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Schiedsrichter-Attacke: "Schockiert über den Geisteskranken"

Es war die hässlichste Szene des Fußball-Wochenendes: Deutschlands bester Schiedsrichter Herbert Fandel wurde beim EM-Quali-Spiel Dänemark vs. Schweden von einem betrunkenen Fan angegriffen. Zwei Tage danach herrscht beim Unparteiischen immer noch Fassungslosigkeit.

Schiedsrichter Herbert Fandel hat die Attacke eines dänischen Fans beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden (3:3) am Samstagabend unverletzt überstanden. Einen Tag nach der von ihm abgebrochenen Partie im Kopenhagener Parken schilderte der Bundesliga-Referee aus Kyllburg der Tageszeitung "Die Welt" (Montag- Ausgabe) die Szene in der 89. Minute: "Ein Zuschauer sprang über die Barriere. Er rannte auf mich zu und attackierte mich, die dänischen Spieler schützten mich zum Glück vor ihm. Ich war überrascht und schockiert, dass ein Geisteskranker in einem solch großen Spiel bis zu mir vordringen konnte."

Auslöser für die Tumulte war eine Rote Karte Fandels gegen den Dänen Christian Poulsen wegen Tätlichkeit gewesen. "Poulsen schlug in meinem Rücken seinen Gegenspieler Markus Rosenberg mit der Faust nieder. Dies wurde mir von meinem Assistenten Volker Wezel angezeigt und ich habe Poulsen des Feldes verwiesen. Ich kann nicht begreifen, dass ein Spieler so vorgeht. Zumal das Spiel wirklich hochklassig und ein echtes Fußballfest war. Wir müssen mit dem Finger auf solch brutale Spieler wie Poulsen zeigen und klar machen, dass ihr Verhalten nicht erwünscht ist", sagte Fandel dem Blatt.

Partie mit Seltenheitswert

Er habe nach der Attacke einen Moment lang unter Schock gestanden und habe sich sammeln müssen, räumte der 43-Jährige ein. "Dann war mir aber klar, dass ich das Spiel abbrechen werde. Wir müssen ein Zeichen gegen die Gewalt von Spielern und Zuschauern gleichermaßen setzen. Die dänische Delegation hat sich danach sehr fair verhalten, auch Trainer Morten Olsen hat sich bei mir entschuldigt."

Die Wertung des abgebrochenen Spiels mit 3:0 für Schweden dürfte unterdessen feststehen und für den Ex-Europameister praktisch das Aus im Rennen um die EM-Plätze 2008 bedeuten. "Idiotischer geht es einfach nicht mehr", befand "Ekstra Bladet" am Sonntag. "Das war ein ganz, ganz schwarzer Tag für uns, da kann ich schon gar nicht mehr über Fußball reden", meinte der total geschockte Morten Olsen. Der Nationaltrainer hatte zusammen mit 42.000 Zuschauern im Kopenhagener Parken vor Poulsens Ausraster eine packende Partie mit Seltenheitswert erlebt.

Faustschlag als Initialzündung

Die Schweden führten durch Tore von Johan Elmander in der 7., Petter Hansson in der 22. und erneut Elmander in der 26. Minute sensationell mit 3:0. Nach dem Anschlusstreffer durch Daniel Agger (34.) starteten die Platzherren in der zweiten Halbzeit eine furiose Aufholjagd, schafften durch Jon Dahl Tomasson (62.) und Leon Andreasen (76.) tatsächlich den Ausgleich und hatten die Schweden auch danach im Griff. Bis Poulsen im eigenen Strafraum den als Joker eingewechselten Markus Rosenberg von Werder Bremen mit einem Faustschlag in die Magengrube traf, Schiri Fandel auf den Punkt zeigte und das Drama begann...

DPA/kbe

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