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Torwartstreit: Offener Brief: Martin Sonneborn "untersagt" Uli Hoeneß jedes weitere Wort zu Manuel Neuer

Als wäre der Torwartstreit nicht schon absurd genug: Jetzt hat sich Martin Sonneborn, "Die Partei"-Abgeordneter im EU-Parlament, eingemischt. Der richet sich in einem offenen Brief an Uli Hoeneß und findet, der sollte sich ein Beispiel an "Bernd" Höcke nehmen.

Martin Sonneborn und Uli Hoeneß

Streit um Nationaltorwart: Martin Sonneborn mischt sich ein und "untersagt" Uli Hoeneß jede weitere Äußerung.

DPA

Wäre der Streit darum, wer der bessere Nationaltorhüter ist - Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen - nicht schon absurd, dann wäre er es spätestens jetzt. Denn in den Zwist eingemischt hat sich nun einer, von dem man es eher nicht erwartet hätte: Martin Sonneborn, EU-Agebordneter der satirischen Partei "Die Partei", hat einen offenen Brief an Bayern-Boss Uli Hoeneß in den sozialen Medien veröffentlicht. Er reagiert damit auf Hoeneß' Wutrede, in der dieser gefordert hatte, dass Neuer in keiner Weise mehr als Nummer 1 der Nationalelf in Frage gestellt werden dürfe - nicht von ter Stegen, nicht vom DFB, nicht von den Medien (der stern berichtete).

Für alle, die den Fußball und/oder den Zwist nicht weiter verfolgen: Es ist nicht so, dass Manuel Neuer nicht sowieso im Nationaltor stünde und von Bundestrainer Jogi Löw als Nummer 1 eingestuft würde. Einzig Neuers Konkurrent ter Stegen - gleichfalls Weltklassetorhüter vom FC Barcelona - war frustriert, dass er bei den jüngsten EM-Qualifikationsspielen nicht zum Einsatz kam, obwohl ihm ein Konkurrenzkampf in Aussicht gestellt worden sei. Das passte Neuer nicht und Hoeneß noch viel weniger. Und wie es gelegentlich so seine Art ist, verbat er nicht nur ter Stegen, sich zu äußern, sondern kritisierte auch noch den DFB und die Medien gleich mit, dass nicht alle den Ex-Gladbacher ter Stegen für seine Ansprüche in den Senkel stellen (der stern kommentierte).

Martin Sonneborn: "Untersage Ihnen jede Äußerung"

Und jetzt also Sonneborn. Der erklärt sich erst einmal für zuständig, weil er ja im für die Sportpolitik zuständigen Kultur- und Bildungsausschuss des EU-Parlament sitze, wie er vor allem am Ende seines Briefes sehr betont (AUCH SPORT, Hoeneß!). Gleich danach verbietet der Politiker quasi qua Amt dem Vereinsboss den Mund: "(...) untersage ich Ihnen jegliche Äußerung, die geeignet sind, das Ansehen des großartigen deutschen Fußballtorwächters Manuel Neuer zu untergraben." Hoeneß kürzlicher Rant sei dazu angetan, findet Sonneborn, "einem verdienstvollen Sportler großen Schaden" zuzufügen. Sie erwecke nämlich den Eindruck, dass Neuer Hoeneß' Beistand nötig hätte. Oder, wie es der Satire-Politiker ausdrückt, Neuer sei "auf die Protektion eines seiner Sinne immer weniger mächtigen, sich nach einer Strafverbüßung nur mühsam resozialisierenden älteren Herren angewiesen." Offene Worte.

Und so geht es weiter. Zu seinem eigenen Schutz, zum Schutz des FC Bayern und zum Schutz aller, die Hoeneß noch unterstützten könnte, solle der Bayern-Boss "unverzüglich dem Beispiel des Politikers Bernd Höcke folgen" und Medieninterviews "entweder rechtzeitig abbrechen oder, noch besser, ganz vermeiden." (Höcke, dessen korrekter Vorname Björn lautet, der aber vor allem von Comedians stets Bernd genannt wird, hatte unlängst ein Interview mit dem ZDF abgebrochen.) Schließlich droht Sonneborn Hoeneß in offiziösem Tonfall an, "bei fortgesetzter Zuwiderhandlung" beim Amtsgericht Miesbach einen Betreuer bestellen zu lassen. "Wollen Sie das?", fragt Sonneborn abschließend.

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Ob der EU-Parlamentarier mit seinem offenen Brief den Zwist wirklich beenden kann? Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte am Samstag vor dem Spiel der Bayern gegen den 1.FC Köln, es "wurde genug darüber gesprochen. Ich bin froh, dass wir uns auf Fußball konzentrieren können." Bisher aber war der Torwartstreit stets für eine weitere absurde Wendung offen. Was kommt also als nächstes?

dho

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