HOME

Krawalle in Leipzig: "Nicht einfach zur Tagesordnung übergehen"

Nach den Krawallen hat der Fußballverein 1. FC Lok Leipzig einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, um Ausschreibungen zu verhindern. Unterdessen verteidigt DFB-Präsident Theo Zwanziger die Spielabsagen gegen Kritik.

Mit einem umfangreichen Sicherheitspaket hat Leipzig auf die Krawalle mit 39 verletzten Polizisten beim Fußball- Landespokalspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und dem FC Erzgebirge Aue II am vergangenen Samstag reagiert. Eine Sicherheitskonferenz mit Vertretern der Stadt Leipzig, der Polizeidirektion, des Regierungspräsidiums, der Leipziger Verkehrsbetriebe, des Sächsischen Fußball-Verbandes und des 1. FC Lok Leipzig legte am Mittwochabend einen Maßnahmenkatalog fest. "Es wird auch in Zukunft null Toleranz gegenüber Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt im Leipziger Sport und speziell im Fußball geben. Alle Anwesenden bekannten sich zu ihrer Verantwortung bei der Lösung der Probleme", sagte Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal.

Unterdessen hat Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), Kritik an der Absage von mehr als 60 Spielen durch den Sächsischen Fußballverband zurückgewiesen. "Man kann jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Zwanziger auf einer Pressekonferenz in Bremen. Die Spielabsagen seien in erster Linie als Zeichen der Solidarität für die Polizeibeamten zu verstehen. "Wir müssen damit ein deutliches Zeichen setzen", sagte Zwanziger. Mehrere Vertreter von anderen Landesverbänden hatten die Absage als Reaktion auf die schweren Krawalle von Leipzig kritisiert.

Absagen nicht alleiniges Mittel gegen Gewalt

"Maßnahmen wie die Absage eines Spieltags richten sich in erster Linie an die Zuschauer, die glauben, sie würde das alles nichts angehen", sagte Zwanziger. Der DFB-Chef machte aber auch deutlich, dass die Maßnahme nicht das alleinige Mittel gegen Gewalt von Hooligans sein könne. Er nannte erneut sichere Stadien und Fanprojekte als Voraussetzungen für gewaltfreie Fußballspiele in Ostdeutschland.

Ein Großteil der Sofortmaßnahmen des in Leipzig beschlossenen Sicherheitspaketes betrifft den 1. FC Lok. So verpflichtet sich der Vorstand dazu, die Ermittlungsbehörden umfassend bei der Aufklärung der Straftaten des Wochenendes zu unterstützen und alle ihm bekannten Gewalttäter zu benennen. "Ich werde Namen nennen, alle", sagte Lok-Vorsitzender Steffen Kubald der "Leipziger Volkszeitung", fügte aber auch hinzu: "Wissen Sie überhaupt, in welche Gefahr ich mich da begebe? Ich habe ein Kind."

Konsequentes Stadionverbot für Gewalttäter

Ein konsequentes Stadionverbot für alle bekannten Gewalttäter des 1. FC Lok wurde ausgesprochen, dessen Umsetzung in allen Stadien vom Leipziger Fußballverband überprüft wird. Entsprechend dem Gewerberecht werden beauftragte Sicherheitsunternehmen sowie vom Verein eingesetzte Ordner auf Zuverlässigkeit geprüft. Diese Maßnahme wurde erforderlich, nachdem es auch Kritik am Ordnungs- und Sicherheitsdienst des Clubs gegeben hatte.

Die Stadt Leipzig prüft zusammen mit den Partnern die Durchsetzung möglicher vorbeugender Maßnahmen wie Aufenthalts- und Betretungsverbote und Meldeauflagen gegen polizeilich bekannte Gewalttäter bei sicherheitsrelevanten Spielen. Außerdem sollen die Inhalte des Fanprojektes mit der Stadt, der Sportjugend Leipzig und dem sächsischen Fußballverband schnellstmöglich konzeptionell überarbeitet werden. Die Stadt erneuerte ihre Zusage, einen zusätzlichen Mitarbeiter für das Fanprojekt einzustellen.

DPA / DPA

Wissenscommunity