Meisterschaftsrennen Beckenbauer: Bayern hat "kein Niveau"


Uneinigkeit bei den Bayern in der Meisterfrage: Während Uli Hoeneß nach dem 1:0 gegen 1860 Werder mit neuer Zuversicht den Kampf ansagt, sprach Beckenbauer seinen Bayern jede Titelqualität ab.

Mit der Meisterschale wieder in Sichtweite verschärft der FC Bayern München angeführt von Manager Uli Hoeneß seine Verbalattacken auf Spitzenreiter Werder Bremen. Doch Franz Beckenbauer glaubt trotz des schrumpfenden Vorsprungs von Werder Bremen nicht mehr an die Titelverteidigung.

Franz Beckenbauer übernahm nach dem glanzlosen 1:0 (0:0) im 199. Derby gegen den TSV 1860 München am Sonntagabend seine Paraderolle als Chefkritiker und sprach dem Rekordchampion die Titel-Qualität ab. "Das war gar kein Niveau. So kann man nicht Meister werden", sagte der erboste Präsident.

"Noch schlechter als Obergiesing gegen Untergiesing"

Er konnte sich genutzten Vergleich vom vermeintlichen Münchner Dorf-Duell zwischen Ober- und Untergiesing wieder nicht verkneifen: "Das war diesmal noch schlechter." Trainer Ottmar Hitzfeld wollte die schwache Leistung gegen den von seinen Krisen erschütterten und gleich bei der Premiere des neuen Chefcoachs Gerald Vanenburg auf einen Abstiegsplatz gerutschten Lokalrivalen keineswegs verhehlen. "Wenn man in die Tiefe geht, muss man sagen, dass wir schlecht gespielt haben", sagte er nach einem ungewohnt emotionslosen Stadtduell.

Hoeneß spielt wieder den Lautsprecher

Hitzfeld blickte jedoch lieber nach vorne und glaubt bei noch vier Spielen und nur noch sechs Punkten Rückstand auf Werder Bremen mehr denn je an den 19. Meistertitel. Beharrlich bereiten sich die Bayern schon jetzt mit scharfen Worten auf den "Showdown" am 8. Mai vor, wenn die Bremer im Olympiastadion gastieren. Auffällig bleibt jedoch, dass sie dabei mehr über die vermeintlichen Schwächen des Gegners, als ihr eigenes Leistungsvermögen sprechen. "Der Vorsprung schmilzt. Ich habe immer gesagt, dass es noch mal spannend wird. Es ist noch alles drin», sagte Hitzfeld.

Manager Hoeneß dürfte über diese Rhetorik sehr erfreut sein. Mit sichtlicher Freude nahm der 52-Jährige die erneuten Punktverluste der Konkurrenz von der Weser beim 0:0 in Bochum zur Kenntnis. «Wir greifen wieder voll an um die deutsche Meisterschaft. Ich glaube, sie ist in Reichweite gekommen», sagte Hoeneß.

Wie im Jahr 2000, als Bayer Leverkusen auf der Zielgerade noch abgefangen wurde, wähnen sich die Bayern psychologisch im Vorteil und sparen nicht mit verbalen Spitzen in Richtung der Konkurrenz. "Also, so sehr beeindruckt mich das nicht", beschrieb Hoeneß die Leistung der Bremer.

Vielleicht wollte der Manager damit auch bewusst von dem eigenen, wenig meisterlichen Auftritt ablenken. Deutlich war dem Starensemble die Erleichterung anzumerken, durch das Tor von Roque Santa Cruz (50.) zumindest den für die direkte Qualifikation zur Champions League nötigen zweiten Platz vom VfB Stuttgart sofort zurückerobert zu haben.


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