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Mehdi Mahdavikia: "Kein einfaches Spiel für Deutschland"

Irans Nationalspieler Mehdi Mahdavikia spricht vor dem Länderspiel in Teheran gegen Deutschland über den Stellenwert des deutschen Teams im Iran und über seine Situation beim HSV.

Herr Mahdavikia, welche Bedeutung hat das Spiel gegen Deutschland für die Iraner?
Es ist das erste Mal, dass Deutschland in Teheran spielt. Deshalb hat das einen sehr großen Stellenwert für uns. Deutschland ist immerhin drei Mal Weltmeister und der aktuelle Vizeweltmeister. Allerdings haben wir vier Tage danach ein sehr viel wichtigeres Spiel in der WM-Qualifikation gegen Katar.

Was erwartet die deutsche Mannschaft?


Sie werden mit Sicherheit gastfreundlich empfangen. Es wird bestimmt kein einfaches Spiel für Deutschland. Aber sie möchten während der WM-Vorbereitung auf jedem Kontinent mit den Topmannschaften spielen. Und Iran gehört in Asien dazu.

Wie kann man die Atmosphäre beschreiben?


Ich kann nur sagen, da werden mit Sicherheit 100.000 Zuschauer kommen. Da wird bestimmt auch die deutsche Mannschaft angefeuert, denn es gibt viele Fans.

Was bedeutet es für Sie, dass in dieser Begegnung für die Erdbebenopfer gespielt wird?


Im Namen des iranischen Volkes möchte ich mich noch einmal beim DFB sowie bei jedem einzelnen Spieler der deutschen Nationalmannschaft recht herzlich bedanken. Zu dem Zeitpunkt, wo es passiert ist, war ich sehr betroffen.

Wie populär ist die deutsche Mannschaft in Iran?
Sie ist sehr populär. Vor allem der neue Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist beliebt. Bei einem anderen Erbeben in Roodbar vor einigen Jahren hat er sich sehr engagiert und Spenden gesammelt. So etwas vergisst das iranische Volk nicht.

Welche deutschen Spieler sind am bekanntesten?


Diejenigen, die mit Iranern in der Bundesliga in einer Mannschaft spielen. Aber vor allem denke ich, dass Michael Ballack am populärsten ist.

Welchen Stellenwert hat die Bundesliga?


Einen großen Stellenwert, da die meisten iranischen Legionäre in der Bundesliga spielen. In den Tageszeitungen gehört täglich eine ganze Seite der Bundesliga mit ihren aktuellen Themen.

Wie sind die Aussichten des Iran in der WM-Qualifikation?


Die Begegnung gegen Katar ist das größte Spiel des Jahres für uns. Sollten wir da gewinnen, sind wir für die nächste Runde qualifiziert und da werden sich in einer Vierergruppe zwei Mannschaften qualifizieren. Es ist ein großer Traum von mir, in meiner zweiten Heimat in Hamburg mit meiner Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen.

Welche Chance hat die Mannschaft gegen Deutschland?
Ich denke, dass wir eine gute Chance haben. Gleichzeitig schätze ich die deutsche Mannschaft qualitativ sehr hoch ein. Außerdem werden sehr viele junge, gute Spieler in diesem Spiel eingesetzt, die mit Sicherheit ihre Qualitäten unter Beweis stellen wollen.

Wie beurteilen Sie ihre Situation beim HSV?


Wir haben das Problem, dass wir bei Auswärtsspielen nach wie vor sehr, sehr schwach sind. Allerdings muss ich auch zugeben, dass das Glück uns in den letzten Spielen das eine oder andere Mal im Stich gelassen hat.

Wie lange werden Sie sich noch mit der Rolle des Reservisten zufrieden geben? Schließlich sind sie laut Statistik nach wie vor der beste Torvorbereiter?


Ich bin sehr wütend darüber. Ich spiele seit fünf Jahren in Hamburg. Egal unter welchem Trainer, bisher war ich immer Stammspieler. Über meine Leistung sollen lieber die Fachleute sprechen. Ich bin nicht der Typ, der mit seiner Wut in die Öffentlichkeit geht. Ärger haben wir auf Grund der sportlichen Situation zurzeit genügend. Ich kämpfe nach wie vor auf dem Platz und tue alles dafür, dass diese zwei Spiele auf der Bank eine Ausnahme sein werden.

Haben Sie ein Problem mit Trainer Toppmöller?


Nein, mit ihm habe ich kein Problem.

Wie finden Sie die ständige Trainerdiskussion in Hamburg?


Darüber zu urteilen ist nicht meine Aufgabe. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Das andere sind die Mechanismen in diesem Geschäft. Wenn die von uns erwarteten Ergebnisse nicht erreicht werden, wird als allererstes die Trainerarbeit in Frage gestellt. Aber dafür bin ich nicht zuständig.

Volker Gundrum/DPA / DPA

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