Senkrechtstarter Umschwärmt, begehrt und bodenständig


In der Hinrunde gingen sie ab wie Raketen, jetzt hoffen Benjamin Lauth, Kevin Kuranyi, Arne Friedrich und Paul Freier auf weitere zündende Auftritte. Die Senkrechtstarter der Bundesliga stehen unter besonderer Beobachtung.

In der Hinrunde gingen sie ab wie Raketen, jetzt hoffen Benjamin Lauth, Kevin Kuranyi, Arne Friedrich und Paul Freier auf weitere zündende Auftritte. Die Senkrechtstarter der Bundesliga stehen unter besonderer Beobachtung: Vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaften 2006 im eigenen Land sind sie die Hoffnungsträger. Deshalb buhlen die großen Clubs um die Jungstars, doch das Quartett bemüht sich um Bodenhaftung. "Ich muss auf dem Teppich bleiben und weiter an mir arbeiten, denn ich muss noch viel lernen", sagt Bochums Nationalspieler Freier. Und "Löwe" Lauth widerspricht allen Schlagzeilen: "Ein Star bin ich mit Sicherheit keiner."

Zeit der Besinnung

Nach turbulenten Monaten nutzten die Profis die fußballfreie Zeit um Weihnachten auch zur Besinnung. Lauth war froh, "mal wieder ein paar Tage bei meinen Eltern und Geschwistern daheim zuverbringen". Im Trainingslager des TSV 1860 München in Dubai brach der Rummel über den 21-jährigen Angreifer schnell wieder herein: Sein Fallrückzieher aus dem Benefizspiel zu Gunsten der Flutopfer wurde zum "Tor des Jahres" gewählt.

Viel mehr beschäftigte Lauth allerdings eine Entzündung seiner Achillessehne. "Ich bin nicht der Typ, der sich unbedingt vor die Kamera drängen will", meinte Lauth. "Außerdem kann der Erfolg auch ganz schnell wegbleiben und sich das Blatt wenden." Dass ihn Franz Beckenbauer zum "Spieler der Hinrunde" erklärt hat, würde ihm nicht groß weiterhelfen.

Hoffnungsträger, die begeistern

"Mit Benjamin Lauth und Kevin Kuranyi gibt es zwei Hoffnungsträger, die mich begeistert haben", schwärmte Günter Netzer in der "Sportbild". "Ich bin erleichtert, dass uns mit diesen zwei Angreifern die große Sorge genommen wird, keinen Stürmernachwuchs mehr zu haben." Der Stuttgarter Kuranyi ließ im Urlaub mit Freundin Victoria in der Dominikanischen Republik seinen Aufstieg Revue passieren. Wenn der in Rio de Janeiro geborene 20-Jährige an seine Tore denkt - insgesamt 18 für den VfB und die U-21-Nationalmannschaft - strahlen immer wieder seine Augen. "Ich staune noch jedes Mal, wenn ich treffe", sagt Kuranyi. "Und jedes Tor macht mich sehr glücklich."

Gestiegene Anerkennung

DFB-Teamchef Rudi Völler hat ihm schon einen weiteren Karrieresprung in Aussicht gestellt: "Wenn er so weiterspielt, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis er in der Nationalmannschaft dabei ist." Im VfB-Trainingslager in Albufeira genoss der Tennie-Schwarm die gestiegene Anerkennung bei seinen Kollegen. "Jetzt bin ich nicht mehr der Amateur Kuranyi, sondern ein Spieler, der zur Mannschaft gehört."

Wenn es nach Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, ginge, würde Kuranyi bald nach Berlin gehören. "Ich würde gerne hier bleiben. Im Moment gibt es keinen besseren Verein für mich als den VfB", sagt jedoch der Stürmer. Sein Vertrag läuft bis 2004, die Stuttgarter haben zudem die Option auf ein weiteres Jahr.

Gesunde Verhältnisse

Bis 2005 steht "Slawo" Freier in Bochum unter Vertrag: "Bis dahin bleibe ich beim VfL. Hier will ich Erfolg haben." Der 23-Jährige zieht seine Stärke vor allem "aus den gesunden Verhältnissen zu Hause". Obwohl sein Marktwert mittlerweile auf 6 Millionen Euro taxiert wird, gehen seine Eltern Eugen und Christina unverdrossen ihrer gewohnten Arbeit nach: Der Vater in einer Papierfabrik, die Mutter als Reinigungskraft in einer Schule.

Bis 2006 gar hat sich Lauth seinem derzeitigen Arbeitgeber verpflichtet. In vertrauter Umgebung "vernünftig trainieren und sich weiter entwickeln" will sich auch Herthas Aufsteiger Friedrich. Hoeneß würde den Newcomer, der aus der zweiten Liga (Arminia Bielefeld) bis in die Nationalelf durchstartete, am liebsten über 2005 hinaus an den Verein binden, doch der Abwehrspieler hat derzeit keine Lust auf Vertragsverhandlungen: "Ich brauche meinen Kopf jetzt für andere Dinge." Fürs Fußballspielen nämlich.

Ulrike John DPA

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