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Länderspiel gegen Italien: Im Hotspot des deutschen Fußballs

Die Dortmunder Jugend dominiert die Bundesliga und erobert die Nationalmannschaft. Warum sollte das heutige Länderspiel gegen Italien also woanders stattfinden als im Ruhrgebiet?

Von Wigbert Löer, Dortmund

Natürlich hat der Deutsche Fußball-Bund die italienische Nationalmannschaft aus finanziellen Gründen nach Dortmund gebeten. Ein Klassiker kann auch ein großes Stadion füllen. Es geht bei Freundschaftsspielen zu einem guten Teil ja auch ums Geldverdienen. In diesem Februar kann man das mit Blick auf das Länderspiel heute Abend (20.45 Uhr, in der ARD und im Live-Ticker auf stern.de) glatt vergessen. Denn es ist so, als habe die Nationalmannschaft sich spontan für den Hotspot des deutschen Fußballs entschieden: Der Trainer, die Spieler, der Fußball, den sie spielen, das Stadion schließlich und die Zuschauerzahlen – Borussia Dortmund ist derzeit das Maß aller Dinge. Mehr Strahlkraft geht nicht.

Joachim Löw bemühte sich in der Sportschule Kamen-Kaiserau denn auch nicht besonders, die Euphorie zu bremsen. "Wir sind jetzt in der Lage, Spieler zu ersetzen, weil junge Spieler nachrücken", sagte der Bundestrainer. Und reklamierte die Einführung des Jugendstils in manchen Bundesligaklubs auch für sich: "Die WM hat vielleicht dazu beigetragen, dass junge Spieler in den Vereinen jetzt größere Chancen haben."

Vor allem in Dortmund, weshalb man im aktuellen Kader der deutschen Nationalmannschaft mal wieder eine richtige Rudelbildung ausmachen kann. Da sind die Bayern, die verletzten Mario Gomez und Toni Kross eingerechnet sind es deren sieben. Diesen Block kennt man inzwischen schon, ebenfalls die hohen Ausschläge auf dem internen Formbarometer. Mario Gomez bildet da mal wieder das Extrem, im Moment allerdings ist er extrem gut in Form, aktuell aber am Knie verletzt. Bei Minusgraden, um im Bild des Formbarometers zu bleiben, fröstelt hingegen der Innenverteidiger Holger Badstuber. Philipp Lahm ("Die Entwicklung der Mannschaft ist sehr, sehr positiv". Er meint Nationalmannschaft, nicht den FC Bayern) dagegen spielt ja nicht so oft überragend und niemals ganz schlecht. Dafür spielt er immer. Gesetzt ist heute abend auch Miroslav Klose, zumal Gomez passen muss. Zumindest eingewechselt wird wohl Thomas Müller.

Kräfte der Zukunft

Das zweite große Rudel stellt der Tabellenführer der Bundesliga. Es ist ein knappes Jahrzehnt her, dass der BVB annähernd so viele Nationalspieler wie heute stellte, Metzelder, Ricken, Kehl und Wörns hießen sie damals. Gegen Italien stehen nun fünf Borussen im Aufgebot, Kräfte der Zukunft sind sie alle.

Auf Mats Hummels hat die deutsche Innenverteidigung mit ihrer chronischen Schwäche im Spielaufbau gewartet, Marcel Schmelzer wird sich hinten links in Zukunft nur gegen eher schwache Konkurrenz behaupten müssen. Auf der Sechs könnte Sven Bender auf Dauer der ideale defensive Nebenmann für Bastian Schweinsteiger sein. Er allerdings müsste mit Sami Khedira eine echte Größe verdrängen – der frühere Stuttgarter spielt bei Real Madrid zwar nicht problemlos, aber doch regelmäßig und ebenfalls recht defensiv. Kevin Großkreutz ist durch seine Dynamik für Joachim Löw ein idealer Einwechselspieler. Und Mario Götze, vielseitig, hochbegabt, im Verein wie bei der Nationalmannschaft von bescheidenem Auftreten, passt in der Offensive fast überall hin. Auch auf Links, wo Lukas Podolski seit Jahren ein gemütliches Leben als Stammspieler genießt, ganz gleich, ob und wie er im Verein spielt.

Sie ist eine spürbare Verbesserung für Löws Auswahl 2011, diese junge Dortmunder Gruppe. Zumal das Bremer Rudel, das früher nach dem FC Bayern die meisten Akteure stellte, sich gerade auflöst. Mesut Özil spielt jetzt in Madrid, Marko Marin scheint sich entfernt zu haben von der Löw-Truppe, ebenso Aaron Hunt, der eh nur kurz dazu gestoßen war. Und auch der WM-Ersatztorwart und Bundeskanzlerinnenbegrüßer Tim Wiese ist diesmal nicht dabei. Dafür immerhin Per Mertesacker, ein Spieler, den man beim DFB wegen seiner Verdienste bei vergangenen Turnieren schätzt, nicht wegen seiner aktuellen Leistungen bei Werder. Über die Situation bei den Innenverteidigern sei er "sehr, sehr glücklich", flötete Löw gestern. Mertesacker wirkt im Bremer Abstiegskampf derzeit eher unglücklich. Gegen Italien aber darf er von Anfang an spielen.

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