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Mesut Özil und Real: Schmutziges Spiel mit dem Superstar

Für Mesut Özil beginnt bei Arsenal ein neues Kapitel. Aber der Weg auf die Insel fällt schwer. Er kann die Vertreibung aus Madrid nicht einfach abhaken - Real-Boss Perez spielt ein schmutziges Spiel.

Von Klaus Bellstedt

Mittwochmorgen gegen acht Uhr war das Abenteuer Färöer für die deutsche Nationalmannschaft beendet. Mit einem lockeren 3:0-Erfolg im Gepäck ging es für die Spieler im Sonderflug zurück nach Frankfurt. Für viele war da nur Zwischenstopp. Zum Beispiel für Mesut Özil. Der wichtigste Akteur von Bundestrainer Joachim Löw dürfte sich zur Stunde gerade auf dem Weg in das nächste Abenteuer befinden.

Özil tritt an diesem Mittwoch den Dienst bei seinem neuen Club Arsenal London an: Vorstellung gleich nach der Ankunft, erstes Training am Donnerstag, erstes Spiel am Wochenende in der Premier League auswärts in Sunderland. Es geht jetzt Schlag auf Schlag für Özil, dessen unfreiwilliger Wechsel von Real Madrid rüber auf die Insel die Story der gerade abgelaufenen Transferperiode war. Eine Geschichte, die sich mittlerweile zu einer hässlichen Schmutzkampagne gegen Özil entwickelt hat.

Pérez duldet keine schlechte Stimmung

Nochmal der Reihe nach: Vertrieben haben sie Özil aus Madrid. Vertrieben hat ihn vor allem Florentino Pérez, Bauunternehmer, Präsident von Real Madrid und eine der mächtigsten Figuren Spaniens. Er hat ihn auf dem Gewissen. Pérez hat Özil geopfert. Auch um den Weltrekordtransfer von Gareth Bale zu den Königlichen zu realisieren.

Madrids äußerst fragwürdiger Umgang mit seinem abgewanderten Superstar hat bei den Fans einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Und auch Özils ehemaligen Mitspieler, an der Spitze seine Kumpels Sergio Ramos, Alvaro Arbeloa und Cristiano Ronaldo, kritisierten ungewöhnlich offen die Entscheidung ihres Arbeitgebers. Pérez gefiel das ganz und gar nicht. In seinem Reich duldet der Boss keine schlechte Stimmung. Und schon gar keine Widerworte.

"Die Leute wissen, wie professionell ich bin"

Was man dagegen unternimmt? Zum Beispiel Gerüchte über den angeblich so unsteten Lebenswandel Özils streuen, um den in Madrid so beliebten Özil im Nachhinein anzuschwärzen und in den Dreck zu ziehen. Genau das ist es, was aus Spanien gerade herüberschwappt. Laut der Madrider Tageszeitung "ABC" plant Pérez in der kommenden Woche bei informellen Treffen mit den Delegierten der anstehenden Mitgliederversammlung die "Wahrheiten im Fall Özil" zu erzählen. Es soll um ausufernde Ausflüge in das Madrider Nachtleben und Frauengeschichten gehen.

Özil nahm nach dem Sieg gegen die Färöer Inseln am späten Dienstagabend erstmals Stellung zu den absurd klingenden Vorwürfen. Er wehrte sich gegen die Kampagne, sachlich, aber mit hörbarer Enttäuschung: "Die Leute, die mich kennen, wissen, wie professionell ich bin. Mehr muss ich dazu gar nicht sagen", sagte er. Wirklich nicht? Man kann davon ausgehen, dass das Theater weitergeht. Und dass sich die Vertreibung von Real für Özil eben doch nicht so schnell abhaken lässt.

London und Arsenal müssten sein Thema sein

Özils Vater und Berater Mustafa überlegt bereits, juristisch gegen Perez vorzugehen, sollte der seine Ankündigung wahrmachen und auspacken. Sollte es wirklich so kommen, wäre dann wieder Özil am Zug, um die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen. Das ist auch deshalb so störend, weil eigentlich ab sofort London und Arsenal sein Thema sein müsste. Der 24-Jährige muss sich bei seinem neuen Verein erst anpassen. Er muss dort seine Rolle finden und sich einfügen. Laute und hässliche Nebengeräusche aus Madrid sind für diesen Prozess nicht eben förderlich.

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