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Rassismus-Vorwürfe: Spieler als "Affen" beschimpft?

Deutsche Nachwuchs-Kicker sollen englische Spieler im EM-Qualifikationsspiel rassistisch beschimpft haben. "Wir nehmen die Vorwürfe ernst", sagte der Mediendirektor des DFB, Harald Stenger.

Die englischen Jung-Nationalspieler haben nach dem EM-Qualifikationsspiel schwere Rassismus-Vorwürfe gegen die deutschen Spieler erhoben. Während das 0:2 der U 21-Nationalmannschaft gegen England schnell als Betriebsunfall abgehakt wurde, dürften sich die Anschuldigungen der englischen Spieler nicht im Handumdrehen aus der Welt schaffen lassen.

Nach Angaben des englischen Fußball-Verbandes FA seien die dunkelhäutigen Spieler Micah Richards und Anton Ferdinand von namentlich nicht genannten deutschen Spielern als "Affen" beschimpft worden. "Wir nehmen die Vorwürfe genauso ernst wie bei anderen Vorkommnissen dieser Art und prüfen sie deshalb auf ihren Wahrheitsgehalt", erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Eilts soll die Spieler befragen

Der DFB beauftragte Eilts, seine Spieler telefonisch zu den Vorwürfen zu befragen. Das Ergebnis des Rundrufs lag am frühen Mittwochnachmittag noch nicht vor. Die FA will die Europäische Fußball-Union (Uefa) in den nächsten Tagen in einem Bericht über die Vorkommnisse informieren. "Das muss untersucht werden. Wenn etwas vorgefallen ist, wird das Konsequenzen haben", sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson dem englischen Radio-Sender BBC. Offiziell will die Uefa zu dem Fall aber erst Stellung beziehen, wenn sie den Bericht des tschechischen Schiedsrichters Jaroslav Jara erhalten hat.

Die sportlichen Bemühungen des DFB-Nachwuchses waren vor 20 800 Zuschauern am Dienstagabend in Leverkusen erfolglos geblieben. Obwohl die Deutschen ab der 13. Minute durch eine Rote Karte für den Dortmunder Markus Brzenska in Unterzahl spielten, dominierten die Hausherren das Match, verwerteten aber ihre Torchancen nicht. Lokalmatador Gonzalo Castro ließ mit einem verschossenen Foulelfmeter (22.) die größte Möglichkeit ungenutzt, um den Rückstand aus dem Hinspiel zu egalisieren. "Ich habe mich sicher gefühlt", sagte Castro, der später mit ansehen musste, wie der 17 Jahre alte Theo Walcott mit zwei Kontertreffern (84./90.+2) das Spiel für die Gäste entschied.

Olympia-Qualifikation auch verpasst

"Diese Niederlage sagt nichts über die Entwicklung unserer Talente aus. Was das angeht, sind wir klasse", reagierte Trainer Dieter Eilts gelassen auf das Scheitern seines Teams. Mit der verpassten EM-Teilnahme kann sich der deutsche Nachwuchs auch nicht mehr für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren.

"Gleich zwei bedeutende Turniere verpasst zu haben, werde ich wohl erst im nächsten Juni realisieren, wenn die EM in den Niederlanden steigt", sagte Castro. Eilts bescheinigte seinen Schützlingen zwar eine "exzellente Leistung mit Herz, Leidenschaft, aber ohne Glück". Spielerische Elemente ließ die DFB-Auswahl gegen die defensivstarken Briten allerdings vermissen.

Diskussion um Trochowski

Diskussionsthema war deshalb die umstrittene Nominierung von Piotr Trochowski für die A-Nationalmannschaft. Der Hamburger fehlte als Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel. "Der Zeitpunkt, Trochowski ausgerechnet vor den Playoff-Partien hochzuziehen, war unglücklich. Wir hätten seine Qualitäten brauchen können", meinte Michael Rensing, zweiter Torwart des FC Bayern.

Eilts, der den Ausbildungsgedanken in den Vordergrund stellte, und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer verteidigten die Maßnahme von Bundestrainer Joachim Löw, Trochowski der U 21 zu entziehen. "Wenn sich einer im A-Team festspielen kann, muss die Chance genutzt werden. Alles andere ist indiskutabel", sagte Sammer.

Paul Wollenhaupt und Eric Dobias/DPA / DPA

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