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Michael Ballack: Kapitän ohne Macht

Michael Ballack bleibt Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Vordergründig wirkt die Entscheidung von Joachim Löw wie ein Sieg für ihn. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

Unter den Fans wurde sie heftig diskutiert: die "K-Frage". Jetzt ist sie entschieden. Oder nicht?

Am Donnerstag hat Bundestrainer Joachim Löw der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass Michael Ballack Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft bleibt. Alles wie gehabt also, denn genau so war es ja von Löw vor der WM geplant. Dann kam Ballacks verletzungsbedingter Ausfall. Lahm stieg auf zum Ersatz-Kapitän, führte die Mannschaft in Südafrika auf Platz drei und meldete danach selber offensiv Ansprüche auf das kleine Stück Stoff am Ärmel an. Lahm habe die "Entscheidung" akzeptiert, sagte Löw. Ein guter Tag also für Michael Ballack? Und ein schlechter für den ambitionierten Möchtegern-Käpt'n Lahm? Das Gegenteil ist der Fall!

Denn viel entscheidender als die Klärung der unsäglichen und völlig überbewerteten "K-Frage" war ein anderer Satz, den Joachim Löw am Frankfurt in der DFB-Zentrale fallen ließ - und der Michael Ballack als Verlierer dastehen lässt. "Im Moment sehe ich Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger auf der Position von Michael Ballack." Der Trainer hat dem nicht für den Start in die EM-Qualifikation nominierten "Capitano" die frühere Stammplatz-Garantie entzogen und schickt den 33-Jährigen als Herausforderer in den Konkurrenzkampf mit den neuen Mittelfeldplatzhirschen. Das macht die Sache für Ballack so ungemütlich - Kapitänsbinde hin oder her.

Joachim Löw hat mit seiner Entscheidung ein ungeschriebenes Gesetz der Nationalelf gebrochen. Denn bislang war der Kapitän gleichzeitig unumschränkter Stammspieler. Die Zeiten sind seit heute auch offiziell vorbei. Und wer weiß schon, ob Ballack (wird in drei Wochen 34) nach seiner langen Verletzung jemals wieder den Fitnesszustand erreichen wird, den Löw von seinen Spielern verlangt. Zweifel bleiben. Zumal der Bundestrainer intern längst erklärt hat, dass er nicht sicher sei, ob sein alternder Mittelfeldstar noch gut genug sei für die EM 2012. Fakt ist: Michael Ballack bleibt zwar Kapitän, aber einer auf Standby, von dem nicht klar ist, ob und wann er überhaupt wieder zur Nationalmannschaft stoßen darf. Seine einstige Vormachtstellung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist endgültig gebrochen.

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