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Nationalmannschaft: Kampfansagen vor dem Klassiker

Mit vielen Experimenten und einem festen Ziel vor Augen geht die deutsche Nationalmannschaft in das Spiel gegen den ewigen Erzrivalen England. Ein Sieg soll her, auch um dem Fußballjahr zu einem tollen Abschluss zu verhelfen. Ganz nebenbei wurden auch noch andere wichtige Dinge geklärt.

Deutschland ohne Ballack und Lahm, England mit einem besseren "B-Team" - trotz des Ausfalls namhafter Stars soll der 31. Vergleich der ehemaligen Fußball-Weltmeister dem Gütesiegel des Klassikers gerecht werden. "Das ist der beste Abschluss eines Jahres, den es geben kann", schwärmte Bundestrainer Joachim Löw, der in dem Prestige-Duell am Mittwochabend unter anderem den Schalker Jermaine Jones auf der Position des nicht nominierten Routiniers Torsten Frings testen wird und trotz weiterer Experimente im 34. Länderspiel als Bundestrainer seinen 25. Sieg einfahren will. "Ich möchte etwas für die Zukunft sehen", kündigte Löw gespannt an.

Dass sein Gegenspieler Fabio Capello von Frank Lampard über Steven Gerrard bis hin zu Wayne Rooney gleich seine halbe Stammelf ersetzen muss, soll den Stellenwert des Kräftemessens nicht mindern. "Das wird England ein bisschen schwächen - trotzdem wird es ein wichtiges Spiel", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff: "Es geht gegen einen großen Rivalen."

Ein Klassiker

Dass es in den 90 Minuten auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions auch in Freundschaft und ohne Leitwölfe wie die Chelsea-Kollegen Ballack und Lampard hoch hergehen dürfte, dokumentierten einige Kampfansagen. "Wenige Spiele haben solche Brisanz wie Deutschland gegen England. Damit wächst man seit frühester Kindheit auf", erklärte der Leverkusener Simon Rolfes.

Lokalmatador Arne Friedrich erwartet nach bislang fünf Niederlagen und zwei Unentschieden endlich den ersten deutschen Erfolg gegen die Engländer in Berlin. "Es wird eine sehr schwierige Aufgabe. Aber wir sind Deutschland, wir wollen gewinnen", sagte der Abwehrspieler.

Großes Parallelprogramm

Erst seit Dienstagmittag gilt beim DFB-Team alle Konzentration dem Jahres-Endspiel, nachdem zuvor viel Ablenkung geherrscht hatte, angefangen beim "spannenden Besuch" (Friedrich) bei Bundeskanzlerin Angela Merkel über Löws Team-Ansprache und die WM-Prämienregelung bis hin zu einer Stippvisite von Tischtennis-Star Timo Boll. "Es war ein straffes Programm", räumte Bierhoff ein.

Löw zog im Beisein der gegen England fehlenden Ballack, Frings und Philipp Lahm einen vorläufigen Schlussstrich unter die jüngsten Querelen. "Man hat gemerkt, dass die Ansprache auf die Spieler gewirkt hat", berichtete Bierhoff. Der rund zehnminütige Vortrag des Bundestrainers sei aber keine Abrechnung mit Ballack und Frings gewesen, versicherte der Teammanager: "Es war nicht so, dass Joachim Löw beide durch die Manege geführt hat."

Jones wird spielen

Gegen England und auf dem weiteren Weg zur WM 2010 soll nun wieder die sportliche Entwicklung im Vordergrund stehen. "Ich denke, zu dem Thema ist genug gesagt", meinte am Dienstag Rolfes nur kurz zur Affäre Ballack/Frings. Spannend bleibt es trotzdem, denn gegen die Engländer erhalten im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel jüngere Konkurrenten im Mittelfeld eine Chance. Auf der Frings-Position darf sich der 27-jährige Jones beweisen, verriet Löw. "Ich freue mich, dass er in so einem tollen Spiel die Chance erhält", kommentierte Bierhoff. Der kampf- und laufstarke Jones, der zuletzt gegen Russland und Wales jeweils auf der Tribüne zuschauen musste und schon vor der EM aus dem vorläufigen Kader gestrichen worden war, steht erstmals in der deutschen Startelf. Es ist auch eine Belohnung dafür, dass er sich stets "sehr gut verhalten hat", merkte Bierhoff an.

Welche personellen Experimente Löw darüber hinaus wagt, ob Torwart Tim Wiese sein Debüt feiert und wer neben Miroslav Klose stürmt, wurde wie vor einem Punktspiel geheim gehalten. Der Respekt ist auch vor einem personell gebeutelten Gegner groß. "Unabhängig, wer spielt, England hat eine starke Mannschaft wie die letzten Jahre nicht mehr", sagte Löw, der daran erinnerte, dass seind Team das letzte Duell im August 2007 in London ebenfalls ersatzgeschwächt 2:1 gewinnen konnte. "Die Engländer sind sicher heiß auf eine Revanche", glaubt Rolfes.

"Einmaliger Vorgang"

Der Kapitän von Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen ist einer von 13 Spielern, die auf den Maximalbetrag von 200 000 Euro kommen können, die der Mannschaftsrat um Kapitän Ballack mit der DFB- Spitze für eine erfolgreiche WM-Qualifikation ausgehandelt hat. Jeweils 20 000 Euro zahlt der Verband bei den insgesamt zehn Partien an jeden nominierten Akteur, wenn sich die DFB-Auswahl als Gruppenerster für das Turnier 2010 in Südafrika qualifizieren sollte.

Erst danach konnten Löws Ausführungen folgen, die mit der klaren Warnung versehen waren, dass er öffentliche Kritik nicht noch einmal hinnehmen werde: "Es war ein einmaliger Vorgang. Ich weiß, dass es nicht wieder passieren wird", sagte Löw und ergänzte: "Die Dinge sind ausgeräumt, deshalb sehe ich für die Zukunft keine Probleme."

DPA / DPA

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