Rückblick Bayer stellt Makaay in den Schatten


Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Am Samstag dürfte Roy Makaay das machen, wofür er gekauft wurde: mit dem Ball kicken. Nicht nur weil er nicht traf, gibt es nach dem Spieltag Hoffnung, dass die Bundesliga spannend bleibt.

Und dann trat er urplötzlich aus den Katakomben. Im Laufschritt stürmte er unter einem Blitzlichtgewitter das satte Grün des sonnigen Münchner Olympiastadions. Er wird sich gefreut haben, am Samstag, der Roy Makaay, endlich dort sich beweisen zu können, wo bekanntlich die einzige Wahrheit ist: auf dem Platz. Und damit all die medialen Leuchtraketen vergessen zu machen, die den geneigten Lederfreund die ganze ballfreie Woche hindurch zugegebenerweise ganz gut unterhalten haben: die eitle Posse zwischen den Bayern und La Coruna um die Frage, wer jetzt wen bei den Transferverhandlungen über den Tisch gezogen hat und die öffentliche Kaffeesatzleserei, wer denn nun der ideale Sturmpartner für den prominenten Neuzugang sei.

Makaay motivierte Mitspieler

Getroffen hat er dann nicht, der holländische Superstar beim ungefährdeten 2:0-Sieg der Bayern gegen Bochum. Er habe noch Konditionsrückstand und brauche noch Zeit, um sich auf die Laufwege seiner neuen Mitspieler einzustellen, entschuldigte er sich nach dem Spiel. Wohlwissend, dass alles, was über Erfolg oder Misserfolg seiner Deutschlandmission entscheidet, Tore sind. Aber auch ohne Tor zeigte Makaay, wie wertvoll er für die Mannschaft sein kann. Nicht nur wegen seines blitzsauberen Zuspiel zu Jeremies, das dem Führungstreffer vorausging. Der erhöhten Leistungsdruck innerhalb der Mannschaft erhöhte sichtlich die Performance bisheriger Sorgenkinder: Claudio Pizzaro und Sebastian Deisler gehörten zu den auffälligsten Spielern auf dem Platz.

Die Salatschüssel muss trotzdem noch nicht an die Isar geschickt werden. Es wird diese Saison spannend bleiben. Keine Sorge! Dafür werden die wiederauferstandenen Werkskicker aus Leverkusen und Sammers Schützlinge schon sorgen. Wenn sie so weiterspielen wie am vergangenen Wochenende.

Bayer glänzt wie in besten Zeiten

Die Prügelknaben der vergangenen Saison hatten den Münchner Bayern glatt die (Makaay-)Show gestohlen. Leverkusens Glanzleistung gegen Hannover weckte Erinnerungen an die goldene Zeit unter Toppmöller. Bezeichnend für den Aufschwung unter dem Bayer-Kreuz ist die Wandlung des brasilianischen Stürmers Franca vom teuersten Fehleinkauf hin zum fussballerischen Sambatänzer. "Der Trainer hat mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben", meinte der Verkannte, der einen Treffer selbst und drei weitere vorbereitete. Ja, kaum zu glauben. Aber ein weißbiertrinkender Grantlerbayer scheint das Potenzial von Neuville &Co., wirklich rauskitzeln zu können. Auch wenn der Trainer des aktuellen Tabellenführers noch nicht zum Sturm auf die Bayern-Bastille rufen will: "Wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Da fehlen schon noch einige Punkte".

Amorosos Wiederauferstehung

Die Dortmunder hatten schon vorher den Bayern den Kampf angesagt. Amoroso hat dieser Drohung wieder Nachdruck verliehen. Seine zwei Tore gegen 1860 haben die Dortmunder Fans wieder mit ihrem launischen Star versöhnt. Mit Ovationen wurde der brasilianische Sambastürmer verabschiedet. Manager Michael Meier rieb sich vergnügt die Hände auf der Tribüne: "Alle wussten: Wenn Amoroso fit ist, macht er auch wieder Tore. Wir brauchen ihn, um unsere Ziele zu verwirklichen". Und tatsächlich: Schafft es Jungtrainer Sammer, die verspielte Kreativität der Amorosos und Rosickys in sein Ordnungssystem einzubinden, sollten sich die Bayern warm anziehen.

"Hart trainieren und in den Arsch treten"

Dagegen muss der Ligapokalsieger langsam aufpassen, nicht zur Lachnummer zu werden. Der katastrophale Einbruch in Wolfsburg, als sie in der zweiten Halbzeit fünf Tore kassieren musste, bedeutet den schlechtesten Saisonstart seit acht Jahren. "Was wir in acht Monaten aufgebaut haben, wurde in 21 Tagen kaputt gemacht. Wir haben alle unsere Fähigkeiten über Bord geworfen", sagte ein fassungsloser Kurt Jara. Besonders die Abwehr des Bundesliga-"Dinos" zeigte sich in einem desolaten Zustand: Nico-Jan Hoogma, Tomas Ujfalusi und Jung-Nationalspieler Christian Rahn wurden nach Belieben von den Wolfsburgern Stürmern überlaufen und düpiert. Was jetzt hilft, ist Arbeit. "Hart trainieren und in den Arsch treten" – so die Worte von Torwart Martin Pieckenhagen. Nächsten Sonntag zum Jubiläumspiel wegen des 40. Geburtstag der Bundesliga warten ausgerechnet die Bayern.

Bayern und Real werden keine Freunde

Aber auch die Münchner Meister werden sich nächste Woche wahrscheinlich mit Problemen außerhalb des Fußballplatzes auseinandersetzen müssen. In die Dauerfehde zwischen dem FC Bayern und der spanischen Liga hat sich am Wochenende auch Madrids Manager Jorge Valdano im Berliner "Tagesspiegel" zu Wort gemeldet und süffig folgende Gleichung aufgestellt: "Wenn wir nebeneinander zwei Fußballstadien bauen würden, eines für Real Madrid und eines für Bayern München, und wir würden die Eintrittskarten zum selben Preis verkaufen. Wo würden Sie hingehen? Und wo würde Herr Hoeneß wohl hingehen?"

Freunde werden sie nicht mehr werden: die bayerische und spanische Fußballkultur. Den Bayern kann es egal sein. Solange Makaay wie erhofft einschlägt. Und das nicht nur in den Medien, sondern auch auf dem Fußballplatz.

Christoph Marx

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