Länderspiel "Sind toll ins neue Jahr gestartet"

Trotz einer überzeugenden Vorstellung hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre "schwarze Serie" auch im 12. Anlauf nicht beenden können. Im Länderspiel gegen Argentinien gelang zwar kein Sieg, aber ein verdientes 2:2.

Zum Auftakt des Länderspiel-Jahres 2005 stand die DFB-Verlegenheitself am Mittwochabend gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien zwar dicht vor dem bedeutendsten Erfolg der Ära Jürgen Klinsmann, musste sich dann aber doch mit einem 2:2 (2:1) begnügen. Neun Minuten vor dem Ende machte Hernan Crespo in Düsseldorf die Hoffnungen der DFB-Auswahl zunichte, 52 Monate nach dem 1:0-Sieg im Wembley-Stadion gegen England endlich wieder einen Sieg gegen einen der Großen des Weltfußballs feiern zu können. Torsten Frings (28./Foulelfmeter) und Kevin Kuranyi (45.) hatten das deutsche Team vor 52 000 Zuschauern in der ausverkauften LTUarena dem ersten Sieg gegen Argentinien seit dem WM-Finale von 1990 ganz nahe gebracht. Crespo (40.) war mit einem umstrittenen Foulelfmeter schon der Ausgleich zum 1:1 gelungen.

"Wir sind toll ins neue Jahr gestartet. Ich habe der Mannschaft ein Riesenkompliment gemacht. Die erste Halbzeit war toll. In der zweiten Halbzeit haben wir zu viele Bälle verloren. Da haben die Argentinier zugestochen, das schmerzt natürlich so kurz vor Schluss", sagte Klinsmann, der glaubt, dass "die Jungs viel mitnehmen können aus diesem Spiel". Frings, der beste deutsche Akteur, bekannte: "Natürlich sind wir enttäuscht. Schließlich haben wir zwei Mal geführt. Wenn wir unsere Fehler abstellen, gewinnen wir auch solche Spiele."

Die Ausfälle der Leistungsträger Michael Ballack und Miroslav Klose hatten die Chance des Vizeweltmeisters, seine Misserfolgsserie gegen die Top-Adressen des Fußballs beenden zu können, eigentlich schon vor dem Anstoß auf ein Minimum sinken lassen. Nach dem von einer Grippe geplagten Bayern-Regisseur hatte am Vormittag auch der Bremer Torjäger wegen eines blockierten Nackenwirbels passen müssen. Doch allen personellen Problemen zum Trotz, die sich durch die Verletzung von Gerald Asamoah nach knapp einer halben Stunde noch verschärften, rückte Klinsmann auch gegen den Weltranglisten-Dritten nicht von seiner offensiven Marschroute ab.

Das Team spielte von Beginn an mutig und aggressiv sowie mit hohem Tempo. Für Impulse im Spielaufbau sorgten vor allem Frings und Fabian Ernst sowie Asamoah, der über die rechte Seite viel Druck entwickelte. Als der Schalker dem Leverkusener Paul Freier Platz machen musste, ließ der Offensivdrang merklich nach. Kuranyi war in der Spitze einmal mehr ein Muster an Effektivität. Der Stuttgarter holte den Strafstoß zum 1:0 heraus und vollendete kurz vor der Pause kaltblütig zur erneuten Führung. Bis auf die Partie in Südkorea traf Kuranyi bei jedem seiner Länderspiel-Einsätze unter Klinsmann.

Hitzlsperger mit Licht und Schatten

Probleme offenbarte Thomas Hitzlsperger auf der für ihn ungewohnten linken Außenposition. Zwar hatte der England-Legionär bei seinem ersten Einsatz im DFB-Trikot von Beginn an gute Szenen nach vorne, doch in der Defensive ist er kein Modell für die Zukunft. Während Kapitän Christian Wörns und Per Mertesacker in der Mitte solide standen, inszenierten die Argentinier über die Seite von Hitzlsperger und Bastian Schweinsteiger, dem viele Ballverluste unterliefen, immer wieder gefährliche Angriffe.

Bei geschlossenem Stadiondach und frühlingshaften Temperaturen startete die deutsche Mannschaft schwungvoll und ohne jeden Respekt. Ein erstes Beispiel für das gewachsene Selbstbewusstsein im Team lieferte Frings (10.), dessen spektakulärer Volleyschuss aus 22 Metern haarscharf vorbeiflog. Drei Minuten später verhinderte Roberto Abbondanzieri beim Kopfball von Bernd Schneider die Führung.

Zum verdienten 1:0 verhalf der deutschen Elf ein Elfmeter. Nach einem Klammergriff von Nicolas Burdisso gegen Kuranyi verwandelte Frings sicher zu seinem fünften Länderspiel-Tor. Zwei Minuten zuvor war die Pfeife von Referee Stefano Farina bei einem Rempler von Scaloni gegen Ernst stumm geblieben. Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel deutete der Italiener im deutschen Strafraum erneut auf den Punkt, diesmal jedoch zu Unrecht. Freier hatte im Zweikampf mit Juan Pablo Sorin den Ball gespielt. Davon unbeeindruckt vollstreckte Crespo zum Ausgleich. Doch Sekunden vor dem Pausenpfiff brachte Kuranyi die Hausherren wieder in Front, als er ein Zuspiel von Schweinsteiger überlegt an Abbondanzieri vorbei ins Tor schob.

Konterchancen nicht genutzt

In den zweiten 45 Minuten versuchte die deutsche Elf, das Tempo hoch zu halten. Als Crespo im Strafraum nach einem Duell mit Jens Lehmann zu Boden ging (56.), zögerte Farina kurz mit seiner Entscheidung, ermahnte dann den Argentinier und ließ die Partie weiter laufen. Bei ihren Kontern waren die Gastgeber sogar einem zweiten Treffer nahe, so als Kuranyi (70.) nicht an eine Schweinsteiger-Flanke herankam. Vier Minuten später scheiterte Mertesacker aus kurzer Distanz am Gäste-Keeper. Dann leitete der Abwehrspieler aus Hannover mit einem Stellungsfehler den erneuten Ausgleich durch Crespo ein.

Oliver Hartmann und Jens Mende/DPA DPA

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