagen viel über den wahren Leistungsstand aus. Deshalb bin ich auch optimistisch, dass ich bei der WM spiele", sagte Lehmann, der erneut einen Rücktritt im Falle eines Votums von Klinsmann für Kahn nicht ausschloss.

Während die beiden 36 Jahre alten Rivalen um den Posten zwischen den WM-Pfosten kämpfen, setzte der 21-jährige Rensing ein Zeichen für die Zukunft. Zwar hatte er gegen Mailand nicht viel zu tun, doch er strahlte Ruhe aus und bewahrte die Bayern mit einer Weltklasse-Parade gegen Andrej Schewtschenko vor der Niederlage. "Oliver Kahn hätte auch nicht besser halten können als er", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Als Schewtschenko in der 57. Minute mit einem Handelfmeter die Führung von Michael Ballack (23.) ausglich, war Rensing machtlos.

Wer steht gegen Italien im Tor?

So locker wie Hoeneß kam Kahn kein Lob über die Lippen. "Michael hat seine Sache gut gemacht, er hat einen Ball gehalten. Sonst hat er nichts zu tun gekriegt", sagte er. Schon am Samstag gegen Eintracht Frankfurt will der Kapitän wieder im Tor stehen. "Ich glaube, dass es Samstag wieder geht." Erst nach der Bundesliga-Partie will Kahn den Fokus auf das Länderspiel in Italien und das erste Zusammentreffen in diesem Jahr mit Konkurrent Lehmann richten. Wer dort spielt, verriet Klinsmann auch am Dienstagabend am Rande des Bayern-Spiels nicht.

Trotz guter Leistung muss Rensing gegen die Eintracht wohl wieder auf der Bank Platz nehmen. Zwar betonte Trainer Felix Magath, die Vertragsverlängerung Kahns bis 2008 sei auch für das Torwart-Talent positiv, weil es sich im Schatten der Nummer Eins weiter entwickeln kann. Doch der bis 2007 an die Münchner gebundene Rensing will spielen. "Ich werde mich weiter nicht über meine Zukunft äußern. Aber es ist gut, dass ich mich mal zeigen konnte", betonte der Keeper.

Auch bei den Mailändern geriet der Schlussmann in den Blickpunkt. Der brasilianische Nationaltorhüter Dida wurde in der 69. Minute vom Platz getragen, weil er sich nach einem Luftkampf mit seinem Landsmann Lucio am Sprunggelenk verletzt hatte. Noch am Abend ging es zum Röntgen ins Krankenhaus, womöglich fehlt er beim Rückspiel.

Christian Kunz und Klaus Bergmann, DPA / DPA

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