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Bundesliga-Saison-Check Trotz hoher Transfersummen: Trainer bleiben die ärmsten Säue der Liga

Musste vorzeitig in Dortmund gehen: Trainer Lucien Favre
Musste vorzeitig in Dortmund gehen: Trainer Lucien Favre
© Lars Baron / Getty Images
Der Gewinner der Saison? Klar, das ist Union Berlin. Die schönsten Tore schoss natürlich Robert Lewandowski und die Trainer bleiben trotz Transfersummen die Verlierer.

Aufreger der Saison

Das Fußballtrainer-Dasein ist mühselig, oft frustrierend und ungerecht. Nicht selten endet es in einer mehr oder weniger langen Phase der Arbeitslosigkeit. Trainer wechseln häufig den Wohnort und stehen unter permanenter Leistungskontrolle durch Fans und Medien. Manchmal erfahren sie als Letzte von ihrer Entlassung, während sich die halbe Liga über sie das Maul zerreißt. Als Außenstehender fragt man sich manchmal, wie diese Menschen den Dauerstress eigentlich aushalten? Die Liste der Leiden, also der entlassenen Trainer, ist in der ausgelaufenen Saison besonders lang, weil allein zwei Klubs insgesamt fünf Trainer schassten. Schalke entließ David Wagner, Manuel Baum und Christian Gross. Gebracht hat das bekanntermaßen alles nichts. Mainz 05 ließ sich nicht lumpen und feuerte erst Achim Beierlorzer und dann Jan-Moritz Lichte. In diesem Fall brachte es den Erfolg zurück und Mainz hielt unter dem aktuellen Coach Bo Svensson eindrucksvoll die Klasse.

Vergessen dürfen wir nicht Bruno Labbadia (Hertha BSC Berlin), Florian Kohfeldt (Werder Bremen), Markus Gisdol (1. FC Köln), Heiko Herrlich (FC Augsburg), Peter Bosz (Bayer Leverkusen), Uwe Neuhaus (Arminia Bielefeld) und Lucien Favre (Borussia Dortmund). Sie alle sind auf der Suche nach einem neuen Job. Doch die Trainerentlassungen waren nicht der Aufreger der Saison. Das Neue und Aufregende waren die Trainer-Transfers, die sich im großen Stil in der Bundesliga anbahnten. Marco Rose wechselt für fünf Millionen Euro von Gladbach zum BVB, Adi Hütter geht für siebeneinhalb Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Gladbach und Julian Nagelsmann zieht für kolportierte 25 Millionen Euro von RB Leipzig zum FC Bayern München weiter – Weltrekord.

Es war deswegen viel von der neuen Macht der Trainer die Rede, sie seien nun nicht mehr das schwächste Glied etc. Doch das stimmt nicht. Die lange Liste der Entlassenen spricht dagegen, genau wie ein weiterer Faktor: Nachdem die genannten Trainer ihre Wechsel angekündigt hatten, ging die Leistungskurve ihrer Teams steil nach unten. Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt verspielten die Champions-League-Qualifikation, Leipzig gewann keine der letzten vier Partien der Saison mehr, das Pokal-Finale gegen Dortmund ging sogar verloren. Wenn so die neue Macht der Trainer aussieht, hat niemand etwas davon.

Gewinner der Saison

"Wir aus dem Osten gehen immer nach vorn, Schulter an Schulter für Eisern Union, hart sind die Zeiten und hart ist das Team, darum ziehen wir mit Eisern Union" heißt es in der ersten Strophe der Vereinshymne, gesungen von Nina Hagen.

"Schulter an Schulter" sind die Eisernen nun ziemlich weit nach vorn gezogen, und sie werden ihren Weg sogar europaweit fortsetzen. Mit einem Sieg gegen RB Leipzig sicherte sich das Team des Schweizer Trainers Urs Fischer am letzten Spieltag die Teilnahme an der Conference League. Siebter Platz bedeutet das, und das ist nach dem Aufstieg vor zwei Jahren der nächste Riesenerfolg für den Berliner Klub. Mit Max Kruse holten sie sich die entscheidende Verstärkung. Aber es war natürlich nicht allein Kruse, der Union nach vorne brachte. Dass die Mannschaft auch ohne ihren Spielmacher gewinnt, bewies sie, als Kruse länger verletzungsbedingt fehlte. Der Erfolg von Union zeigt, dass ein hervorragender Trainer und eine gute Transferpolitik fehlende finanzielle Potenz ausgleichen kann.

Die schönsten Tore der Saison

41 Tore. Kein Bundesliga-Angreifer hat jemals mehr Treffer in einer Saison erzielt als Robert Lewandowski, der den ewigen Rekord (aus der Saison 1971/72) von Gerd Müller brach. Und das erst in der 90. Minute des letzten Spiels. Der Mann hat Nerven. Danach ließ er sich kräftig von den Mitspielern feiern. In seiner Heimat Polen ist Lewandowski endgültig zum Nationalhelden aufgestiegen: Eine "Maschine Robert, Made in Poland", jubelte ein polnischer Reporter, und fügte stolz hinzu: "Ein Junge aus Warschau, dessen Stern von nun an im Fußball-Firmament leuchtet." Recht hat er.

Verlierer der Saison

FC Schalke 04. Werder Bremen. Fassen wir das mal so zusammen: Die sogenannten Traditionsklubs haben es im Moment nicht leicht. Während Investoren- und Werksvereine wie RB Leipzig oder der VfL Wolfsburg in der Champions League noch mehr Kohle scheffeln, verabschieden sich die Alteingesessenen immer häufiger Richtung 2. Liga. Werder und Schalke treffen im Unterhaus auf den HSV, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96, Karlsruher SC oder den 1. FC Nürnberg. Denn das Wort Tradition hat nicht nur einen positiven Klang. Tradition kann auch bedeuten, dass Klubs schlecht geführt werden und Fehler machen, die dann zum Niedergang führen. Dennoch bleibt es ärgerlich, dass wieder einmal zwei große Namen in den endlosen Weiten der 2. Liga verschwinden. Schalke und besonders Werder sollten sich darauf einstellen, dass der Aufenthalt in der 2. Liga länger dauert als ein Jahr. Siehe HSV.


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