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Leverkusen siegt in Hoffenheim: Phantomtor sorgt für Skandal

Der Kopfball von Stefan Kießling geht vorbei, doch die Kugel rollt durch ein Loch im Netz ins Tor. Durch den vermeintlichen Treffer siegt Leverkusen in Hoffenheim mit 2:1. Nun droht ein Nachspiel.

Begünstigt durch ein Phantomtor von Stefan Kießling hat Bayer Leverkusen nach 1335 Tagen wieder die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga erobert. Es war der große Aufreger beim 2:1 (1:0)-Erfolg der Leverkusener bei 1899 Hoffenheim zum Auftakt des achten Bundesliga-Spieltages am Freitag. Wie 1994 bei Thomas Helmer war der Ball beim Kopfball von Kießling neben das Tor gegangen. Durch ein Loch im Netz gelangte der Ball aber ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych gab den Treffer und nahm seine Entscheidung auch nach mehrmaliger Intervention der Hoffenheimer nicht mehr zurück.

Kießling hatte sich nach seinem Kopfball ans Außennetz bereits die Haare gerauft, ehe Brych plötzlich auf Tor entschied. Es folgten lange Diskussionen und Brych schien wenige Minuten später auch seinen Fehler eingesehen zu haben, als er das Loch im Tornetz sah. Doch der Referee blieb bei seiner Tatsachenentscheidung. Dennoch könnte das Tor ein Nachspiel haben. Im Fall Helmer war das Spiel der Bayern gegen den 1. FC Nürnberg einst wiederholt worden.

Spitzenreiter Leverkusen

Bayer verdrängte zumindest für einen Tag Titelverteidiger FC Bayern München von Platz eins. Für die Leverkusener, die am 21. Februar 2010 letztmals unter dem damaligen Coach Jupp Heynckes die Liga angeführt hatten, war es der zehnte Sieg im elften Bundesliga-Duell mit den Kraichgauern.

Sidney Sam hatte seinem siebten Saisontor (26. Minute) vor 25 213 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena den siebten Saisonsieg von Bayer eingeleitet. Zu allem Überfluss vergab Roberto Firmino in der 83. Minute einen Foulelfmeter für Hoffenheim. Der Anschlusstreffer von Sven Schipplock zwei Minuten vor Schluss kam zu spät. Die TSG, die seit nunmehr vier Spielen auf einen Sieg wartet, wurde trotz einer engagierten Vorstellung nicht belohnt und stagniert mit zehn Zählern im Tabellenmittelfeld.

Von Beginn an setzten beide Teams unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der am Freitag seinen Vertrag beim DFB bis 2016 verlängert hatte, auf Offensive. Kein Wunder, gehören Leverkusen und Hoffenheim doch zu den vier treffsichersten Mannschaften der Liga. Die reifere Spielanlage zeigten die Leverkusener, die sich gerade im Angriff kombinationsstark zeigten, in der Defensive aber auch viele Chancen der Gastgeber zuließen. Insbesondere das Fehlen von Mittelfeld-Dauerläufer Lars Bender machte sich bemerkbar.

Abwechselungsreiches Spiel

Die Hoffenheimer besaßen auch die erste Torchance. Dabei durften sich die Leverkusener bei Philipp Wollscheid bedanken, dass der Freistoß von Sejad Salihovic nicht im Tor landete (9.). Gedankenschnell war der Verteidiger kurz vor dem Schuss des Bosniers auf die eigene Torlinie geeilt und hatte den Ball per Kopf für seinen geschlagenen Keeper Bernd Leno abgewehrt.

Leno, zuletzt mit einer Weltklasse-Leistung gegen die Bayern, konnte sich kurz darauf bei einem Schuss von Torjäger Anthony Modeste auszeichnen (20.). Aber auch die Leverkusener waren stets gefährlich. Erstmals über Gonzalo Castro, der halblinks in den Strafraum zog und für Arbeit bei 1899-Keeper Koen Casteels sorgte (14.). Zwei Minuten später versuchte es Sam mit einem sehenswerten Fallrückzieher. Mit einem Schuss aus 20 Metern war der erneut spielfreudige Nationalspieler dann erfolgreicher, als er den Ball ins rechte untere Eck zirkelte und Casteels nicht gut aussehen ließ.

Kein guter Tag für Schiri Brych

Die Hoffenheimer waren im ersten Durchgang aber mindestens ebenbürtig und hätte einen Torerfolg durchaus verdient gehabt, zumal ihnen ein regulärer Treffer von Kevin Volland verwehrt worden war (36.). Brych hatte fälschlicherweise auf Abseitsstellung entschieden und für die erste Fehlentscheidung des Tages gesorgt. Ein weiterer Schuss von Volland verfehlte knapp das Ziel (40.).

Im zweiten Durchgang agierte Bayer ein wenig defensiver. Torchancen gab es aber weiter auf beiden Seiten. Doch das Skandal-Torv on Kießling sorgte schließlich für die negative Note des Spiels und viele Diskussionen.

Ulrike John, DPA / DPA

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