Lettland "Werden bis zur letzten Minute kämpfen"


Bereits die Qualifikation löste einen nationalen Freudentaumel aus, jetzt freut sich das Land auf das EM-Debüt: Deutschlands zweiter Vorrundengegner Lettland will sich als David so teuer wie möglich verkaufen.

Mit dem ersten Auftritt auf der großen Fußball-Bühne geht für "Underdog" Lettland ein Traum in Erfüllung. Schon die sensationelle Qualifikation für die EM in Portugal stürzte das kleine baltische Land, das erst 1991 seine staatliche Unabhängigkeit wieder erlangte, im November 2003 in kollektiven Freudentaumel.

Rund 1000 der nur 2,4 Millionen lettischen Einwohner bereiteten der Mannschaft von Trainer Aleksandrs Starkovs nach der magischen Nacht am Bosporus bei der Rückkehr in die Hauptstadt Riga einen triumphalen Empfang. Mit dem 2:2 in Istanbul (Hinspiel 1:0) hatten die "Fußball-Zwerge" den WM-Dritten Türkei in der Relegation aus dem Rennen geworfen. "Das ist der größte Erfolg unserer Fußball-Geschichte und das Resultat harter Arbeit", jubelte Verbandspräsident Guntis Indriksons.

Die kleine Chance des Chancenlosen

Dass die zum Teil aus Halbprofis bestehende Elf bei der EM die Vorrunde in der Gruppe D mit dem dreimaligen Welt- und Europameister Deutschland, den Niederlanden und Mitfavorit Tschechien übersteht, hält selbst der Coach für vermessen. Dennoch könnte seinem Team ohne große Stars die Rolle als Hecht im Karpfenteich zufallen. "Holland hat nur Klassespieler, Tschechien ebenfalls, und Deutschland ist eine typische Turniermannschaft. Aber schon häufig haben die Kleinen die Großen geschlagen. Wir werden bis zur letzten Minute kämpfen", sagte Starkovs. Man solle sein Team nicht vorzeitig abschreiben, "aber wir dürfen auch nicht anfangen zu träumen".

Der Trainer ist der Star

Der 48 Jahre alte Starkovs, der auch den elfmaligen lettischen Serienmeister Skonto Riga trainiert, gilt als Vater des Erfolgs. Nach der Amtsübernahme durch den ehemaligen Stürmer des russischen Topclubs Dynamo Moskau im Jahr 2001 begann der Aufstieg der Nationalelf mit dem Gewinn des Baltic-Cups gegen Estland und Litauen. In der EM-Qualifikation sorgte das Team mit Platz zwei hinter Schweden für Furore.

In den Vordergrund spielte sich vor allem der bei Dynamo Kiew beschäftigte Stürmer Maris Verpakovskis, der sechs Tore erzielte und auch das entscheidende 2:2 in Istanbul markierte. Seitdem steht der 24-Jährige nicht nur wegen seines Aussehens vor allem bei den Lettinnen hoch im Kurs. Sollte der zur Zeit verletzte Marians Parhas (FC Southampton) bis zur EM fit werden, dürfte die als sehr kompakt und diszipliniert geltende Elf auch in der Offensive stärker sein.

Kahn: "Auf keinen Fall unterschätzen"

Nach Niederlagen gegen Kuwait (0:2), Ungarn (1:2) und Weißrussland (1:4) verliefen die letzten Testspiele wieder vielversprechend. Nach dem 1:0 gegen Slowenien und dem 0:0 in Island blickte Starkovs etwas freundlicher drein. Auch Nationalkeeper Oliver Kahn warnt vor dem krassen Außenseiter: "Man darf sie auf keinen Fall unterschätzen." Bislang gab es erst zwei Duelle mit Lettland, beide vor dem 1. Weltkrieg: Am 13. Oktober 1935 gewann die DFB-Elf in Königsberg mit 3:0, am 25. Juni 1937 in Riga mit 3:1.

Ulli Brünger, DPA DPA

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