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Poker um Bruno Labbadia: Holzhäuser attackiert den HSV

Geht er oder bleibt er? Bruno Labbadia ist mit dem Hamburger SV weitgehend über einen Wechsel einig. Das Problem: Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser will dem Trainer keine Freigabe erteilen und macht dem HSV heftige Vorwürfe.

Trainer Bruno Labbadia, heftig vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV umworben, wird zunächst keine Freigabe vom Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen erhalten. "Ich bin sehr verärgert über die Berichterstattung vom Freitag. Ich kann zwar bestätigen, dass der HSV Kontakt zu uns aufgenommen hat. Ich habe allerdings den Hamburgern deutlich erklärt, dass Herr Labbadia noch ein Jahr Vertrag bei uns hat und ich bitte, dies zu respektieren", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.

Es sei an der Zeit, ein Exempel zu statuieren. Holzhäuser: "Ich kann ihn zwar nicht zwingen, aber ich kann verhindern, dass er woanders arbeitet. Dieses Job-Hopping muss aufhören."

HSV geht von Einigung aus

Der HSV hatte unterdessen am Freitag den Eindruck vermittelt, die Hanseaten stünden kurz vor der Verpflichtung des 43-jährigen Labbadia, der Nachfolger von Martin Jol werden soll, der trotz bestehenden Vertrages beim HSV zu Ajax Amsterdam gewechselt war. Laut eines HSV-Sprechers sind vor einer endgültigen Einigung allerdings noch letzte Details sowohl mit Labbadia als auch mit Bayer zu klären. Der HSV sei jedoch optimistisch, dass die letzten Hürden im Laufe des Freitags beseitigt werden.

Holzhäuser appellierte an die Fußballlehrer, künftig wieder Vertragstreue an den Tag zu legen. "Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundvorstellung nicht vereinbar. Wenn ein Trainer freigestellt wird, zahlt der Klub ja auch weiter zum Teil riesige Summen", so der Bayer-Boss. Er forderte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer auf, angesichts der zahlreichen Trainer, die trotz bestehender vertraglicher Vereinbarung in der jüngeren Vergangenheit die Klubs verlassen haben, auf die Coaches einzuwirken.

Leverkusen ohne Druck

Holzhäuser sieht Leverkusen "nicht unter Druck", denn "wir haben einen Trainer, die Vorbereitung und Spieltermine für Freundschaftsspiele sind abgeschlossen, die Spieler sind über die Trainingspläne informiert. Aus unserer Sicht könnte es morgen schon wieder losgehen."

Labbadia gilt beim HSV seit dem Weggang von Jol vor zehn Tagen als Favorit. Der ehemalige Nationalspieler war bereits bei der Hamburger Trainersuche vor anderthalb Jahren im engsten Auswahlkreis und hatte sich damals mit seinem Konzept offenbar erstklassig verkauft. Die Hamburger entschieden sich dennoch für Jol, Labbadia wechselte aus der zweiten Liga von der SpVgg Greuther Fürth nach Leverkusen.

Vertrag bis 2010

Ende dieser Woche wollte Bayer eine Entscheidung über Labbadia, der mit der Bayer-Truppe in der Bundesliga nur einen enttäuschenden neunten Tabellenplatz erreicht und auch das DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen (0:1) verloren hatte, bekannt geben. Leverkusen ist damit in der kommenden Saison nicht im Europacup vertreten.

Der Kontrakt des ehemaligen HSV-Profis Labbadia in Leverkusen läuft noch bis 30. Juni 2010. Holzhäuser dementierte im Übrigen, dass der Bayer-Gesellschafterausschuss am Freitagabend tagen werde: "Diese Sitzung kann ich nicht bestätigen."

SID / SID

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