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Schiedsrichter-Skandal: "Vorverurteilung ersten Grades"

Die wegen Spielmanipulation angeklagten Schiedsrichter Jürgen Jansen und Wieland Ziller werfen dem DFB im Prozess gegen sie unfaires Verhalten vor: "Hier werden rechtstaatliche Grundsätze mit Füßen getreten".

Jürgen Jansen und Wieland Ziller haben erneut ihre Unschuld beteuert. "Zwischen mir und Herrn Jansen besteht keine Absprache über Spielmanipulationen", erklärte der Dresdner Schiedsrichter-Betreuer Ziller.

Jansen wies die Anschuldigungen über seinen Anwalt Stephan Reiffen zurück. Sein Mandant habe nie ein Fußballspiel verpfiffen und folglich nie Geld für eine Manipulation erhalten, sagte Reiffen dem "kicker". Jansen wolle sich in der kommenden Woche vor der Staatsanwaltschaft in Berlin äußern. "Wir halten das nicht für ein faires Verhalten des DFB und seines Kontrollausschusses. Die Anklage über die Medien war höchst überflüssig. Die Vorwürfe gegen Schiedsrichter Jansen werden aus der Welt geschafft", sagte Reiffen.

Sperre auf Lebenszeit?

Der DFB-Kontrollausschuss hatte Anklage gegen Jansen und Ziller erhoben und für das Duo eine Sperre auf Lebenszeit gefordert. Beiden wird vorgeworfen, vor der Bundesligapartie 1. FC Kaiserslautern gegen SC Freiburg (3:0) am 27. November 2004 "Absprachen zur Manipulation" getroffen zu haben. Gleiches gilt für die Zweitligabegegnung Dynamo Dresden - SpVgg Unterhaching (1:0) vom 21. November 2004. Nach Anklage des DFB soll Jansen von dem im Wettskandal beschuldigten Ante S. unter anderem über Mittelsmann Ziller insgesamt 45.000 Euro erhalten haben. An Ziller soll für die Kontaktaufnahme zu Jansen eine Provision in Höhe von 5000 Euro geflossen sein.

Zillers Rechtsanwalt Cornelius Fetsch erhob massive Vorwürfe gegen den DFB. "Wie das abläuft, ist es eine Vorverurteilung ersten Grades, die wir nicht hinnehmen", sagte er der "Sächsischen Zeitung". Seiner Ansicht nach würden durch den DFB "elementarste rechtsstaatliche Grundsätze, die man im ersten Semester des Jura-Studiums lernt, mit Füßen getreten." So sei sein Mandant vor Erhebung der Anklage nicht vom DFB gehört worden. "Man hat den Eindruck, dass hier ganz schnell zwei Personen geschlachtet werden sollen, um das unangenehme Thema zu erledigen", sagte Fetsch.

Jansen, der seit dem 2. Februar kein Spiel mehr geleitet hat, war auch schon von dem im Wettskandal als Hauptbeschuldigter geltenden früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer belastet worden. Bei einer Pressekonferenz am 4. Februar in Passau hatte er mit Hilfe von aufwendigen Videoaufnahmen seine Unschuld beteuert. Auch vor dem DFB- Bundesgericht hatte er im April jede Beteiligung an den Manipulationen bestritten.

DPA / DPA

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