Nationalmannschaft Probleme über Probleme


Schuhstreit, Abwehrsorgen und noch eine Absage: Die Vorbereitung auf die ersten Qualifikationsspiele der Nationalmannschaft seit fast drei Jahren wird für Joachim Löw von unerfreulichen Nebengeräuschen begleitet.

Nach Christoph Metzelder (Meniskus-Operation) sagte wenige Stunden vor der Zusammenkunft des DFB-Kaders in Stuttgart auch der Wolfsburger Mike Hanke dem Bundestrainer wegen einer Mandelentzündung ab. Löw verzichtete jedoch auf eine Nachnominierung für den Reservestürmer und geht mit nur noch 16 Akteuren in die Auftaktspiele am Samstag gegen Irland und vier Tage später auswärts in San Marino. "Wir haben genug Stürmer im Aufgebot", sagte Löw.

Wenigstens kann Löw bei der Rückkehr nach Stuttgart ein letztes Mal auf die WM-Euphorie vertrauen: Im Daimler-Stadion, wo die deutsche Mannschaft vor acht Wochen mit einem umjubelten 3:1-Erfolg gegen Portugal den dritten WM-Platz sicherte, sollen am kommenden Samstag vor ausverkauften Rängen gegen den unbequemen Auftaktgegner Irland die ersten drei Punkte auf dem Weg zur EM- Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz eingefahren werden.

Erfolgreicher Start ist Pflicht

"Die Qualifikation für die Europameisterschaft ist für mich eine Selbstverständlichkeit", sagte Löw, der seinen mit noch 16 WM-Akteuren bestückten Kader gleich in einer ersten Trainingseinheit auf das EM-Unternehmen einstimmen wollte. "Irland ist der Auftakt zum Projekt 2008", sagte der 46-Jährige.

Ein erfolgreicher Start ist Pflicht, denn im Anschluss folgen gleich vier unangenehme Auswärtspartien in San Marino (6. September), der Slowakei (11. Oktober), Zypern (15. November) und Tschechien (24. März 2007), bei denen statt WM-Flair trister Länderspiel-Alltag einziehen wird. "Es bedarf des Siegeswillens eines jeden Einzelnen, denn es warten unangenehme Gegner auf uns", sagte Löw vor dem ersten Spiel in Gruppe D, der außerdem noch Wales angehört. Der Gruppen-Erste und -Zweite qualifiziert sich für die EM-Endrunde in zwei Jahren.

Beim ersten Training am Dienstagabend sollten sich die Blicke im Amateurstadion des VfB Stuttgart vor allem auf zwei Neulinge richten: Löws neuen Trainer-Assistenten Hans-Dieter Flick und den für das Abwehrzentrum nachnominierten Debütanten Alexander Madlung. Der Wolfsburger ist nach dem Ausfall der kompletten WM-Innenverteidigung die einzige Alternative zu Arne und Manuel Friedrich.

"Wir haben in der Abwehr ein Problem", warnte Michael Ballack. Nach seinem Liga-Debüt für den FC Chelsea wird der von einer Hüftverletzung genesene Mittelfeldspieler die deutsche Elf wieder als Kapitän in die Qualifikation führen.

Freie Schuhwahl gilt als sicher

Mit Spannung wird verfolgt, in welchen Schuhen die deutschen Akteure trainieren und spielen werden. Spätestens bis zum Ernstfall gegen Irland soll der vor dem Testspiel gegen Schweden (3:0) ausgebrochene Schuhstreit beendet werden - mit einer "vernünftigen Lösung", wie DFB-Präsident Theo Zwanziger forderte. "Die Nationalspieler müssen erkennen, dass sie nicht eine Rolle spielen dürfen, die mit Geldgier und anderen Dingen einhergeht", mahnte Zwanziger vor der neuen Verhandlungsrunde.

Die Einführung der freien Schuhwahl gilt als sicher, die Spieler sahen sich schon nach dem Schweden-Spiel etwas voreilig am Ziel. Der verletzte Dortmunder Christoph Metzelder machte noch einmal deutlich, dass das Monopol des DFB-Ausrüsters (Adidas) fallen müsse. "Wir spielen eben Fuß-Ball, und das bedeutet, dass unsere Schuhe unser wichtigstes Arbeitsmaterial sind. Da kann man sich einfach keine Kompromisse erlauben." Den Vorwurf, den Spielern ginge es vor allem ums Geld, wies Metzelder auch mit einem Verweis auf andere Nationen zurück. "Ich kann mich nicht erinnern, dass den Spielern in Brasilien oder Frankreich Geldgeilheit vorgeworfen wurde, nur weil sie selbst wählen können, in welchen Schuhen sie spielen."

Löw wird auf ein rasches Ende des Konfliktes drängen, um die Konzentration auf die anstehenden sportlichen Aufgaben zu richten. Ihn plagt nicht nur das Abwehrproblem, sondern etliche WM-Asse sind noch nicht wieder in Form. Der Ausfall von WM-Reservist Hanke ist da eher leicht zu verkraften. Kapitän Ballack dagegen fehlt Spielpraxis, der Bremer Tim Borowski ist völlig außer Form, und der neben Miroslav Klose im Angriff gesetzte Lukas Podolski ist beim FC Bayern weiterhin nur zweite Wahl. "Er leidet, wie alle Nationalspieler, noch unter den Nachwirkungen der WM", kommentierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Einen Durchhänger nach der Weltmeisterschaft dürften sich die Spieler aber gar nicht erst einreden lassen, erklärte der Bremer Torsten Frings: "Ich bin nicht müde und will davon auch gar nichts hören."

Klaus Bergmann, Jens Mende/DPA DPA

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