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Analyse

Topleistung gegen Dortmund: Ter Stegen zeigt Titan-Qualitäten und sendet Grüße an Jogi Löw

Marc-André ter Stegen hat den FC Barcelona vor einer Niederlage in Dortmund bewahrt und den deutschen Fans in Erinnerung gerufen, wie gut er tatsächlich ist. Und er hat den Druck auf Neuer nochmal erhöht.

Er weiß, wie gut er gespielt hat: Marc-André ter Stegen spaziert nach dem Schlusspfiff in Dortmund lächelnd über den Rasen.

Er weiß, wie gut er gespielt hat: Marc-André ter Stegen spaziert nach dem Schlusspfiff in Dortmund lächelnd über den Rasen.

Man wäre nach dem Spiel am Dienstagabend gern dabei, wenn sich Marco Reus und Marc-André ter Stegen Anfang Oktober bei der Nationalelf wiedersehen. Schließlich gibt es einiges zu bereden zwischen den beiden, nachdem sie mit ihren Teams FC Barcelona und Borussia Dortmund im ersten Spiel der Champions-League-Gruppenphase ein 0:0 hingelegt haben. Ter Stegen würde Reus vielleicht ein bisschen aufziehen, mit einem Spruch oder nur einer Geste. Ein Lautsprecher ist ter Stegen schließlich nicht.

Vielleicht unterhalten sie sich nur über das Spiel, das trotz Tormangels unterhaltend und spannend war - und das lag nicht zuletzt an den beiden Protagonisten, die sich über 90 Minuten eine Art Privatduell lieferten - mit einem klaren Sieger namens ter Stegen, der ein überragendes Spiel zeigte.

Marc-André ter Stegen ist der Held des Abends

Drei Mal hatte Reus glasklare Chancen, ter Stegen zu überwinden, drei Mal scheitete er. Eine der Chancen war ein Strafstoß, den der BVB-Stürmer versemmelte, weil ter Stegen in der 57. Minute wie eine Katze mit Sprungfedern in die linke Ecke (aus Torwartsicht) hechtete.

Ter Stegen war unzweifelhaft der Held des Abends. Die Leistung der deutschen Nummer 2 fällt deswegen besonders ins Gewicht, weil es ja gerade eine Torwartdiskussion gibt, ausgelöst durch Aussagen des 27-Jährigen auf einer PR-Veranstaltung. Da hatte er von seiner Enttäuschung gesprochen, bei den EM-Qualifikationsspielen nicht zum Einsatz gekommen zu sein ("ein schwerer Schlag").

Die harmlose, aber ehrliche Aussage entfachte ein riesiges Echo, auch weil Neuer ungeschickt antwortete ("Ich weiß nicht, ob das hilft"). Aber das ist nicht der einzige Grund: Jeder sieht, dass Bundestrainer Joachim Löw in der Personalie ungeschickt agiert. Erst nimmt er Neuer als Nummer 1 mit zur WM in Russland, obwohl der nach einer langen Verletzungspause längst nicht in Form war. Zum damaligen Zeitpunkt war ter Stegen der Bessere. Löw kündigte in der Folge einen offenen Konkurrenzkampf an, ließ ter Stegen aber seitdem auf der Bank schmoren. Mit Leistungen wie jetzt gegen Dortmund gibt der gebürtige Mönchengladbacher genau die richtige Antwort. Und erhöht den Druck auf Konkurrent Neuer massiv.

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"Sport": Gibt keinen besseren in Deutschland

Vielleicht ist etwas dran an dem euphorischen Urteil der spanischen Presse nach dem Spiel gegen Dortmund: "Der deutsche Torwart hat in seinem Land gezeigt, dass es dort keinen besseren Torhüter gibt. Was für ein Händchen! Was für eine Eleganz!", feierte die Zeitung "Sport" den Ex-Gladbacher ab.

Eines ist aber auf jeden Fall an diesem Abend deutlich geworden: Reus sollte unbedingt seine Elfmeter üben und ter Stegen hat angesichts der Debatte genau zum richtigen Zeitpunkt neben seiner sportlichen Klasse eine beeindruckende Nervenstärke bewiesen. Das zeichnet einen echten Weltklasse-Keeper aus. Ob ihm das in der Nationalelf weiterhilft, ist eine andere Frage.

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