Sonntagspiele Debakel für den HSV, Altintop rettet FC Schalke


Traurige Hamburger, jubelnde Schalker. Während sich der HSV in Wolfsburg abbügeln ließ, konnte Schalke 04 wieder ein Glanzstück des jungen Türken bejubeln.

Dank einer großartigen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit darf sich der VfL Wolfsburg in der Fußball- Bundesliga nach oben orientieren, für den Hamburger SV ist der schlechteste Saisonstart seit acht Jahren perfekt. Im Nordduell setzten sich die «Wölfe» am Sonntag verdient mit 5:1 (0:0) durch und rückten durch den zweiten Sieg im dritten Spiel auf Rang sechs vor. Der Ligapokal-Sieger aus Hamburg, der nach drei Spieltagen erst einen Punkt aufweist, läuft nach dem Desaster in Wolfsburg als Tabellen-15. weiter seinen eigenen Ansprüchen hinterher.

Hamburger gingen in Führung

Die 27 635 Zuschauern wurden nach der Pause für eine schwache erste Hälfte Halbzeit versöhnt: Die Hamburger gingen durch Sergej Barbarez (48.) in Führung. Doch die Wolfsburger ließen sich nicht erschrecken: Diego Klimowicz (50.), der überragende Martin Petrow (60.), Sven Müller (70.), der immer stärker werdende Andres D’Alessando (75.) und erneut Klimowicz (86.) sorgten für einen deutlichen Erfolg. Erstmals seit ihrer Bundesliga-Zugehörigkeit schafften die Wolfsburger fünf Tore in einer Halbzeit.

Die Hamburger, die seit dem 30. November 2002 auf einen Auswärtssieg warten, verpatzten indes die Generalprobe für das Jubiläumsspiel zum 40. Geburtstag der Bundesliga am kommenden Sonntag gegen Rekordmeister Bayern München. "So wie wir die letzten 40 Minuten gespielt haben, muss man Angst haben vor dem nächsten Spiel gegen Bayern", meinte der völlig verärgerte HSV-Trainer Kurt Jara. Er kündigte eine harte Welle an: "Das war einer Bundesliga-Mannschaft nicht würdig. In den kommenden Wochen wird einer anderer Ton herrschen. Man kann so etwas nicht akzeptieren."

Jaras Kollege Jürgen Röber war verständlicherweise zufrieden: "Wir sind unglaublich schwer ins Spiel gekommen und haben dafür die Quittung kurz nach der Pause erhalten. Doch danach haben wir sehr gut gespielt." Röber freute sich vor allem für den kleinen Argentinier D’Alessandro: «Er findet sich allmählich in der Bundesliga zurecht.»

Die Gäste bestimmten in den ersten Minuten das Geschehen. Stefan Beinlich und Barbarez bemühten sich, im Mittelfeld das Spiel der Hanseaten zu gestalten. Die beste Möglichkeit hatte in der 15. Minute der Japaner Naohiro Takahara, der nach Pass von Barbarez aus 18 m nur knapp mit seinem Schuss das VfL-Tor verfehlte. Von den Wolfsburgern war zunächst gar nichts zu sehen. Auch D’Alessandro gelang vor der Pause beinahe gar nichts.

Weckzeichen für die Gastgeber

Nach 20 Minuten war es mit der HSV-Dominanz vorbei. Die Wolfsburger wurden gleichwertig, ohne zu überzeugen. Sekunden vor dem Pausenpfiff hatten Petrow die beste Wolfsburger Chance: Bei einem Freistoß aus 18 m schoss er den Ball an die Latte. Der Schuss wirkte wie ein Weckzeichen für die Gastgeber: Zwar ging der HSV drei Minuten nach Wiederbeginn durch Barbarez in Front (Jara: "Das Tor war Gift für uns."), doch beinahe im Gegenzug vollstreckte Klimowicz die Vorarbeit des besten Wolfsburgers Petrow. Die Partie wurde unterhaltsamer: Erst prüfte D’Alessandro HSV-Keeper Pieckenhagen (54.), dann rettete der Wolfsburger Maik Franz im letzten Moment nach einer Flanke von Beinlich (55.). VfL-Stürmer Petrow (59.) scheiterte aus 18 m an Pieckenhagen.

