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Rettung für den BVB: Schwarz-gelber Hoffnungsschimmer

Es war eine lange Zitterpartie für Borussia Dortmund, bevor die Anlegerversammlung endlich dem Sanierungskonzept für den hochverschuldeten Verein zustimmte. Ein Nein hätte das Ende des BVB bedeutet.

Stunde um Stunde hatte vor der Halle am Düsseldorfer Flughafen ein kleines Häuflein Borussen-Fans auf die Entscheidung geharrt. "Zur Not spielen wir auch in der Kreisliga", sagte BVB-Fan Marco Leinweber. "Borussia ist eine Religion. Wir bleiben treu, egal was passiert". Während draußen die Fans warteten, wurde in der Halle um eine Zustimmung für die Sanierung des hoch verschuldeten Traditionsvereins gerungen.

Bis zuletzt war nicht sicher wie die Entscheidung der Anlegerversammlung des Immobilienfonds Molsiris ausfallen würde. Doch dann gaben die Anleger schließlich grünes Licht für das Sanierungskonzept. Bei einer Ablehnung hätte eine sofortige Insolvenz des Bundesligisten gedroht. BVB-Präsident Reinhard Rauball sagte nach der Entscheidung: "Ich möchte einen solchen Tag in meinem Leben nicht mehr miterleben."

94,4 Prozent stimmten für das Konzept

Nach Angaben der Commerzbank stimmten 94,4 Prozent dem Konzept zu. Von den 5800 Anlegern des Immobilienfonds nahmen zwar nur rund 500 persönlich an der Krisensitzung teil, doch sei die notwendige Anwesenheitsquote von 15 Prozent des Kapitals deutlich übertroffen worden, sagte Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch.

Das Sanierungskonzept sieht unter anderem einen teilweisen Rückkauf des Westfalenstadions durch den Verein und eine Stundung der Miet- und Tilgungszahlungen für die Jahre 2005 und 2006 vor. Erst 2002 hatte der Verein das Stadion an den Immobilienfonds Molsiris verkauft. Jetzt soll BVB für etwa 43 Millionen Euro 42,8 Prozent des Stadions von dem Fonds zurückkaufen. Molsiris hält momentan einen Anteil von 94 Prozent. Das Geld für den Kauf soll der Verein aus dem zur Absicherung der Anleger hinterlegten Bardepot von insgesamt 52 Millionen Euro erhalten. Die restlichen neun Millionen Euro benötigt der einzige börsennotierte Fußballklub in Deutschland, um den Rest der Saison finanziell zu überstehen. Die Ausschüttungen an die Fondsanleger für 2005 und 2006 sollen gestundet werden.

"Die kabbeln sich regelrecht"

Stundenlang hatten zuvor BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Vereinspräsident Reinhard Rauball sowie Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs versucht die Anleger gemeinsam zu überzeugen, dem Konzept zuzustimmen. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs zunächst 90 Minuten lang das Sanierungskonzept für den BVB dargelegt. Danach nutzten viele Anleger die Gelegenheit zur Stellungnahme. "Die kabbeln sich regelrecht", berichtete ein Teilnehmer der Versammlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Vor Beginn der Sitzung hatten zahlreiche Fondszeichner ihre Zustimmung bekundet, allerdings gab es auch kritische Stimmen. Einige Teilhaber sagten, sie ließen sich nur von Anleger-Maßstäben leiten, der Verein sei ihnen egal. Andere appellierten an die anderen Fondszeichner, Borussia Dortmund müsse erhalten werden.

Auf scharfe Kritik der Anteilseigner stieß nach Angaben von Teilnehmern die Tatsache, dass der zuletzt heftig in die Kritik geratene Borussia-Manager Michael Meier nicht an der Versammlung teilnahm. Das Vereins-Management argumentierte, Meier müsse die Lizenzabgabe für die kommende Saison vorbereiten.

AP / AP

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