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Organisation der WM: Fifa-Boss will Beckenbauer ins "Gebet nehmen"

Joseph Blatter hat die deutschen WM-Organisatoren zu einer nachträglichen Prüfung aller zwölf WM-Stadien verdonnert und eine Verbesserung der Sicherheitskontrollen gefordert.

"Wir werden das OK jetzt ins Gebet nehmen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", kommentierte der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa zum Auftakt der Sitzungswoche in Leipzig, die in der Endrunden- Auslosung am Freitag gipfelt, die jüngsten Vorfälle im WM-Land. Nach der Spielabsage in Kaiserslautern wegen eines Dachschadens im Fritz-Walter-Stadion sowie den alarmierenden Wurf-Attacken bei den Bundesliga-Spielen in Hamburg und Mönchengladbach sieht der Schweizer die von Franz Beckenbauer angeführten WM-Ausrichter in der Pflicht: "Beim deutschen Organisations-Komitee brennt jetzt die Rote Lampe."

Zwar bewertete Blatter den Stand der Vorbereitung noch immer mit der ansehnlichen Schulnote "zwei plus". Doch der 69-Jährige nutzte eine Gesprächsrunde mit einem Dutzend geladener deutscher Journalisten in erster Linie dazu, Missstände anzusprechen und Gegenmaßnahmen zu verkünden. Beispiel Stadionbau: Nachdem in Nürnberg, Frankfurt und jetzt Kaiserslautern binnen weniger Monate drei WM-Arenen gravierende Baumängel aufwiesen, sollen Anfang nächsten Jahres alle Stadien noch einmal überprüft werden. Zudem werde man einen Termin festlegen, bis wann die Arenen definitiv WM-reif sein müssen.

"Etwas zu perfektionistisch"

Auch in punkto Sicherheit sieht der Fifa-Chef den nationalen Veranstalter am Zug. Er forderte bessere Einlasskontrollen, damit nicht wie am Samstag in Hamburg und Mönchengladbach Spieler durch fliegende Trommelstöcke oder andere Wurfgeschosse verletzt werden können. Den Einwand, die Fans bräuchten Feuerzeuge auch, um Zigaretten anzuzünden, wischte Blatter kurzerhand mit einer neuen Idee vom Tisch. "In den Stadien sollte nicht geraucht werden", sagte er wohlwissend, "dass nicht wir das entscheiden können, sondern die Regierung."

Das OK bekam von Blatter auch beim Thema Ticket-Verkauf noch einen Schuss vor den Bug. "Etwas zu perfektionistisch", urteilte der Schweizer: "So viele Sitzungen haben stattgefunden, die optimale Lösung muss erst noch gefunden werden. Wenn jeder seinen Ausweis zeigen muss, wird es vier Stunden dauern, bis die Zuschauer im Stadion sind." Ebenfalls weniger als Empfehlung denn als Forderung zu verstehen war auch sein Ruf nach einem Stehplatz-Verbot in der Bundesliga, wie es in anderen Ländern wie England und bei internationalen Spielen längst üblich ist. "Auf Stehplätzen ist immer Bewegung, sitzende Zuschauer sind ruhiger", meinte der Funktionär und fügte an: "Da sind der DFB und seine Liga in der Verantwortung."

Kein Chip-Ball zur WM

Am Abspielen der Nationalhymnen soll nun aber doch festgehalten werden, seine Idee der Abschaffung hat Blatter bereits wieder verworfen. Vielmehr will er Vorfälle wie bei den WM- Relegationsspielen zwischen der Schweiz und der Türkei, als die Eidgenossen mit dem Abspielen der türkischen Hymne ein gellendes Pfeifkonzert starteten, künftig mit Sanktionen gegen den betreffenden Verband ahnden. "Wir müssen die Zuschauer dazu erziehen, Respekt zu zeigen. Wenn man so etwas durchsetzen will, geht das leider nur über einen Strafenkatalog." Der, so Blatter, soll bereits bei der WM Anwendung finden: "Wir haben die Möglichkeit, in den 64 WM-Spielen durchzugreifen. Das sollte Richtung weisend sein."

Dagegen wird der viel diskutierte Chip-Ball, der über Tor oder nicht Tor definitive Aufklärung bringen soll, bei der WM nicht eingesetzt. Blatter kündigte an, dass die bei der anstehenden Klub-WM in Japan vorgesehene zweite Experimentierphase "aus technischen Gründen" abgesagt wurde: "Dann ist das auch für die WM kein Thema mehr."

DPA

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