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Premier-League-Saison 2010 startet Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen


Spitzenfußball in England: Die Nationalmannschaft schwächelt zwar, doch die Premier League ist immer noch die stärkste Liga der Welt. Superstars gibt es in Hülle und Fülle, auch wenn sich die Top-Clubs mit den Transfers etwas zurückhielten - nur Manchester City nahm keine Rücksicht auf Verluste.
Von Daniel Barthold

Eine Woche früher als die Bundesliga geht in England bereits die Premier League los. Und wieder dreht sich alles um die "Top Four", die vier besten Teams der Liga: Manchester United, FC Chelsea, Arsenal London und Manchester City. Manchester City? Ja, die "Citizens" versuchen, auch in dieser Saison an die Großen aufzuschließen. Zumal es beim FC Liverpool in der letzten Saison mit Platz sieben überhaupt nicht lief. City investierte wieder fleißig: Für 32 Millionen Euro kam der linke Mittelfeldmann David Silva vom FC Valencia - der bislang teuerste Transfer der neuen Saison. Zudem verpflichtete Man City Jerome Boateng vom Hamburger SV (12,5 Millionen Euro Ablöse), den serbischen Nationalspieler Aleksandar Kolarov von Lazio Rom (19 Millionen Euro Ablöse) und Yaya Touré vom FC Barcelona. Klares Ziel: Die Scheichs von Manchester City wollen in die Champions League.

Bei Stadtrivale Manchester United kann es dagegen nur die Rückeroberung der Meisterschaft geben. Nach drei Titeln in Folge holte Chelsea in der vergangenen Saison die Trophäe. Ein erstes Ausrufezeichen setzte ManU mit dem Gewinn des Supercups, dem "FA Community Shield", gegen den FC Chelsea (3:1). Die Mannschaft blieb im Kern zusammen, verstärkt hat sie sich aber auch nicht. Die alten Haudegen wie Ryan Giggs oder Paul Scholes sind immer noch dabei. Klar, sie sind United-Idole und bringen Leistung, neigen sich aber mit 36 beziehungsweise 35 Jahren ihrem Karriereende entgegen. Es wird also Zeit, dass Coach Sir Alex Ferguson mit den "Red Devils" neue Talente aus den erstklassigen Nachwuchszentren hervorbringt.

Chelsea bleibt stark

Chelsea spielte eine Klasse-Saison und konnte es sich sogar leisten, gute Spieler abzugeben: Joe Cole (wechselte nach Liverpool), Ballack (zurück in Leverkusen) und Deco (jetzt bei Fluminense Rio de Janeiro) sind weg. Der brasilianische Mittelfeldspieler Ramires kam für 22 Millioen Euro von Benfica Lissabon, und der Isareali Yossi Benaoun wechselte von Liverpool an die Stamford Bridge - für sechs Millionen Euro geradezu ein Schnäppchen. Chelseas Mannschaft hat derzeit die beste Qualität, zu Hause sind sie eine Macht. Frank Lampard, John Terry und Didier Drogba vereint eines: Im Verein sind sie weitaus stärker als in der Nationalmannschaft. Somit ist Chelsea Top-Favorit auf den Titel.

Davon können sie in Liverpool nur träumen. Der wohl größte Traditionsverein im Fußball hat ein Seuchenjahr hinter sich. Keine Konstanz, frühes Aus in der Champions League und Verletzungspech. Mit fünf Auswärtssiegen waren die "Reds" in der Fremde so schwach wie noch nie. Einzig positive Nachricht: Es fand ein Umbruch statt. Trainer Rafael Benitez wurde von Roy Hodgson ersetzt, der Fulham immerhin ins Europa-League-Finale brachte. Joe Cole machte in der Vorbereitung und in der Europa-League-Qualifikation einen guten Eindruck. Man merkt, dass er in Liverpool viel erreichen will. Hinzu kommt Milan Jovanovic von Standard Lüttich. Der Serbe traf in der WM zum 1:0-Sieg gegen Deutschland.

Negative Stimmung in Liverpool

Unmut gibt es auch bei den Fans. Und dies hat keine sportlichen Gründe. Der chinesische Geschäftsmann Kevin Huang erwägt einen Kauf der "Reds" von den beiden amerikanischen Investoren Tom Hicks und George Gillett. Der Verkauf traditioneller Werte im Fußball wird gerade an der Merseyside stark kritisiert. Der Verlust der Identität in Liverpool kann auch ein Grund des Misserfolgs sein. Mit Steven Gerrard und Fernando Torres wurden zumindest Publikumslieblinge gehalten. Mit dem vierten Platz wäre Liverpool in der neuen Saison sehr gut bedient - das wäre zumindest die Champions-League-Qualifikation.

Im Gegensatz zu Liverpool setzt man bei Arsenal auf Bewährtes. Nur Abwehrmann Laurent Koscielny vom französischen Klub Lorient (zwölf Millionen Euro Ablöse) und der brasilianische Stürmer Wellington Silva (vier Millionen Ablöse) sind nahmhafte Neuzugänge. Ansonsten ist der Drittplatzierte der Vorsaison in der Lage ein Wörtchen im Meisterschaftskampf mitzureden. Mit Fabregas, van Persie, Arshavin oder Gallas sind die "Gunners" topbesetzt. Für den ganz großen Wurf wird es allerdings schwierig.

Im Kampf um die Europa-League-Plätze sind vor allem Clubs wie Tottenham Hotspur und Aston Villa zu nennen. Coach Martin O'Neill trat überraschend bei Villa zurück. Nun ist Jürgen Klinsmann im Gespräch.

Vorfreude auf die Derbys

Im Mittelfeld der Liga gibt es viel Brachland: Everton, Fulham und Bolton, mit Ivan Klasnic und dem Bulgaren Martin Petrov, der von Man City kam, sind nicht zu unterschätzen. West Ham, mit Thomas Hitzlsperger, Blackburn, Stoke City, Birmingham City und Sunderland haben das Potential, sich der Abstiegssorgen frühzeitig zu entledigen. Auch Newcastle United kann nach dem Betriebsunfall Abstieg auf einen Platz im Mittelfeld hoffen. Abwehrmann Sol Campbell erlebt dort seinen gefühlten vierten Frühling. Irgendwo kommt der 35-Jährige immer unter. Der Abstiegskampf ist in England immer sehr spannend. Aufsteiger West Bromwich Albion und Blackpool werden es schwer haben, aber auch Wigan und Wolverhampton müssen wie im letzten Jahr zittern.

Wieder einmal grandios wird die Stimmung in den Stadien sein, denn es stehen viele Derbys an. Neben den großen Spielen, wie Manchester United gegen Liverpool, Tottenham gegen Arsenal oder das Manchester-Derby, haben viele Nachbarschaftsduelle noch mehr Brisanz: Sunderland gegen Newcastle, Aston Villa gegen Birmingham oder Chelsea gegen West Ham sind sportlich nicht allererster Güte, auf den Rängen aber hochexplosiv. Die Premier League ist und bleibt etwas Besonderes.


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