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FC Barcelona Messis indirekter Elfer: total genial, vielleicht arrogant, aber nicht neu

Strafstoß im Spiel Barca gegen Celta de Vigo. Lionel Messi läuft an. Doch statt den Ball im Netz zu versenken, schiebt er ihn leicht nach rechts, Luis Suárez rauscht heran und verwandelt. Ein genialer Trick. Auf sowas kommt nur Messi! Oder doch nicht?

Um es gleich vorweg zu sagen: Ja, das ist erlaubt! Man darf einen Elfmeter auch indirekt ausführen, also den Ball zu einem Mitspieler passen, der ihn dann möglichst ins Tor schießt. Aber man muss wohl der beste Spieler der Welt sein, um sich das auch wirklich zu trauen: In der 82. Minute des 6:1-Gala-Auftritts seines FC Barcelona gegen Celta de Vigo lief Lionel Messi beim Stand von 3:1 vom Elfmeter-Punkt an. Alle rechneten mit einem sicheren Treffer des kleinen Argentiniers, doch der schob den Ball stattdessen leicht nach rechts vorne. Luis Suarez rauschte heran und drosch den Ball in die Maschen. Feixend bejubelten die Südamerikaner ihren verblüffenden Trick.

Und der ist tatsächlich regelgerecht. Entscheidend ist dabei, dass der Ball tendenziell nach vorne, also Richtung Tor, gespielt wird. Wäre Messi um den Ball herumgelaufen und hätte einen Rückpass auf Luis Suárez gespielt, dann wäre das Tor irregulär gewesen. So aber stand es 4:1 für Barca - und die Gegenspieler standen wie die letzten Deppen da.

Cruyff war noch genialer

Überrascht von dem Trick waren nicht nur die wackeren Kicker aus Vigo und die Fußball-Fans aus aller Welt, sondern auch Messis Teamkollegen. "Ich wusste gar nichts von dem Trick", gab Jordi Alba zu, meinte aber auch, Messi erfinde ja ständig irgendwas. "Ich habe sie persönlich nicht daran im Training arbeiten sehen", sagte Weltmeister Andres Iniesta, "aber ich bin überzeugt, dass es geplant war." Und genau so war es auch: "Eigentlich war der Ball für mich bestimmt", verriet Messis Sturmkollege Neymar. "Das Wichtigste ist aber, dass es geklappt hat", grinste der Brasilianer.

So genial der Trick auch ist, neu ist er nicht. Sogar noch frecher war beispielsweise ein Strafstoß eines anderen Barca-Stars. Hollands Fußball-Legende Johan Cruyff, der sechs Jahre bei den Katalanen spielte und später als Barca-Trainer das berühmte "Dream Team" formte, schaffte es im Dezember 1982 im Trikot von Ajax Amsterdam sogar, einen indirekten Elfer selbst zu verwandeln. Der heranrauschende Mitspieler schoss damals den Ball anders als Suárez nicht ins Tor, sondern passte ihn auf Cruyff zurück, der die Kugel dann am verdutzten Keeper ins leere Tor schob. Auch das völlig regelgerecht.

Überhaupt scheint der indirekte Elfer häufiger probiert zu werden, als man so glaubt. Über die sozialen Medien werden weitere Beispiele veröffentlicht. Ein besonders gelungenes vom SV Horn aus Österreich:

Und selbstverständlich klappt es nicht immer. Dann ist man natürlich selbst der Depp.

"An Arroganz nicht zu überbieten"

Nicht wenigen Fans hätte es gefallen, wenn auch Messi und Suárez so dumm dagestanden hätten wie die Kicker aus der Premier League bei ihrem missglückten Kunststück. Denn viele halten den Elfertrick für arrogant und respektlos gegenüber den Gegenspielern.

Auch Radio Marca aus Madrid kommentierte, dass es Messi und Suárez an Respekt gegenüber dem Gegner mangele. Die Betroffenen sehen das selbst allerdings nicht so. "Das war kein mangelnder Respekt", stellte Celta-Trainer Eduardo Berizzo fest. Er regte sich eher über das schlechte Spiel seiner Spieler auf.

Ob respektlos oder nicht: Es wird sicherlich etliche Kreisliga-Kicker geben, die schon jetzt darüber nachdenken, ob sie am kommenden Wochenende ihre Gegner mit dem Messi-Trick überraschen wollen. Der ein oder andere mag sich dann vielleicht an den 13:0-Kantersieg der deutschen Nationalelf 2006 in San Marino erinnern. In der 90. Minute gab es einen Handelfmeter für die Deutschen und Jens Lehmann machte sich auf, als Torhüter selbst mal ein Tor zu schießen. Die wackeren Kicker aus dem Zwergstaat stemmten sich gegen diese Demütigung und forderten Fairplay ein; Lehmann verzichtete. Doch wer nun denkt: So fair sind eben deutsche Fußballer, dem sei gesagt, dass die Kölner Bundesliga-Profis Pierre Littbarski und Stefan Engels schon vor 30 Jahren genauso "respektlos" waren wie Messi und Suárez am Sonntag. Es mag ein "fieser Trick" sein, doch er ist und bleibt nun mal erlaubt.

mit Agentur

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