Sonntagsspiele Schalke taumelt und fällt


Schalke 04 hat bei Bayer Leverkusen eine schwere Niederlage kassiert und taumelt weiter in die Krise. Hertha BSC übernimmt trotz eines schmeichelhaften Unentschiedens gegen Stuttgart die Tabellenführung.

Mit dem überragenden Doppel-Torschützen Gonzalo Castro hat Bayer Leverkusen dem FC Schalke 04 die zweite bittere Lektion innerhalb von drei Tagen erteilt und dem Revierclub den Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga verbaut. Der 19-jährige Castro traf beim hochverdienten 3:1 (1:1)-Sieg gegen die Gäste aus Gelsenkirchen gleich zwei Mal (28./47. Minute). Vor 22 500 begeisterten Zuschauern in der ausverkauften BayArena leitete der Jungprofi mit dem 1:1 die Wende ein und brachte Bayer nach der Pause auf die Siegerstraße; Carsten Ramelow sorgte mit dem 3:1 für die Entscheidung (56.). Kapitän Marcelo Bordon hatte Schalke mit seinem ersten Saisontor in der 7. Minute in Führung gebracht.

"Nur 20 Minuten stark aufspielen - das reicht halt nicht. Nach dem Ausgleich war die Mannschaft wie geschockt. Ich musste sie in der Halbzeitpause wieder aufrichten", sagte Schalkes Trainer Mirko Slomka. "Leider haben wir unsere Auswärtsschwäche bestätigt. Aber irgendwann müssen wir auswärts den Hebel umlegen." Leverkusens Coach Michael Skibbe war nach dem zweiten Saisonsieg erleichtert: "Heute hat uns das frühe 0:1 vielleicht aufgeweckt."

Charaktertest nicht bestanden

Den von Slomka geforderten Charaktertest bestanden die "Knappen" drei Tage nach der Europacup-Pleite beim AS Nancy (1:3) im Bundesliga-Alltag nicht. Die stürmisch gestarteten Gäste gaben nur in den ersten 20 Minuten den Ton an, nach einem Bruch im Spiel übernahmen die Gastgeber die Initiative und erspielten sich später Chancen fast im Fünf-Minuten-Takt. Castro, Andrej Woronin und Nationalspieler Bernd Schneider ragten aus dem hochmotivierten Team heraus, das nach dem Befreiungsschlag ins Mittelfeld aufrückte.

Den Führungstreffer seines Abwehrchefs Bordon hatte Slomka noch überschwänglich mit einem Handkuss quittiert - wohl auch ein Zeichen der Erleichterung. Doch danach lief nicht mehr viel für Königsblau: Schalke kassierte im zweiten Spiel hintereinander drei Gegentreffer. Nach dem verdienten Ausgleich drehte Bayer mächtig auf und war dem 2:1 schon vor der Pause näher als Schalke, Castro (34.) und der frei stehende Paul Freier (45.+1) scheiterten. Schalkes starker Keeper Frank Rost verhinderte eine höhere Niederlage.

Kuranyi war ein Totalausfall

Die "Knappen" mussten erstmals auf Nationalstürmer Gerald Asamoah verzichten, der nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch in Nancy für rund sechs Monate ausfällt. Für die Tore sollte diesmal das Sturmduo Halil Altintop/Kevin Kuranyi sorgen: Altintop war noch bemüht, Kuranyi indes ein Totalausfall.

Skibbe stärkte mit einem taktischen Wechsel bereits nach 40 Minuten die Offensive: Für den gelb-rot-gefährdeten Ahmed Madouni rückte Stefan Kießling neben Andrej Woronin in die Spitze. Dagegen musste Skibbe weiter auf Tranquillo Barnetta verzichten, der wegen einer Innenbanddehnung wie schon beim 3:1 im Uefa-Cup gegen Sion ausfiel.

Hertha wieder spitze

Hertha BSC hat sich nach dem enttäuschenden Uefa-Cup-Aus wieder an die hart umkämpfte Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga gezittert. Nach dem 2:2 (2:1) gegen den VfB Stuttgart hielt sich bei den Berlinern die Freude über Rang eins aber in Grenzen. "Dafür können wir uns überhaupt nichts kaufen. Wir hätten lieber zwölf Punkte und wären dafür Zweiter oder Dritter", sagte Mittelfeldspieler Andreas Neuendorf. "Als Tabellenführer zu den Bayern zu fahren, hatten wir zwar noch nicht, aber die Tabelle hat überhaupt keine Aussagekraft." Gleich fünf Teams haben derzeit zehn Punkte auf dem Konto, Hertha führt nur dank der besten Tordifferenz.

Der VfB verpasste nach zwei Auswärtserfolgen erstmals in dieser Saison die drei Punkte auf fremdem Platz - sehr zum Ärger von Trainer Armin Veh. "Auf Grund der zweiten Halbzeit müssen wir das Spiel für uns entscheiden. Mir fehlen zwei Punkte", sagte Veh. Damit gerät der daheim noch sieglose VfB weiter unter Zugzwang. Nächster Gegner ist Bayer Leverkusen.

Suttgart hatte klare Chancen zum Sieg

Durch Mario Gomez (4.) gingen die Gäste zwar schnell in Führung. Nationalspieler Arne Friedrich (9.) und Torjäger Marko Pantelic (14.) drehten die Partie aber in einer tollen Startphase zu Gunsten der Hauptstädter, die in der Liga nach sechs Spieltagen weiter ungeschlagen sind. Cacau (57.) sorgte für den verdienten Ausgleich des VfB, der in der zweiten Hälfte lange das überlegene Team war und klare Chancen zum Sieg hatte.

Drei Tage nach der Uefa-Cup-Pleite gegen Odense hatte Trainer Götz die Hertha-Abwehr umgestellt, die dann auch gleich schlecht aussah. Der Schweizer Ludovic Magnin konnte von der linken Seite ungehindert flanken, Gomez war schneller als Simunic und setzte den Ball volley unter die Latte.

Pantelic mit einem Traumtor

Die Gastgeber zeigten sich von dem neuerlichen Nackenschlag nicht geschockt und schlugen in der mitreißenden Anfangs-Viertelstunde sofort zurück. Kapitän Friedrich köpfte eine Ecke von Neuendorf ein, dann schloss Pantelic eine herrliche Kombination mit einem ebenso sehenswerten Drehschuss aus der Luft ab, nachdem er sich den Ball selbst aufgelegt hatte. Die VfB-Abwehr, in der weiter der Portugiese Fernando Meira fehlte, ließ ihn aber auch gewähren.

Herthas Fünfer-Mittelfeld und die offensive Ausrichtung der weiter ohne Yildiray Bastürk und Gilberto angetretenen Berliner machten den Stuttgartern enorm zu schaffen. Von der bisherigen Auswärtsstärke der heimschwachen Schwaben war nach der Führung durch Gomez bis zur Pause nicht mehr viel zu sehen.

Cacau trifft nur die Latte

Danach spielte zunächst jedoch nur noch der VfB. Nach einem Ballverlust von Simunic bediente Ricardo Osorio Cacau, der ungehindert einköpfte. Nur eine Minute später verzog der frei stehende Gomez zur möglichen Führung gegen die defensiv zuweilen konfus agierenden Hausherren. Dann verpasste Cacau mit einem Latten-Kopfball den dritten Treffer (66.). Die müde wirkenden Berliner agierten lange Zeit zu passiv und hatten ihre beste Chance der zweiten Hälfte erst nach 70 Minuten, als ein Schuss von Christian Gimènez abgeblockt wurde.

Von Felix Hoffmann und Ulli Brünger/DPA DPA

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