Nationalelf Bierhoff will DFB nachsitzen lassen


Vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Irland schlägt Teammanager Oliver Bierhoff Alarm: Im Vergleich zu anderen Nationen ist der deutsche Fußball nicht konkurrenzfähig. Das Problem seien nicht die Spieler, sondern der Verband.

Trotz des dritten Platzes bei der Weltmeisterschaft und des eingeleiteten Reformkurses in der deutschen Nationalmannschaft sieht Oliver Bierhoff für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Spitzenfußball einen erheblichen Nachholbedarf. "Wir wollen eine verstärkte Verzahnung zu den anderen Auswahl-Mannschaften schaffen, die in den vergangenen zwei Jahren so nicht vorhanden war", erklärte der Manager der Nationalelf in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Nachteile gegenüber anderen Nationen sind laut Bierhoff noch groß. "Es gibt keine Datenbank. Es gibt kein Leistungszentrum. Es gibt keine Mess-Methode, die kenntlich macht, wie sich ein Spieler im Alter von 15 bis 20 Jahren entwickelt hat", zählte Bierhoff auf.

Löw fordert mehr Scouts im Ausland

Auch Bundestrainer Joachim Löw sieht noch viele zu lösende Aufgaben. So müsse die Kooperation mit der Sporthochschule Köln weiter vorangetrieben und die Ausbildung jüngerer Spieler optimiert werden. "Die Nationalmannschaft hat die Richtung taktisch und spielerisch vorgegeben. Jetzt müssen diese Dinge quer durch alle Jugendmannschaften vereinheitlicht werden", sagte der Nachfolger von Jürgen Klinsmann in mehreren Zeitungs-Interviews.

Die internationale Marktbeobachtung sollte weiter verstärkt werden, meinte Löw. Während für den DFB mit Urs Siegenthaler ein Chefscout für die Beobachtung der Konkurrenz zuständig ist, würden sich andere Nationen gleich mehrere solcher Experten leisten, merkte Löw dazu weiter an.

Datenerfassung mangelhaft

Ein einheitliches Daten-Erfassungssystem beim DFB, das von Reformer Klinsmann angeschoben worden war, steckt noch in den Kinderschuhen. "Es gibt kein gemeinsames Videoanalyse-System und auch keine Archivierung - weder von Fotos noch von Filmaufnahmen", berichtete Bierhoff, der sowohl DFB-Sportdirektor Matthias Sammer als auch U21-Trainer Dieter Eilts mit in der Pflicht sieht: "Jeder muss das in seinem Bereich tun."

Sammer werde gemeinsame Strukturen für den ganzen Nachwuchsbereich entwickeln. Ende September soll erstmals das so genannte Kompetenz-Team, zu dem neben dem Leiter Bierhoff auch Löw, Eilts und Sammer sowie DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und dessen designierter Nachfolger Wolfgang Niersbach gehören, zusammentreffen und strategische Pläne entwerfen.

Warnung vor zuviel Zufriedenheit

Für Löw hat die Nationalmannschaft mit ihrem Netzwerk von Experten das Beispiel geliefert, um den Weg nach oben anzutreten. "Ich denke, man würde einen Fehler machen, wenn man wieder alles zurückschraubt. Man sollte eher investieren", befand der Bundestrainer, der zugleich vor Zufriedenheit über das WM-Abschneiden warnte: "Wir wollen mittel- und langfristig nach oben."

Erste Schritte sind bereits abgesteckt. So wird in Zukunft Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann nach seinen Erfahrungen mit der Nationalelf seine Arbeit auch auf Jugend- Auswahlteams ausweiten. Bierhoff weiß um die Bedeutung der Strukturen für den ganzen deutschen Fußball: "Das ist eine große Aufgabe."

DPA DPA

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