Wettskandal Zwayer: "Ich kann gut schlafen"


Nach Schiedsrichter Jürgen Jansen ist auch dessen Kollege Felix Zwayer den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Wettskandal entschieden entgegen getreten. Weitere Enthüllungen Hoyzers sind aber nicht auszuschließen - auch um von sich abzulenken.

Einen Tag nach Erstliga-Referee Jürgen Jansen hat sich auch Felix Zwayer gegen die Anschuldigungen von Schiedsrichter- Kollege Robert Hoyzer zur Wehr gesetzt. "Ich habe ein reines Gewissen, und ich kann gut schlafen, denn ich weiß, dass ich nicht manipuliert habe", sagte der Referee dem "Tagesspiegel am Sonntag". Zwayer war neben Jansen und Dominik Marks von Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer im Zusammenhang mit den Wettskandal genannt. Die Berliner Staatsanwaltschaft und der DFB werfen mehreren Schiedsrichtern und Spielern vor, Spiele manipuliert zu haben, auf die vorher hohe Wetten abgeschlossen worden waren. Insgesamt ermittelt die Justiz gegen 25 Beschuldigte. Der Berliner Generalstaatsanwalt Hans-Jürgen Karge sagte, seine Behörde verfolge die Affäre mit Vorrang. Mittlerweile seien vier Staatsanwälte aus den Abteilungen zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität und der Organisierten Kriminalität mit dem Fall befasst. Zudem werde das Landeskriminalamt eine Sonderkommission einrichten, sagte Karge der "Berliner Zeitung".

Angeblich erneute Vernehmung Hoyzers

Unter Berufung auf Kreise beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) berichtete die "Süddeutschen Zeitung", dass Hoyzer am Samstag erneut von Ermittlern vernommen werden sollte. Der Sprecher der Berliner Staatsanwalt, Michael Grundwald, sagte dagegen, er habe von einer weiteren Vernehmung Hoyzers keine Kenntnis. Eine Sonderkommission des Berliner Landeskriminalamtes solle spätestens bis Anfang nächster Woche die Arbeit aufnehmen, sagte Grunwald. Doch bereits jetzt habe die Polizei mit den Festnahmen am Freitag vor einer Woche und den Durchsuchungen am Mittwoch "richtig gute Arbeit" geleistet.

Zwayer sollte laut "Tagesspiegel" am Samstagabend ein kurzes Statement in der ARD-"Sportschau" abgeben. "Als ich das konkrete Angebot von Robert Hoyzer bekam, habe ich mich an meine Schiedsrichterkollegen gewandt", sagte Zwayer dem Blatt und fuhr fort: "Das war für mich der Zeitpunkt, wo mich die Situation so sehr belastet hat, dass ich sofort reagieren musste. Ich betone noch einmal, dass ich dieses Angebot sofort und vehement abgelehnt habe." Zwayers Anwalt Uwe Freyschmidt kritisierte den DFB: "Ich würde mir wünschen, dass der DFB als Verband, der schließlich eine Fürsorgepflicht hat für seine Schiedsrichter, sich entscheidet, Felix Zwayer mehr den Rücken zu stärken."

Einspruch gegen 13 Spielwertungen

Beim DFB-Sportgericht wurde im Zusammenhang mit den Wett- und Spielmanipulationen bislang Einspruch gegen 13 Spielwertungen eingelegt, wie der Verband auf seiner Internetseite mitteilte. Dabei handelt es sich um Begegnungen zwischen August und Dezember vergangenen Jahres - in der Bundesliga um das Spiel 1. FC Kaiserslautern gegen den SC Freiburg. Protest eingelegt worden sei auch gegen das Ergebnis der Zweitliga-Begegnungen MSV Duisburg gegen SpVgg Greuther Fürth, LR Ahlen gegen Wacker Burghausen, Rot-Weiß Essen gegen den 1. FC Köln, Dynamo Dresden gegen die SpVgg Unterhaching, Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg sowie SpVgg Unterhaching gegen den 1. FC Saarbrücken. Einsprüche habe es auch gegen das Pokalspiel SC Paderborn 07 gegen den HSV, zwei weitere Pokalbegegnungen und drei Partien der Regionalliga Nord gegeben.

Dass Hoyzer in den kommenden Wochen immer wieder Namen möglicher Verdächtiger in den Raum werfen wird, wollte der Sportrechtler Elmer Richard nicht ausschließen. "Möglicherweise hat er sich noch ein paar Namen aufgehoben. Er will natürlich von sich ablenken, das ist klar, das würde ich ihm als Anwalt auch empfehlen", sagte Elmer im NDR. Ob Hoyzer dabei die Wahrheit sage, könne er als Außenstehender nicht beurteilen.

Stoiber fordert lebenslange Spielverbote

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber forderte unterdessen für alle am Wettskandal beteiligten Fußballer und Schiedsrichter lebenslange Spielverbote. "Wer als Spieler oder Schiedsrichter auf diese Weise das Vertrauen von Millionen Menschen mit Füßen tritt, hat keine Gnade verdient", sagte der CSU-Chef der "Welt am Sonntag". Die Fußball-Wettaffäre und die Skandale um Nebeneinkünfte von Politikern könnten Deutschland in der internationalen Anti-Korruptions-Rangliste schon bald wieder zurück fallen lassen, befürchtet der Vorstandsvorsitzende der Anti-Korruptions-Vereinigung Transparency International, Hansjörg Elshorst. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sprach er sich zudem für die Einführung eines eigenen Straftatbestandes Korruption bei Schiedsrichtern aus.

AP, DPA, Reuters AP DPA Reuters

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