HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

P. Köster: Kabinenpredigt: Niemand weiß mehr, was Sache ist: Reformiert endlich die Handspiel-Regel!

Immer wieder sorgen Strafstöße wegen Handspiels für Ärger. Absicht oder nicht, das ist oft nicht festzustellen. Deshalb ist es Zeit für eine radikale Reform, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Absicht oder nicht: Im Pokalspiel gegen Werder spielt Dortmunds Julian Weigl klar Hand, aber Schiedsrichter Felix Brych ließ in diesem Fall weiterlaufen

Absicht oder nicht: Im Pokalspiel gegen Werder spielt Dortmunds Julian Weigl klar Hand, aber Schiedsrichter Felix Brych ließ in diesem Fall weiterlaufen

Picture Alliance

War der Arm abgespreizt oder angewinkelt, angelegt und ausgestreckt? Was sich anhört wie eine Aufwärmübung beim Bodenturnen, zerrüttet derzeit regelmäßig die Nerven unzähliger Fußballfans. Denn mit diesem Vokabular werden Woche für Woche zweifelhafte Handelfmeter in der Bundesliga begründet, am 22.Spieltag wurden gleich drei solcher Strafstöße gepfiffen, nicht ohne vorherige ausgiebige Begutachtung durch den Kellerschiedsrichter in Köln.

Nun ist ja unumstritten, dass der Ball insbesondere im Strafraum nicht in die Hand genommen werden sollte. Sonst könnte Bundestrainer Jogi Löw ja gleich Uwe Gensheimer als Nationalstürmer berufen. Mit diesem Minimalkonsens enden jedoch bereits alle Klarheiten und betreten wir das weite Feld der Auslegungssache. Unterschieden werden soll zwischen absichtlichen und unabsichtlichem Handspiel, doch es ist bis heute, bis zum Februar 2019, nicht gelungen, wenigstens ansatzweise klare und verlässliche Kriterien zu schaffen, die den Referees ihre Arbeit auf dem Platz erleichtern. 

Verwirrung um Handspiel ist größer geworden

Stattdessen schwirren Begriffe durch die Gegend, die jeder für sich nur die Verwirrung vergrößert. Ob die "Körperfläche vergrößert wird", die Armbewegung "unnatürlich" daherkommt oder die sogenannte "Schutzhand" ausgefahren wird, all das sorgt nur für Konfusion beim Publikum und bei den Akteuren auf dem Spielfeld.

Dass das bisher nur nicht so aufgefallen ist, inzwischen aber zu einem der größten Ärgernisse des Fußballbetriebs herangewachsen ist, hat mit der Einführung des Videobeweises zu tun. Der wurde ja mit dem Heilsversprechen größtmöglicher Gerechtigkeit installiert. Und offenbar hatte man tatsächlich geglaubt, beim Studium der Fernsehbilder auch vom Gesicht des Beschuldigten ablesen zu können, ob der mit Vorsatz die Pranke ausgefahren hat oder aus Versehen den Ball an den Finger bekommen hat. Nun aber stellt sich heraus, dass auch Videoaufnahmen diese Unklarheiten nicht beseitigen können - jedes Wochenende aufs Neue. Erinnert sei etwa an den Kick der Schalker gegen die TSG Hoffenheim in der Hinrunde, bei dem zwei Handelfmeter verhängt, aber der der Schalker zurückgenommen wurde, bei hier wie dort ähnlich unklarer Beweislage. 

Schwelle für Handspiel muss nach oben gesetzt werden

Die unschöne Konsequenz: Niemand weiß mehr, was Sache ist: Die Schiedsrichter nicht, die Kommentatoren nicht und erst recht nicht die Spieler. Kein Wunder also, dass diese sich inzwischen lautstark zu Wort melden wie RB Leipzigs Kapitän Willi Orban. "Es wäre definitiv hilfreich für alle - für die Schiedsrichter, für die Verteidiger, für die Offensivspieler, wenn da eine klare Linie reinkäme", moserte Orban, "Als Beteiligter macht das keinen Spaß".

Da hat er recht. Doch diese Linie müssten die internationalen Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) vorgeben. Was bisher aus den Beratungen nach außen gedrungen ist, klingt wenig vielversprechend. Geplant ist offenbar, den Regelkatalog zum Thema "Handspiel" auf zwölf Kriterien auszuweiten. Was eher noch deutlich komplizierter klingt als bisher. Dabei ist das Ziel doch klar. Die Schwelle, um Handelfmeter zu pfeifen, muss drastisch nach oben gesetzt werden. In aller Regel vereiteln Handspiele keine klare Torchance, sondern fälschen Flanken ab. In solchen Fällen eine derart drastische Strafe zu verhängen, widerspricht dem Sinn des Spiels. Es wird höchste Zeit. 

England: Amateurkicker stehen Kopf an Kopf – dann passiert etwas erstaunliches
tis

Wissenscommunity