Nur eine Minute später kam der große Auftritt von Petrow, als er einen 60 m Alleingang erfolgreich abschloss. Die Entscheidung fiel in der 70. Minute: D’Alessandro schickte den eingewechselten Müller, der den Ball durch die Beine von Pieckenhagen ins Tor schoss. D’Alessandro krönte seine gute zweite Halbzeit mit dem Treffer zum 4:2 (75.). Klimowicz (86.) nutzte eine Verwirrung in der HSV-Abwehr, um den Endstand zu markieren.

Altintop rettet FC Schalke

Mit seinem Treffer in der dritten Minute der Nachspielzeit rettete der Türke den "Königsblauen» am Sonntag den unverdienten 2:1 (1:0)-Erfolg über am Ende nur noch neun Spieler des wackeren Aufsteigers 1. FC Köln. Vor 61 027 Zuschauern in der Arena "AufSchalke" hatte Victor Agali (42.) die Schalker in Führung gebracht, die Dirk Lottner (51.) verdientermaßen für die starken Kölner ausgleichen konnte. Beide Mannschaften beendeten die Partie dezimiert: Schalkes Jochen Seitz und der Kölner Jörg Heinrich sahen nach Tätlichkeiten Rote Karten (beide 53.), Heinrichs Club-Kollege Marius Ebbers (Unsportlichkeit/90.) zudem Gelb-Rot.

«Das war ein äußerst glücklicher Sieg für uns. Wir waren nicht frisch und spritzig genug, aber ich bin natürlich sehr froh, dass der erste Sieg endlich unter Dach und Fach ist», sagte Schalkes Trainer Jupp Heynckes, der sich zumindest mit dem Ergebnis zufrieden zeigte. Dagegen waren die Kölner nach der dritten knappen Saison-Pleite konsterniert. "Wir konnten sehr gut mitgehalten und hatten Torchancen ohne Ende», klagte Kapitän Lottner. «Wenn man dann trotzdem verliert - unglücklicher kann es ja wohl nicht laufen." Und Trainer Friedhelm Funkel stellte betrübt fest: "Wir waren dicht dran am ersten Punkt und dürfen den Kopf nun nicht in den Sand stecken.

Köln ohne Neun

Den Gastgebern war das Fehlen von neun Stammkräften deutlich anzumerken. Die Gäste agierten erfolgreich mit Forechecking und hatten auch die erste Chance: Carsten Cullmann (10.) zielte per Kopf daneben. Auf der Gegenseite waren die Knappen nur bei Einzelaktionen gefährlich. Altintop (16.) setzte einen 28-m- Freistoß knapp neben das Kölner Tor, Agali (20.) machte es ihm kurz darauf mit einem sehenswerten Drehschuss von der Strafraumgrenze nach. Dann hatte Kölns Tomasz Klos großes Glück (24.). Der Neuzugang fälschte einen Hajto-Schuss knapp neben das eigene Tor ins Aus ab.

Die Kölner mischten weiter munter mit und hätten eigentlich in Führung gehen müssen, weil Tomasz Waldoch ihnen mit gleich zwei Patzern in einer Minute eine Doppelchance offerierte. Erst foulte Andrej Woronin aber seinen Gegenspieler, dann scheiterte er an Keeper Frank Rost (32.). Das inkonsequente Offensiv-Spiel des Aufsteigers rächte sich dann kurz vor der Pause: Nach Ebbe Sands geschickter Vorlage staubte Sturmkollege Agali aus Nahdistanz zur Führung ab.

Lottners Traumtor

Kurz nach Wiederanpfiff schaffte Lottner mit einem schönen 20-m- Freistoß den Ausgleich. Kurz darauf gerieten im Zweikampf Heinrich und Seitz aneinander, Schiedsrichter Wolfgang Stark stand direkt daneben und stellte beide Akteure vom Platz. Ein Mann weniger - damit kamen die Gäste zunächst besser zurecht: Ebbers (61.) vergab frei vor Rost das sichere 1:2. Nachdem Ebbers in der hektischen Endphase dann auch vom Feld musste, traf Altintop mit dem letzten Schuss doch noch.

Hans-Joachim Zwingmann und Andreas Schirmer DPA

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