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Bundesliga im stern-Check Hand ist, wenn der Schiri pfeift - Wenigstens herrscht Spannung im Abstiegskampf

Schale-Elfmeter gegen Bayer Leverkusen
Daniel Caligiuri überwindet Leverkusens Torwart Lukas Hradecky zum 1:0 für Schalke 04. Ob dem Strafstoß wirklich ein Handspiel voranging, blieb zweifelhaft.
© Ina Fassbender / AFP / DPA
Allzu viel Spannendes hat die Bundesliga ja nicht mehr zu bieten. Dank der Ergebnisse vom Wochenende knistert es nun aber wenigstens am Tabellenende. Für Fragezeichen sorgten Handspiel-Entscheidungen.

So lief der Spieltag

Alle Ergebnisse des 31. Spieltages, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Der Aufreger des Tages

Das Fachmagazin "kicker" fragt an diesem Montag mit einigem Recht: Blicken Sie bei den Regeln zum Handspiel noch durch? In mindestens zwei Fällen staunte der Fan - und selbst mancher Schiedsrichter könnte sich gewundert haben.

Nur die wenigsten dürften beispielsweise beim Torabschluss des Dortmunders Raphaël Guerreiro in Düsseldorf sofort begriffen haben, warum der schön herausgespielte Treffer nicht zählte - bis klar gemacht wurde, dass dem Abpraller, der dem torgefährlichen Mittelfeldspieler den Ball so mustergültig vor die Füße fallen ließ, ein Handspiel vorausging. Das Spielgerät hatte die Schulter des 26-Jährigen touchiert. Die gilt im Fußball nunmal auch als "Hand", wenn auch nur noch in dieser Saison. Ab kommendem Jahr soll die "T-Shirt-Linie" gelten, wonach die "Hand" erst ab dem Ende eines T-Shirt-Ärmels beginnen soll, womit die Schulter ausgespart sein wird. Auf dass jeder Schiedsrichter einen Blick für die T-Shirt-Linie entwickeln möge.

Mit welchem Körperteil der Leverkusener Verteidiger Tapsoba den Ball in der 48. Minute der Spiels bei Schalke 04 im Strafraum berührt hat, blieb vielen Beobachtern auch nach wiederholtem Betrachten der Videobilder völlig verborgen. Handelfmeter gab es trotzdem. Und so gilt auch in Zeiten des Videoschiedsrichters im Zweifel: Hand ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.

Der Gewinner des Spieltages

Alle spielten für Werder! Zugegeben, das konnte man in dieser Saison höchst selten behaupten, und nicht zuletzt waren es die Bremer selbst, die es in eigener Sache nicht gut machten. Doch in den Geisterspiel-Wochen kommt der Club von der Weser sehr gut voran. Und an diesem Spieltag klappte nun wirklich alles wie am Schnürchen: Mit einem fulminanten 5:1 schossen die Mannen von Coach Florian Kohfeldt die Paderborner nicht nur praktisch in die zweite Liga, auch die anderen spielten ganz im Sinne des SV Werder: Düsseldorf verlor in letzter Minute doch noch gegen den BVB und Mainz 05 verlor schon in erster Minute gegen den FC Augsburg. Damit herrscht jetzt wirklich Spannung in der Abstiegszone. Unter der Woche dürfen sich die drei Gefährdeten voraussichtlich jeweils eine Niederlage gegen ein Topteam abholen, dann aber steigt am kommenden Wochenende der Abstiegskracher in Mainz, wo sich Werder als starkes Auswärtsteam endlich von den Abstiegsplätzen hieven könnte. Nicht jeder Fan der Bremer hatte zuletzt noch an eine solche Chance geglaubt. 

Der Verlierer des Spieltages

Während Werder Bremen nach dem Re-Start einen guten Lauf erwischt hat, bringt es Borussia Mönchengladbach in der Geisterspiel-Tabelle nur auf einen zehnten Platz. Und als am Sonntag der Schalker Miranda in der 81. Minute ein Eigentor für Leverkusen fabrizierte, war klar: die Elf vom Niederrhein ist raus aus den Champions-League-Rängen. Dabei wäre selbst bei den Bayern, denen die Gladbacher in jüngster Vergangenheit ein ums andere Mal ein Bein gestellt hatten, einiges drin gewesen, hätte sich nicht der sonst so ausgezeichnete Torhüter Yann Sommer einen irrwitzigen Bock geleistet, den er selbst hinterher kaum erklären konnte. Viele Chancen haben die Borussen nun nicht mehr, sich doch noch für die Königsklasse zu qualifizieren. Vor allem müssen sie nun auf einen Patzer der Leverkusener hoffen, deren Restprogramm dafür aber wenig Gelegenheit bietet. Längst vergessen die Wochen, als die Gladbacher wochenlang Tabellenführer waren. Immerhin: Dank der damals gesammelten Punkte ist ihnen der fünfte Platz schon sicher. Europa winkt also so oder so.

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Da dürften bei den Fans der Frankfurter Eintracht Erinnerungen wach geworden sein. Zugegeben: Das legendäre Dribblertor von Jay Jay Okocha gegen die Bayern aus dem Jahr 1993 wird wohl unerreicht bleiben, doch was Daichi Kamada und André Silva da in der 62. Minute des Gastspiels bei Hertha BSC zauberten, war zumindest eine Okocha-Gedächtnisshow. Es war Kamada, der die Berliner Abwehrspieler am linken Strafraumrand immer wieder narrte, sich fast bis zur Grundlinie durchdribbelte und dann mit letztem Willen scharf vors Hertha-Tor gab. Dort wartete schon Teamkamerad Silva und krönte den Spielzug mit einem eleganten Hackentrick. Es war das 2:1 für die Frankfurter, die so beflügelt einen satten 4:1-Sieg einfuhren. Nie zuvor hat übrigens Bruno Labbadia als Trainer gegen die Eintracht verloren. Die Liga ist wirklich voll von merkwürdigen Serien.

Das Bild des Tages

Enttäuschte Spieler von Fortuna Düsseldorf
© Leon Kügeler / AFP

Ach, da muss man als Fußballfan einfach mitleiden. Mit aller Kraft hatten sich die Spieler von Fortuna Düsseldorf 94 Minuten lang bravourös gegen den haushohen Favoriten Borussia Dortmund gestemmt, ja sogar zeitweise auf Augenhöhe gespielt und zweimal den Pfosten getroffen. Doch zum Schluss blieb ihnen: nichts! Ja, es ist natürlich das Merkmal einer Spitzenmannschaft selbst in letzter Sekunde noch ein Spiel gewinnen zu können (was Haaland für den BVB erledigte), doch fühlt man doch mit dem Underdog mit, wenn in der fünften Minute der Nachspielzeit auch noch der letzte Punkt, den die Fortunen in den Händen hielten, verloren geht. Und damit ja nicht genug: Durch Haalands Tor steht die Fortuna nun ganz nah am Abgrund. Der nächste Abstieg droht.


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