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Überraschende Wendung Spielabbruch wegen rassistischer Beleidigung: Verdacht laut Polizei vom Tisch

Vor Spielabbruch: Osnabrücks Profi Aaron Opoku
Vor dem Spielabbruch der Drittliga-Partie Duisburg gegen Osnabrück: VfL-Profi Aaron Opoku (li.) informiert den Schiedsrichter aufgeregt über rassistische Äußerungen aus dem Publikum.
© Jürgen Fromme / Picture Alliance
Erstmals wurde im Dezember im deutschen Profifußball eine Partie wegen rassistischer Beleidung eines Spielers abgebrochen. Dafür gab es viel Anerkennung. Doch nun die überraschende Wende: Der Verdacht hat sich nicht bestätigt.

"Du Affe kannst auch keine Ecke schießen." Als dieser Satz am 19. Dezember während der Drittliga-Partie zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück von der Zuschauertribüne gebrüllt wurde, war die Aufregung groß. VfL-Spieler Aaron Opoku fühlte sich direkt angesprochen und rassistisch beleidigt. Der Schiedsrichter reagierte und brach die Partie ab – ein Novum im deutschen Profifußball. Beide Vereine zeigten sich bestürzt, der Abbruch wurde als deutliches Zeichen gegen Rassismus weithin begrüßt. Doch nun gibt es eine überraschende Wendung in dem Fall. Laut den Ermittlungen der Polizei ist der Rassismusverdacht wohl vom Tisch.

"Die Ermittlungen haben den Verdacht der Affenlaute nach Einschätzung der Polizei nicht bestätigt", teilte die Duisburger Polizei mit. Der als Tatverdächtige ermittelte 55-jährige Zuschauer des Spiels habe mit seiner Äußerung "mutmaßlich" nicht den Osnabrücker Opoku gemeint, sondern dessen Mannschaftskameraden Florian Kleinhansl. Das entspricht weitgehend dem öffentlich gewordenen Geständnis des 55-Jährigen. Auswertungen von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen von Spielern, des Schiedsrichtergespanns, von Zuschauern und Ordnern hätten dies bestätigt, so die Polizei. Insgesamt habe sich durch die Ermittlungen "ein deutlicheres Bild der Vorkommnisse auf dem Spielfeld und der Tribüne" ergeben. Ihre Erkenntnisse hat die Polizei an die Staatsanwaltschaft Duisburg übergeben, die nun über das Verfahren entscheidet.

MSV Duisburg erleichtert über Ermittlungsergebnisse

Während der VfL Osnabrück bisher nicht offiziell reagiert, zeigte sich der MSV Duisburg in einer Mitteilung "vorbehaltlich einer finalen und abschließenden Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft" erleichtert über die Ermittlungsergebnisse. Das weltoffene Leitbild des Clubs werde nun doch nicht nachhaltig beschädigt, hieß es. Der Club dankte seinen Anhängern dafür, durch Zeugenaussagen die Ermittlungen unterstützt zu haben.

Unabhängig davon, dass sich der Verdacht im konkreten Fall offenbar nicht bestätigt hat, sind Rassismus und rassistische Beleidigungen im Fußball unstrittig seit langem ein ernstes Problem. "Diesmal wurde nicht wie sonst immer beschwichtigt, verhandelt, beruhigt und wieder angepfiffen, sondern klargestellt, dass nicht weitergespielt werden kann, wenn Spieler wegen ihrer Hautfarbe von Zuschauern herabgewürdigt werden", würdigte der Chefredakteur des Fußball-Fachblattes "11 Freunde", Philipp Köster, seinerzeit den Abbruch der Drittligapartie. Unzählige Vorfälle habe es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben, es sei beschämend, dass erst jetzt erstmals  bei einem Profispiel Konsequenzen gezogen wurden.

Das abgebrochene Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück ist für den 2. Februar neu angesetzt worden.

Quellen: Polizei Duisburg, Mitteilung MSV Duisburg

dho

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